Henschel - Flugmotorenwerk

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Auf dem Gelände des ehemaligen Henschel-Flugmotorenwerks in Altenbauna wurde im Jahre 1957 das VW-Werk angesiedelt. Die Henschel-Werke, die sich in einer Krise befanden, verkauften das gesamte Werksgelände der früheren Henschel-Flugmotoren-Fabrik zwischen Altenbauna und Rengershausen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

1930 war Altenbauna ein kleiner Ort

Henschel Flugmotorenwerk Altenbauna
Anfang 1930 war Altenbauna ein kleiner beschaulicher Ort. Etliche größere und kleinere Bauernhöfe prägten hier und in den umliegenden Ortschaften Rengershausen und Großenritte das dörfliche Leben.

Einsam an der Landstraße nach Fritzlar, der späteren Bundesstraße 3, lag eine eine Brauerei in der Nähe des Lohwalds.

Hier holten sich Bauern der umliegenden Gemeinden Holz, zum Bauen und Heizen. Oft schossen sie hier auch Wild für den Sonntagsbraten.

Anfang Oktober 1936 wurde der Lohwald in einer Nacht- und Nebelaktion eingezäunt. Erste Besprechungen zum Kauf des Waldes als Werksgelände für eine Rüstungsfabrik fanden aber schon im Juli 1936 mit dem Kreisbauernführer Sinning statt. Ohne Absprache wurde den Bauern nun der Lohwald weggenommen.

In den umliegenden Dörfern protestierten Bauern gegen das Bauvorhaben. Aus Protest nahmen sie im Oktober 1936 nicht am Erntedankfest teil. Die Bauern befürchteten ferner, dass die Arbeitskräfte auf ihren Höfen, sich lieber in der Rüstungsfabrik Arbeit suchten.

Rüstungsbetrieb sollte verborgen bleiben

Doch worum ging es überhaupt ?
Im Auftrag des Reichsluftfahrtministeriums in Berlin sollte hier eine Fabrik entstehen, die Henschel Flugmotorenbau GmbH.

Für die deutsche Luftwaffe sollten dort Daimler-Benz Flugmotoren in Lizenz hergestellt werden.

Wegen der Lage im Lohwäldchen nannte man die neue Fabrik auch Lohwerk.

Dass hier gebaut wurde, hatte mindestens zwei Gründe: Erstens sollte der Rüstungsbetrieb optisch weitgehend verborgen bleiben. Der Wald bot den Hallen eine gute Tarnung.

Zweitens sollte der Transport von Rohstoffen und Motoren möglichst günstig sein. Das Fabrikgelände befand sich nahe dem Altenbaunaer Bahnhof, besaß also mit der Kleinbahn Kassel-Naumburg einen Eisenbahnanschluss.

Doch machen wir einen Sprung 3 Jahre zurück in die nahe gelegene Stadt Kassel: Die Firma Henschel in Kassel war mit der Produktion von Lokomotiven und Lastkraftwagen weltbekannt.

Am 30. März 1933 wurden hier in Kassel, die Henschel-Flugzeugwerke, kurz HFW, als Tochter der Mutterfirma Henschel und Sohn gegründet. Die Produktionsstätte der HFW war aber in Berlin-Schönefeld. Eine Tochtergesellschaft der Flugzeugwerke ist die HFM, die Firma Henschel-Flugmotorenbau GmbH.

Am 09. Juli 1936 wurde sie mit einem Stammkapital von 20.000 Reichsmark beim Amtsgericht Kassel eingetragen. Alle Firmen arbeiteten streng eigenständig. Bis zum 31. März 1937 wurden die Flugmotoren noch im Kasseler Stammwerk, in Hallen der Lokfabrik produziert.

