Henschel

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200 Jahre Henschel

Bilder aus der Henschel-Geschichte | Personen - Lokomotiven

Geschichte: 1810-1860 | 1861-1910 | 1911-1960 | 1961-2010

1967 - Das Verwaltungsgebäude der Fa.Henschel (heute Uni)
Im Jahre 1848 nahm der "Drache" auf der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn den Dienst auf.
Henschel-Tenderlokomotive von 1955

Henschel ist der Familienname einer bekannten Industriellen-Familie in Kassel.

Über sechs Generationen hinweg führte sie die für den Lokomotiv-, Fahrzeug- und Flugzeugbau weltweit bekannte gleichnamige Firma.

Inhaltsverzeichnis

Henschel in Kassel

Mehr als 150 Jahre war die so genannte Henschelei, von Carl Anton Henschel gegründet, größter Arbeitgeber der Stadt und prägte damit das Leben in und die Gestalt von Kassel.

Führend im Lokomotivbau erreichte das Unternehmen später auch mit Produkten im Lastwagen- und Panzerbau weltweiten Bekanntheitsgrad.

Das Familienunternehmen Henschel existiert seit 1957 nicht mehr. Das Unternehmen erfuhr im Laufe der letzten Jahrzehnte neben der Umwandlung der Unternehmensform verschiedenste Zusammenschlüsse, Übernahmen und Verkäufe unterschiedlicher Produktionsbereiche, wobei Industriestandorte zum Teil weitergeführt und zum Teil umgewidmet wurden. Aus dem Kasseler Traditions-Unternehmen Henschel ist unter anderem die heutige Gesellschaft ThyssenKrupp Transrapid GmbH hervorgegangen, ein Unternehmen mit weltweitem Ruf als führender Lokomotivhersteller Europas.

Aus der Firmengeschichte

Jubiläumsjahr 1910: Henschel größtes Lokwerk Europas

Das Henschelwerk in Rothenditmold im Jahr 1873
Werk Mittelfeld der Henschel & Sohn AG 1916

Im Jahre 1910 herrscht Frieden im Land und das schon geraume Zeit. Die gesellschaftliche und die wirtschaftliche Entwicklung schreiten voran. Auch in Kassel profitieren die Menschen von den positiven Rahmenbedingungen. Herausragendes Beispiel: die Firma "Henschel und Sohn". Die gelangte mit ihren Werken am Möncheberg und in Rothenditmold an die Spitze des europäischen Lokomotivbaus. Ein Indiz für die gestiegene Leistungsfähigkeit: seit 1900 wuchs die Zahl der Werksangehörigen von 2220 auf 6149.

Im August 1910 gibt es Anlaß zur Freude. Das Familienunternehmen in der fünften Generation besteht seit 100 Jahren, und die 10000. Lok verläßt die Werkshallen. "Aus den kleinsten Anfängen hat es sich zu dem größten Werk seines Industriezweiges in Europa entwickelt", heißt es in der 147 Seiten dicken, großformatigen Festschrift.

Die Liste der Gäste ist lang. Seine Majestät der Kaiser wird von Generaloberst von Plessen vertreten. Die japanische Staatsbahn ist mit fünf Personen anwesend, andere kommen aus Buenos Aires, Rom, Kopenhagen, Aalberg, Bukarest, Prag, London, Brüssel, Paris und New York. Die "hochverehrte Festversammlung" begrüßt der technische Direktor Witthöft mit poetisch klingenden Worten: "Es ruht der Hammer und die Feile, still stehen die Motoren, verstummt ist das Aechzen der Maschinen und das Kreischen der Riemen - heute ist Feiertag".

Der Ursprung der Firmen-Geschichte liegt im Jahr 1777, in dem Georg Christian Carl Henschel von Gießen nach Kassel kam. Er entstammt einer Glocken- und Stückgießerfamilie. Sohn Carl Anton Henschel tritt in den technischen Staatsdienst, wird Assistent beim Baudepartement. Dessen Bruder Johann Werner Henschel wird zunächst Bildhauer. 1810 kehrt er aus Paris zurück und gründet zusammen mit seinem Vater eine kleine Fabrik. In die steigt sieben Jahre später Anton, er hatte es inzwischen zum Ober-Berginspektor gebracht, als Teilhaber ein.