Doch da die Betriebsräume in Kassel nicht für diese Produktion geeignet waren, musste schnell ein neuer Standort gefunden werden. Schon vorher, am 25.Oktober 1936, war auf Drängen des Luftfahrtministeriums der erste Spatenstich für das neue Werk im Lohwald erfolgt. Die Bauarbeiten liefen Tag und Nacht rund um die Uhr. Sechs Monate später brachten Henschelbusse die ersten Pendler in das „Lohwerk“.Plan hfm.jpg

Große Produktionshallen waren fächerförmig im Wald angeordnet. Ganz in der Nähe, entstand auch eine fliegertechnische Vorschule. In dieser kasernenmäßigen Unterkunft waren 250 14-jährige Militärschüler untergebracht, die zu Flugmotorenschlosser ausgebildet und anschließend sofort zur Luftwaffe eingezogen wurden.

1937 Grundsteinlegung für das Verwaltungsgebäude

Kameradschaftsheim, rechts Block 10 mit Bürogebäude, Garagen und Sicherheitsdienst

1937 wurde am Heldengedenktag der Grundstein für das Verwaltungsgebäude gelegt. Am 21. April 1939 war das Kameradschaftsheim fertig. In der Kantine wurde erstmals Essen an die Belegschaft ausgegeben. Eine kräftige Suppe kostete 15 Reichspfennige und ein Fleisch-Menü 45 Reichspfennige. Der Speisesaal fasste 600 Personen.

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Die Direktoren der Henschel Flugmotorenwerke waren in dieser Zeit: Dr. Leonid Rothe, Dr. Fritz Hinz und Dr. Richard Fichtner, der kurze Zeit später starb und durch Dr. Zürchner ersetzt wurde. Später in den frühen 40er Jahren waren Dr. Stein und Schulz die Direktoren.

Die Lizenzmotoren, die HFM hier produzierte, waren der Daimler Benz 601, später auch noch DB 603, DB 605 und 610. Die Motoren wurden für verschiedene Flugzeuge gebraucht.

Bau 4 Teilmontage 18.jpg Bau 5 Serienmontage 22.jpg

Ein Teil der Motoren blieben in Kassel. Sie wurden per Bahn nach Lohfelden transportiert und dort im Fieseler Werk 2, in die Fieseler Fi 167 und in die bei Fieseler in Lizenz gebauten Flugzeuge Focke Wulf 190 und Messerschmidt 109 eingebaut.

Nach der Fertigstellung der Maschinen wurden diese auf dem Flugplatz in Kassel-Waldau von Fieseler-Werkspiloten eingeflogen. Hier hatten die Henschel-Flugmotorenwerke auch eigene Gebäude erbaut.

Kriegswichtig waren die bei HFM produzierten Motoren vor allem bei der Heinkel 111, ein Bomber, der in einer großen Stückzahl gebaut wurde.

Zu der Zeit gab es in Deutschland 12 Hersteller von kolbengetriebenen Flugmotoren. Aber jeder zehnte produzierte Flugmotor stammte aus dem „Lohwerk“ in Altenbauna. Sieben Tage in der Woche wurde gearbeitet. Montags bis samstags in zwei Schichten von 10 bis 12 Stunden und Sonntags 8 Stunden lang.

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Um Wohnraum für die Mitarbeiter zu schaffen, wurde 1937 mit der Besiedlung des Mattenbergs begonnen. Im Juli 1939 waren ca. 700 Wohnungen für auswärtige Arbeiter der Flugmotorenwerke Henschel am Mattenberg bezugsfertig.

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In Hoof bei Kassel entstand 1937 zusätzlich eine Siedlung für Stammarbeiter

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1940 Kriegsgefangene und Zivilarbeiter im Werk

Da der Arbeitskräftemangel größer wurde, sind Anfang 1940 Kriegsgefangene und ausländische Zivilarbeiter im Werk eingesetzt worden. Bei den „Henschel-Flugmotoren“ versuchte man aber, die Stamm-Belegschaft mit sozialen Vorteilen an das Werk zu binden.