Man verlegte sich mehr und mehr auf den Maschinenbau, zu deren Begründern Carl Anton Henschel in Deutschland gehört. Mit seinem Namen werden grundlegende Erfindungen verbunden wie tragende Ketten- und hydraulische Kastengebläse, Röhrendampfkessel- und Turbinenkonstruktionen.

Zeichnung von 1837
Dessen Sohn Georg Alexander Carl Henschel, 1810 geboren, nahm 1840 den Bau schwerer Werkzeugmaschinen und schließlich den Lokomotivbau auf. Die Nummer 1, der "Drache" für die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn zu Kassel verließ im Juli 1848 die Henschelsche Fabrik.

Zwölf Jahre vergingen, bis die ersten 50 Loks hergestellt waren, im Jubiläumsjahr ist die Jahresproduktion auf 800 gestiegen. Die Lieferfristen für eine Neukonstruktion haben sich in den letzten zehn Jahren mehr als halbiert, von sieben bis neun auf drei bis vier Monate. Ein Verdienst aller Henschelaner, ob in einem von vier Konstruktionsbüros, in der Gießerei, im Rahmenbau, im Kohlenlager, im Pferdestall, in der Automobilhalle.

Zwischen den Geschäftsinhabern Karl Anton Theodor Henschel sowie seiner Mutter, der verwitweten Frau Geheimrat Sophie Henschel, und den Mitarbeitern bestehe "das denkbar beste Verhältnis" heißt es in der Festschrift. "Trotz der bedauerlichen Strömungen, welche einen erheblichen Teil der heutigen Arbeiterschaft mitreißen." Nicht jedoch im Henschelwerk, dazu tragen die guten Arbeitsbedingungen und Löhne sowie die zahlreichen Wohlfahrtseinrichtungen bei.

Die sind laut Oberbürgermeister Müller "mustergültig". Ob Fabrikkrankenkasse, Walderholungsstätte Kragenhof, beitragsfreie Unfallversicherung, ob die Invaliden-, Witwen- und Waisenkasse für die Arbeiter, ob Henschelfonds für unverschuldet in Not geratene Mitarbeiter, die Firma kümmert sich. Sie bildet Lehrlinge weiter, Töchter und Frauen in einer Haushaltungsschule aus. Im Wohlfahrtshaus gibt es eine "Schule für Kleinkinder", einen Übungsraum für den Henschel-Chor und eine Badeanstalt. Brause kostet fünf, Wannenbad 15 Pfennige einschließlich Handtuch und Seife, halb soviel wie in städtischen Anstalten.

Feiern bei Henschel - Freibier für die Arbeiter

Kurfürstliches Gießhaus (links) - abgebrannt 1836. Rechts: das Freyhaus, seit 1799 von Henschel bewohnt.
Villa Henschel (rechts) und Haus Henschel (links)

Juli 1885: die 2000. Lokomotive
Wer arbeiten kann, kann auch feiern. Unter diesem Motto machten die Henschelaner am 27. Juli 1885 ein Fass auf. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Am Wochenende vor diesem sommerlichen Montag wurde die 2000. Henschel-Lok fertiggestellt und ausgeliefert. Geschmückt mit zahlreichen Blumengebinden rollte sie aus dem Werkstor. Oskar Henschel ließ sich nicht lumpen. Die gesamte Belegschaft war eingeladen und feierte ein regelrechtes Volksfest.

Heute kann man sich das kaum noch vorstellen, doch am ersten Werktag nach der Lokauslieferung passierte in den Fabrikhallen gar nichts. Dafür transportierten 36 Eisenbahnwagen die gesamte Belegschaft mit ihren Angehörigen vom Kasseler Bahnhof Richtung Zwehren. Die Haltepunkte Oberzwehren und Rengershausen gab es damals noch nicht. Deshalb hielt der Zug auf freier Strecke mitten in den Feldern.