Auf eine solide Ausbildung der Lehrlinge wurde geachtet. Die Ausbildung war straff, fast militärisch geregelt. Der morgendliche Appell und viel Sport prägten den Tagesablauf.

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Eine eigene Krankenversorgung und Krankenkasse wurde aufgebaut, Erholungsaufenthalte für die Angestellten und ihre Angehörigen geschaffen.

Im Werk gab es einen eigenen Werksschutz, eine Werksfeuerwehr und den Werksrundfunk zur Verbreitung der Propagandameldungen.

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Sportgruppen, Chor, Orchester und andere Freizeitgruppen, wurden geschaffen. Es gab auch so genannte Werkskümmerer, die sich um private Schwierigkeiten der Mitarbeiter kümmerten.

Noch im Oktober 1940 kamen 1725 Pendler aus Kassel. Um die vielen Pendler schneller in das Werk zu transportieren, wurde am 16. Februar 1941 die Straßenbahnlinie 7 eingeweiht. Die neue Straßenbahnlinie fuhr vom Kasseler Königsplatz über Oberzwehren bis zum Haupttor des „Lohwerks“.

Außer den Personalproblemen gab es auch viele Probleme mit der Anlieferung von Rohstoffen und Halbfabrikaten. Im Juni 1941 waren Tankwagen kaum verfügbar. So mussten das Flugbenzin, dass dringend zum Probelauf der Motoren gebraucht wurde, mit betriebseigenen Fahrzeugen vom Flugplatz Fritzlar geholt werden.

Ende 1941 gab es Engpässe bei den Getriebelieferungen, die bei der Firma Köllmann und der Firma Opel hergestellt wurden. Die Firma Opel war schon seit 1936 im Besitz der amerikanischen Firma „General Motors“. So verdiente die US Wirtschaft mit an Hitlers Weltkrieg. Weitere Engpässe gab es bei Kurbelwellengehäusen und Ende 1943 bei Kugellagern. Diese kamen aus Schweinfurt. Das Kugellager-Zentrum wurde zu der Zeit immer wieder von den Amerikanern bombardiert.

Ab Oktober 1940 kamen die ersten polnischen Zwangsarbeiter zu den Henschel-Flugmotorenwerken, 1942 auch russische Zivil- und Zwangsarbeiter. Ende 1942 waren ca. 3000 ausländische Personen dort beschäftigt, ihre Zahl stieg bis zum Jahr 1944 weiter an. Hauptsächlich waren es Belgier, Slowenen, Franzosen, Italiener, Niederländer und Tschechen.

Barackenlager am Mattenberg

Diese Zivil- und auch Zwangsarbeiter waren in Barackenlagern nahe des Werkes untergebracht. Ein Barackenlager stand am Mattenberg. Hier wurden 54 Baracken für mindestens 3500 bis 4000 Menschen errichtet. Das Mattenberg-Lager hatte einen eigenen Kindergarten, der mehr als 400 Kinder betreute. Trotz Teilzerstörungen durch Luftangriffe wurde das Lager bis zum Kriegsende von Henschel genutzt. Noch 1949 diente dieses Lager für Flüchtlinge und als Obdachlosenheim.

Das Gelände ging Anfang der 50er Jahre in städtisches Eigentum über. 1968 wurde es aufgelöst und wegen Seuchengefahr durch die Berufsfeuerwehr niedergebrannt. Beim verschütten von Brandbeschleunigern und werfen einer Brandfackel, kam es zu einer Verpuffung. Feuerwehrmann Kurt Reitze verletzt sich dabei.

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Ein zweites Arbeitslager entstand 1940 westlich der Lohkaserne in der Gemarkung Rengershausen. 1944 umfasste das Lager 28 Baracken. Drei davon beherbergten Kriegsgefangene. Diese drei, waren eingezäunt und wurden von der Wehrmacht bewacht. Am 19. April 1944 wurde das Lager durch einen Bombenangriff zerstört. Die Überlebenden sind in das Lager Mattenberg verlegt worden. Am 7.-12. und 13. August 1940 wurde das „Lohwerk“ von Bombern angegriffen. Die Hallen 2 und 5 wurden beschädigt.

Auf dem Gebäude 12 war Anfangs leichte Flak postiert. Schon nach dem ersten Angriff wurden die Geschütze wegen fehlender Wirkung demontiert. Außerdem waren mehrere Flakstellungen mit größerem Kaliberzum Schutz, um das Werk vorhanden. So im Langen Feld, nahe des heutigem Autobahnkreuzes.

Im August 1941 sind 146 Flugmotoren neu gebaut und 126 Motoren repariert worden. Die Produktion ist bis Kriegsende enorm gesteigert. Bis August 1944 wurden 525 Flugmotoren hergestellt.

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Schon am 1. Juni 1942 musste Oscar Henschel auf Anordnung von Staatsrat und NS-Gauleiter Karl Weinrich den Vorsitz in der Geschäftsführung aufgeben. Angeblich konnte er die Fertigungstermine nicht einhalten.

Bei einem Angriff am 27. und 28. Juni 1942 auf den Süden Kassels, hauptsächlich auf die Firma Credé, bekam das Flugmotorenwerk einige Treffer ab. Es entstand aber lediglich ein kleinerer Brand. Trotz des Krieges und der Angriffe auf das Werk fanden bunte Abende für die Belegschaft statt. Auch die Lehrlinge nahmen daran teil.

Großangriff auf Kassel am 22. Oktober 1943

Bei dem Großangriff auf Kassel am 22. Oktober 1943 wurde Oscar Henschels Haus am Weinberg 23 total zerstört. In den Nachbarhäusern wohnten weitere Direktoren der Henschel Werke. Auch diese Häuser waren nicht mehr bewohnbar. Oscar Henschel zog auf seinen Landsitz nach Gut Falkenberg bei Wabern. Am 5. Dezember 1943 zerstörte eine Gasexplosion Teile von Gebäude 14, in dem einige der Prüfstände untergebracht waren. 6 der 8 neuen und sehr wichtigen Motorenprüfstände wurden total zerstört. Zwei Facharbeiter kamen dabei ums Leben. Im Januar 1944 wurden die zerstörten Prüfstände durch Freiluftprüfstände ersetzt.

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Schon im Oktober 1943 lagerte HFM aus und mietet Räume in Dingelstädt bei der Zigarrenfabrik Neumann für einen jährlichen Mietzins von 8340,00 RM an, außerdem Räume in der Strickwarenfabrik Schellhaas im gleichem Ort. Die Arbeiter wurden vorher in Altenbauna geschult. Bei dem Abwurf von einigen Brandbomben am 24. auf 25. März 1944 entstand nur ein geringer Fensterschaden.

Bei Fliegeralarm mussten die Schreibmaschinen mit in den Werksstollen genommen werden. Etliche Mitarbeiter suchten auch im nahen Baunsbergstollen Schutz. Trotz starken Flakabwehrfeuers gab es am 19. April 1944 gegen 10.30 Uhr einen größeren Angriff mit 50 bis 60 Bombern. Der Angriff dauerte nur sechs bis acht Minuten. Das Ziel war GY 4681.

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130 Spreng- und 80 Flüssigkeitsbomben trafen das Werk

Das waren die Henschel- Flugmotorenwerke.
130 Spreng- und 80 Flüssigkeitsbomben trafen das Werk und richten größeren Schaden an. 600 versandfertige Motoren verbrannten. Die Serienmontage wurde völlig zerstört, 12 Arbeiter kamen ums Leben, viele wurden verletzt. Doch schon 14 Tage später konnte in der ausbrannte Halle die Fertigung wieder aufgenommen werden. Trotzdem kam aus Berlin die Anordnung, die Produktion auf andere Standorte zu verlagern.