Fast 2000 Menschen stiegen hier aus und folgten einer Blaskapelle. Das Ziel war die Knallhütte, wo die Henschelaner ausgiebig bewirtet wurden. Überliefert ist, dass Oskar Henschel 86 Fässer Bier spendierte. Dazu gab es bergeweise Schinken und Wurst. Es soll ein rauschendes Fest mit Polonaisen, Gesangseinlagen und einem Feuerwerk zu vorgerückter Stunde geworden sein. Damit war es aber noch nicht getan. Jeder Mitarbeiter erhielt zum Lokomotiven-Jubiläum eine Gratifikation. Je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit wurde der Tageslohn verdoppelt oder bis zum neunfach des normalen Lohnes ausgezahlt.

10.000 Lokomotive 1910
Die Feiern bei Henschel spiegelten immer den Zeitgeist wider und waren zugleich Inszenierungen der großen Firmenfamilie. Ein besonderer Anlass war die Produktion der 10 000. Lokomotive zum 100. Firmenbestehen im Jahr 1910. Der damalige Bericht darüber ist ein Dokument des Zeitgeistes. Hier einige Auszüge:

„Als Festort diente die Lokomotiv-Richthalle. Den Zugang bildeten teppichbelegte arkadenartige, 80 Meter lange Gänge, die mit weißen und roten Edel-Dahlien sowie Tannenbäumen und Tannenzweigen geschmückt waren. Der Festraum glich einem Tannenhain und war mit Girlanden und Kränzen übersät. Zahllose elektrische Lämpchen leuchteten auf rotsamtenem Grunde von den Wänden herab. Hinter dem Rednerpult stand die 10 000. Lokomotive mit Blumen geschmückt, gleißend und glänzend. Vor dem Rednerpult hatten die Festgäste ihre Plätze inne. Der Festakt wurde von Vorträgen der Henschelschen Sängervereinigung umrahmt. Am Ende verließ die Jubiläumslokomotive aus eigener Kraft langsam die Halle.“

Die Festrede hielt Karl Henschel vor mehreren tausend Arbeitern und zahlreichen Ehrengästen. Im Anschluss - das hatte bei Henschel Tradition - gab es einen Festfrühschoppen für die Mitarbeiter in der Lokomotivhalle. Die Angestellten waren am Abend zu einem Gartenfest auf dem Gelände des Grand Hotels Wilhelmshöhe (Schlosshotel) eingeladen.

Es dauerte nur 13 Jahre, bis die 20 000. Henschel-Lok aus der Halle rollte. Doch der Jubel hielt sich in Grenzen. Im Inflationsjahr 1923 bangten viele Menschen um ihre Existenz. Waschkörbeweise wurden nahezu wertlose Geldscheine transportiert. Henschel gab Notgeld aus, die Wirtschaftskrise riss tiefe Gräben.

(tos)

Henschel-Werkswohnungen

"Henschel und Sohn" halfen auch dem "Mangel an guten und billigen Wohnungen" zu Beginn des 20. Jahrhunderts ab. Die hohen städtischen Grundstückspreise zwangen zur Anlage von Reihenhäusern und größeren Häuserblocks. Sämtliche Häuser waren mit Wasserleitung und Kanalisation versehen. Die um die Kasseler Fabrikanlage gelagerten Gebäude erhielten von letzterer elektrisches Licht. Im Firmenbesitz befanden sich 77 Wohnhäuser mit zusammen 460 Wohnungen. Drei Zimmer standen den Arbeitern in den Wohnblocks zur Verfügung. Beamte hatten je nach Stellung vier und mehr Zimmer, zum Teil in Einzelhäusern mit Garten.

Erster Weltkrieg

Der Lokomotivenbauer in Kassel, die Firma Henschel und Sohn AG, wird mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs auch zur Rüstungsschmiede. Die Arbeiter produzieren Geschosse, Zünder und Munitionswagen. 1915 bereits hatte Firmenchef Carl Henschel dem Kriegsministerium den Bau von Geschützen angeboten.