Die mechanische Fertigung wurde nach Ziegenhain verlagert, in die Firma Helwig und Sohn, außerdem nach Bad Hersfeld in die Tuchfabrik Braun und Rechberg, die Materiallager in verschiedene Gaststätten, so auch nach Züschen und Rhünda. Andere Verlagerungsstandorte waren das Mauser Werk 2 in Waldeck und eine Eisengießerei in Holzhausen bei Homberg, außerdem Garagen des Reichsluftfahrtministeriums in Wega bei Bad Wildungen. In diese Räume zogen 1950 die Correkta Werke ein.

Unter den Standorten war auch die "Niederaulaer Dampfziegelei und Zementwarenfabrik GmbH". Diese Firma von Johann Zange, die neben Ziegelsteinen auch Betonelemente fertigt, wurde stillgelegt. Auf dem Werksgelände richteten die Henschel-Flugmotorenwerke eine Härterei ein.

Bei der Verlagerung halfen Heeresbaukompanien und Hilfszüge des Reichsarbeiterdienstes. Jeden Tag wurden 200 Werkzeugmaschinen in vorbereitete Räumlichkeiten gebracht. Am 1.6.1944 war die Auslagerung abgeschlossen. Kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges, wurde immer noch versucht, die Produktion aufrecht zu halten: So in Leinefelde im Südharz, der Mühlbergtunnel 1 und 2 und auch der Bischofferöder Tunnel wurde den Henschel-Flugmotorenwerken zugewiesen. Hier sollten Kurbel- und Getriebegehäuse Untertage hergestellt werden. In Elbenberg bei Kassel wurde eine Großstollenanlage mit einer Sohlenlänge von fast einem Kilometer und einer Sohlenfläche von 4160 qm in den Hardtkopf getrieben. Die Leitung der Bauausführung, hatte die Organisation Todt.

Heute stehen Teile der Anlage in Elbenberg im Bereich des Felsenkellers ca. 30 cm unter Wasser. Produktionsanlagen oder Teile davon sind nicht mehr vorhanden. In allen genannten Tunneln und Höhlen wurde die Produktion nicht mehr aufgenommen. Immer wieder gab es Lieferengpässe. Im Jahre 1944 gab es zu wenige Lkws, die man zur Belieferung der aus-gelagerten Fertigungsstätten brauchte. Außerdem hatten viele Werksangehörige ihre Wohnung in Kassel durch Bombenangriffe verloren. Sie mussten sich erst mal um ihre Wohnungen kümmern. Einige waren in die umliegenden Dörfer evakuiert und hatten lange Anfahrtszeiten in das Werk, oder sie wurden bei den Angriffen verletzt oder getötet. Jeden Monat gingen ca. 300 defekte Motoren bei Henschel ein, es konnten aber durch diese Umstände nur ca. 100 repariert werden. Enormer Druck wurde auf die Arbeiter ausgeübt. Man sah es an den Produktionszahlen. So sind im August 1944 unter primitivsten Bedingungen 675 Motoren gebaut und repariert worden.

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Am 7. Oktober 1944 fanden größere Bombenangriffe auf das Werk statt und zerstörten weitere Werkshallen. Dabei wurde der werkseigene Schönewolf-Stollen getroffen. Die vielen (ca.400 ) eingeschlossenen Personen konnten erst nach 10 Stunden befreit werden. Der Stollen verlief von Halle 5 in Richtung Halle 12 ca. 30 Meter unter der Erdoberfläche und war bergmännisch hergerichtet. Das 1000-jährige Reich ging dem Ende zu.

Kassel war weitgehend zerstört. Mangel an Energie, Strom und Wasser führten im Werk zu Produktionsausfällen. Am 8. und 25. März 1945 wurde das Werk durch Bombenangriffe fast vollständig zerstört. Am 27. März 1945 versammelten sich die Geschäftsführer der Werke, Fieseler, Wegmann, Junkers und Henschel beim Rüstungskommando in Kassel. Ein führender General teilte mit, dass alle Werke in Kassel und Umgebung gesprengt werden sollten. Dieses konnte aber in letzter Minute abgewendet werden.