Henschel-Bus

Die Politiker aber lehnten ab, da zu jenem Zeitpunkt das Heer an allen Fronten siegte und die Regierung daher einen baldigen Friedensschluß erwartete. Dazu kommt es nicht, das Heer benötigt Waffen, die Henschel bauen soll. Da der Platz in den Fabrikhallen in Rothendithmold nicht ausreicht, baut Henschel eine neue Anlage für den Geschützbau, das Werk Mittelfeld. Im Mai 1918 wird es seiner Bestimmung übergeben.

Die Rüstungsproduktion läuft auf Hochtouren, die Arbeiter müssen Nachtschichten einlegen, um die Aufträge zu schaffen.

Die Henschelaner – die Beschäftigtenzahl lag 1908 bei 6200 und hatte 1922 ihren Höchststand mit 10733 – fertigen neue Geschütze an, arbeiten aber auch erbeutete Geschütze sowie Maschinenkanonen der Marine für die Fliegerabwehr um.

Der Lokbau wird parallel dazu mit Hochdruck vorangetrieben. Henschel liefert der Reichsregierung 798 Feldbahn-Lokomotiven, 1917 fährt erstmals die Kriegs-Einheits-Lokomotive aus den Fabrikhallen. 433 Exemplare dieser Baureihe werden ausgeliefert.

Der Dank des Kaisers für diese Anstrengung ist der Firma gewiß. Am 31. August 1918 kommt Wilhelm II. nach Kassel und zeichnet Carl Anton Oscar Henschel und einige seiner Angestellten und Arbeiter mit dem Verdienstkreuz für Kriegshilfe aus.

Das Ende des Kriegs im Jahr 1918 zwingt Henschel zur Umstellung: Die Maschinen für die Rüstungsproduktion müssen auf Druck der Siegermächte verschrottet werden. Andererseits ist der Neuaufbau der Eisenbahn-Infrastruktur notwendig.

Die Firmenleitung investiert, vergrößert das Werk Mittelfeld zum Bau von Lokteilen. Außerdem werden ein eigenes Dampfkraftwerk und eine Gießerei errichtet.

Ab 1925 werden im Werk Mittelfeld 35 Jahre lang Lastkraftwagen und Busse hergestellt.

Weltwirtschaftskrise

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Im Januar 1925 begann Henschel & Sohn als Nutzfahrzeughersteller mit dem Bau von Lastkraftwagen und Omnibussen. Ein sechszackiger, verchromter Stern mit einem großen „H“ als Firmenlogo zierte seither (bis zum Ende der 1960-er Jahre) sowohl die Nutzfahrzeuge als auch die Industrielokomotiven.

Während der Weltwirtschaftskrise zählte Kassel dann zu den sechs von der Weltwirtschaftskrise am stärksten betroffenen Großstädten des Deutschen Reichs. Die Ursache lag hauptsächlich in der einseitig auf Lokomotiv- und Waggonbau ausgerichteten Industrie. So baute Henschel ab Mitte 1930 die Zahl seiner Beschäftigten von 4000 auf 1500 Ende 1931 ab.

Seit den Anfängen der Firma Henschel im Jahr 1810 war es trotz einiger Rückschläge immer bergauf gegangen. Die Entwicklung mit dem Aufstieg zu Europas größtem Hersteller von Lokomotiven schien unaufhaltsam. Bis zum Jahr 1922 stieg die Zahl der Mitarbeiter auf 10 700 an. Doch mit der Inflation, die ein Jahr später ihren Höhepunkt erreichte, wurde diese Entwicklung jäh gestoppt.

Als mit Oskar Robert Henschel 1924 die sechste Generation aus der Familie die Leitung übernahm, war in erster Linie Krisenmanagement gefragt. Selbst die stolzen Henschelaner, die immer mehr Geld in der Lohntüte und bessere Sozialleistungen als andere hatten, mussten um ihren Arbeitsplatz bangen. Innerhalb von vier Monaten zu Beginn des Jahres 1924 kündigte Henschel 3300 Mitarbeitern.

Das Geld hatte in einer galoppierenden Inflation dramatisch an Wert verloren. Innerhalb kurzer Zeit stieg der Preis für ein Roggenbrot auf 136 Mark (Januar 1923), auf 555 Mark (Juni) und im November des Jahres auf unfassbare 192 Milliarden Mark. Große Firmen wie Henschel brachten Notgeld heraus. Erst mit der Einführung der Reichsmark war die Zeit der vielen Nullen vorbei.