15.400 Personen arbeiteten in Kassel und Altenbauna

Man dachte jetzt schon im Voraus, an die Zeit nach dem Krieg.
Ca. 15.400 Personen arbeiteten am Ende des Krieges in allen drei Henschelwerken in Kassel und Altenbauna. Die Hälfte waren Fremd- und Zwangsarbeiter.

Oscar Henschel kam am 29. März 1945 von Gut Falkenberg in die zerstörten Henschel Werke zurück, um eine Generalversammlung abzuhalten. Gut Falkenberg, eine alte ehemalige Ritterburg, wurde 1960 an die „Hessische Heimat“ verkauft.

Am 1. April 1945 gab der Geschäftsführer von Henschel, Dr. Stieler von Heydekampf, den Befehl an die Führungskräfte, sich aus Kassel und Altenbauna abzusetzen. Nur Dr. Fleischer blieb als einziger im Werk. Er erhielt alle Vollmachten über die weitere Zukunft der Betriebe.

Kurz vor Ostern 1945 rückten das 702. US Panzer- Bataillon aus dem Raum Fritzlar kommend nach Altenbauna vor. Die Amerikaner befürchten, dass die Henschel-Flugmotorenwerke verteidigt werden. So brachten sie Panzerabwehrkanonen auf einem Hügel bei Altenritte in Stellung.

Die Besatzungstruppen wussten angeblich bis zum Einmarsch nicht, was in diesem Werk produziert wurde. Alles war streng geheim, und das Werk lag gut getarnt im Lohwäldchen. Anfang April 1945,wurde das Werk schließlich von den Amerikanern besetzt. Die noch intakten Hallen wurden von den Amerikanern als Werkstatt und Depot genutzt. Es ist kaum vorstellbar, nur wenige Tage vor der Besetzung, wurden hier noch Flugmotoren instand gesetzt.

Die Amerikaner fanden eine ME 109 auf dem Werksgelände vor. Sie wurde angeblich zur Ausbildung der Schüler aus der benachbarten Fliegerschule genutzt. Daneben sollen noch zwei weitere Flugzeuge, ein Vorserienmodell der Ju 87 und eine ME 110 gestanden haben.

HFM -ME 109 für Ausbildungszwecke sw.jpg

Der Zerstörungsgrad der Henschel Flugmotorenwerke durch die Kriegsereignisse betrug ca. 60% . Halle 2 und 3 waren total zerstört,die Motorenprüfstände gesprengt. Alle anderen Hallen waren soweit hergerichtet, dass sie zu einer provisorischen Fertigung genutzt werden konnten.Die Hallen 1, 1a ,6 und die Gebäude 10 und 11 waren bis 1953 von den Amerikanern beschlagnahmt und zu Lagerzwecken genutzt. Auch die nahe Fliegerschule wurde gleich nach dem 2. Weltkriegkurzzeitig von den US - Besatzungstruppen genutzt. Fliegerschule(1).jpg Fliegerschule(11).jpg

Anschließend sind polnische Wachsoldaten, in ihren schwarzen Uniformen,die in US-Diensten stehen, darin untergebracht worden.

Bis zum 3. April 1945 ist der Raum Kassel vollständig von amerikanischen Streitkräften eingenommen. Am 6. April 1945 nahm der ehemalige Henschel Direktor Dr. Fleischer im zerstörten Kasseler Rathaus Verbindung mit den Amerikanern auf. Die am Boden liegende Wirtschaft musste in Gang gebracht werden. Die ausstehenden Forderungen von HFM an das deutsche Reich betrugen noch 95 Millionen Mark.

Oscar Henschel wurde verhaftet und 2 Jahre in Ludwigsburg interniert. Erst im März 1949 übernahm er wieder die Geschäftsführung.

Schon im Juni 1945 begann in Altenbauna in den Henschel-Flugmotorenwerken, in Halle 13, der ehemaligen Lehrwerkstatt, der Bau von Chassis für Oberleitungsbusse. Die ersten drei Busse wurden im Dezember 1946 ausgeliefert,einer davon ging an die Kasseler Verkehrsgesellschaft.Es waren Entwicklungen aus dem Jahr 1939.

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Zugleich wurden für die hessische Forstverwaltung Langholzwagen produziert. Außerdem 3t Anhänger für die heimische Wirtschaft. Entbehrliche Bauteile, wie Panzerlaufräder, wurden nun verwertet.

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Der nicht mehr benötigte Maschinenpark in Altenbauna wurde Anfang 1946 teilweise abmontiert.

Demontage der Produktions- Maschinen 1946

Um eine komplette Demontage der Produktions- Maschinen zu verhindern, wurde 1946 mit den Alliierten eine Zwangslösung erarbeitet.Trotzdem wurden 1800 Maschinen abtransportiert.

Im Einvernehmen mit den Besatzern wurde die "Hessische Industrie und Handelsgesellschaft “, kurz Hessia genannt, gegründet. Sie rüstete hauptsächlich amerikanische Armeefahrzeuge auf Henschel- Motoren um. Diese Fahrzeuge wurden deutschen Baufirmen zum Wiederaufbau übergeben.

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1948 erfolgte die Rückkehr von „Hessia“ zu Henschel.

Nach der Einstellung der Chassis-Produktion wurden im Altenbaunaer Werk von der Firma Henschel und Sohn Rührwerke und Mischer für die chemische Industrie hergestellt, danach Feldloks und Dampferzeuger für den industriellen Bereich.

Da die Alliierten nur den Bau von Lkws mit Motoren unter 100 PS zulassen, wurde in Altenbauna ein „BI Mot Lastkraftwagen“ entwickelt: Es wurden zwei Motoren à 95 PS eingebaut. Somit konnte die Reglementierung umgangen werden. In Halle 13 wurde der Henschel HS 6 und später der HS 140 in kleinen Stückzahlen produziert.

Am 1. Mai 1953 verlieh der damalige Bundespräsident Theodor Heuss an 22 Henschel-Arbeiter das Bundesverdienstkreuz. Im Dezember 1953 wurde Oscar Henschel zum Ehrensenator der Technischen Hochschule Braunschweig ernannt. Schließlich wird ihm am 2.12.1955 das große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Die Belegschaft aller Henschelwerke im Kasseler Raum beträgt Ende Dezember 1955 – 10730 Mann.

Doch nun wieder zur nahen Fliegerschule: ab November 1956 diente das Areal der Fliegerschule als Unterkunft für die neu aufgestellte Bundeswehr, zuerst für eine Feldjägereinheit, anschließend für die Instandsetzungsausbildungskompanie 6 / 2.

Heute ist es der Standort der Autobahnpolizei und anderer Polizeidienststellen.

Erst am 19. Dezember 1956 wird das Henschel-Flugmotorenwerk aufgelöst. Jetzt übernahmen Henschel und Sohn das Werk in Altenbauna. Durch Absatzschwierigkeiten sowie familiäre Gründe wurde die gesamte Firma Henschel im Herbst 1957 zahlungsunfähig und beantragte den Vergleich. Die Werkswohnungen in der Stadt Kassel wurden verkauft.

Durch Vermittlung von Ministerpräsident Dr. Georg August Zinn wurde am 5. Oktober 1957 das gesamte Gelände des Flugmotorenwerks von 900 000 qm innerhalb des Werkszaunes und 385 000 qm außerhalb des Werkzaunes als Industriebrache für 6,5 Millionen DM an das Volkswagenwerk Wolfsburg verkauft. Im Jahr darauf begann im neuen Volkswagenwerk Kassel die Fertigung von Teilen für VW.

siehe auch

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