Die wirtschaftliche Lage blieb aber weiter angespannt. Das machte sich auch bei den Bestellungen für Lokomotiven dramatisch bemerkbar. Die Deutsche Reichsbahn, bislang der größte und zuverlässigste Kunde von Henschel, reduzierte ihre Bestellungen um 90 Prozent. Im ersten Geschäftsjahr mit Oskar Robert Henschel an der Spitze gab es nicht eine einzige Bestellung. Der Markt für Lokomotiven war so schlecht wie nie zuvor.

Historisches Henschel-Fahrzeug

Aus der Not heraus forcierte Henschel die Aktivitäten in anderen Geschäftsfeldern. Der erste in Kassel produzierte Lkw aus dem Jahr 1925 hatte 50 PS, fünf Jahre später baute Henschel den mit 250 PS stärksten Nutzfahrzeugmotor auf dem Markt. Im Jahr 1926 nahm die deutsche Reichspost die ersten drei Henschel-Omnibusse in Betrieb.

Die Abteilung Straßenbaumaschinen ging 1924 an den Start. Hier wurden unter anderem Dampfwalzen, Teerkocher, Teertankwagen sowie Wohn- und Gerätewagen hergestellt. Versucht hat Henschel damals einiges. Zu den Produkten, die schnell wieder verworfen wurden, gehörten auch die so genannten Caffix-Maschinen. Mit Heißdampf betrieben, sollte dieser Vorläufer heutiger Espresso-Maschinen in der Gastronomie eingesetzt werden. Da war Henschel wohl seiner Zeit zu weit voraus.

Der Bau von Bussen und Lkw wurde ab 1925 zum wichtigen Standbein, der sechsstrahlige Stern auf der Kühlerhaube zum Markenzeichen.

Am 31. Dezember 1931 allerdings stellte Henschel die Arbeit vollständig ein, und die verblieben 1000 Arbeiter wurden nach Hause geschickt. Am 9. Mai wurde die Produktion wieder aufgenommen, allerdings zu stark gekürzten Löhnen. So verdiente ein Facharbeiter über 23 Jahre nur noch 69 Pfennig pro Stunde. Zum Vergleich: Fünf Liter Milch kosteten zu dieser Zeit 1,10 Reichsmark.

Zweiter Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs war Kassel erneut ein Zentrum der Rüstungsindustrie und damit wichtiges Ziel für die alliierten Luftangriffe. Die größten der insgesamt 21 Standorte waren die Fieseler-Werke, das Henschel - Flugmotorenwerk Altenbauna und das 1940 errichtete Zweigwerk der Firma Junkers in Bettenhausen.

Tenderlokomotive 1935

Ab Mitte 1942 wurden in Kassel die von Henschel und Porsche entwickelten schweren Kampfpanzer Tiger I und Tiger II gebaut. Damit gehörte Henschel zu den drei größten Panzerherstellern des Reichs. Der wichtigste Zulieferer war die als Waggonfabrik gegründete Kasseler Firma Wegmann, die die Türme für den "Tiger" herstellte. Im Juni bekamen die Fieseler-Werke vom Reichsluftfahrtministerium den Auftrag, ein "Ferngeschoß in Flugzeugform" zu entwickeln. Die Fliegerbombe Fi 103 wird als V1 bekannt. Eine Spitzenstellung in Europa hatte Henschel als Produzent für Lokomotiven, die das wichtigste militärische Transportmittel waren. Für die Militärstrategen gaben diese Eckdaten den Ausschlag für den Einsatz der Bomberstaffeln.

Zwangsarbeiter
Zumindest für die Rüstungsproduktion zeigten die Angriffe auf Kassel 1942 noch keine große Wirkung. Die lief weiter auf Hochtouren. Ohne den Einsatz von Frauen, Kriegsgefangenen und ausländischen Zwangsarbeitern wäre das nicht möglich gewesen. Allein bei Henschel wurden 1942 in der Rüstungsproduktion über 6000 Zwangsarbeiter eingesetzt.

Insgesamt waren es in Kassel bis zu 30 000 ausländische Arbeitskräfte, es gab Massenquartiere in der Nordstadt, am Mattenberg und in Waldau. Hinzu kamen rund 200 kleinere Lager und Unterkünfte. Jeder zweite Rüstungsarbeiter in Kassel war Ausländer. Sie alle schufteten unter oft menschenunwürdigen Bedingungen, die Kasseler Rüstungsschmieden liefen rund um die Uhr.

Pläne für Atombombe

Bei Henschel gab es konkrete Überlegungen für den Bau einer Nuklearwaffe. Das belegt ein 260-seitiger Schriftsatz aus dem Jahr 1941, der im Sommer 2014 aufgetaucht ist.[1] Mit ganzer Kraft müsse an der Erforschung der Kettenreaktionsvorgänge gearbeitet werden, heißt es in dem Dokument. Zwar wird auch die Nutzung der Atomenergie für den Antrieb von Kampfflugzeugen, U-Booten, die Medizin und zur Stromerzeugung erwähnt. Das klare Ziel der Entwicklung ist aber die "Herstellung einer Uran-Bombe für den jetzigen europäischen Krieg als furchtbarste Waffe". Der damalige Chefentwickler der Henschel-Flugzeugwerke in Berlin-Schönfeld, Professor Herbert Wagner, hatte das umfangreiche Dossier mit Unterstützung von anderen Fachleuten erstellt.

Bekannt ist, dass eine Delegation von Henschel in Paris war, um sich dort über die Forschung zur Kernspaltung mit einem sogenannten Zyklotron zu informieren. Nach Einschätzung von Fachleuten war Henschel nicht in der Lage, die Bombe wirklich zu bauen. Nach dem Krieg sprachen alle Beteiligten davon, lediglich Grundlagenforschung betrieben zu haben.[2]

Wirtschaftliche Entwicklung in Kassel

Die Henschelwerke wurden im Laufe der Jahrzehnte ständig erweitert. Nach dem ersten Standort an der Weserstraße erschloss man das Gelände am Möncheberg/ Holländischer Platz, später ein Gelände an der Wolfhager Straße in Rothenditmold - darauf das Gelände Mittelfeld zwischen Rothenberg und Holländischer Straße.

Die Unternehmensentwicklung - auch nach dem Zweiten Weltkrieg - wird ausführlich dargestellt im Wikipedia-Eintrag "Henschel-Werke".

Das Familienunternehmen Henschel existiert seit 1957 als solches nicht mehr.

Der Familie Henschel und ihrem Wirken ist das Henschel-Museum in Kassel gewidmet.

Im Zuge der Umwandlung der Unternehmensform, verschiedenster Zusammenschlüsse, Übernahmen und Verkäufe der unterschiedlichen Produktionsbereiche wurden die Industriestandorte z.T. weitergeführt und z.T. umgewidmet.

Eisenbahnen, Lastwagen, Busse und mehr

Loktransport - Zeichnung um 1865

Eisenbahnen von Henschel

Der Wohlstand eines Landstrichs, darüber ist sich Carl Anton Henschel früh im Klaren, steht und fällt mit seinen Verkehrsverbindungen.

Die Nachteile, die einem wenig erschlossenen Land entstehen, kann der Kasseler vor der eigenen Haustür studieren. Kurhessen liegt geografisch mitten im zersplitterten Deutschland, wirtschaftlich aber an der Peripherie. Diese Erkenntnis Henschels bildet die Grundlage für einen revolutionären Vorschlag, mit dem der gelernte Baumeister und Fabrikbesitzer 1822 weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus für Aufsehen sorgt.

13 Jahre, bevor die erste deutsche Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth dampft, schlägt Henschel den Bau einer Pferdebahn von Bremen nach Frankfurt am Main vor. Die Strecke soll über Kassel führen.

Aus dem Projekt wird zwar nichts, doch die aus England stammende Dampftechnik lässt den Unternehmer nicht mehr los. Sie ist es vor allem, die aus dem Handwerksbetrieb peu à peu eine Maschinenfabrik macht. Carl Anton Henschel legt den Grundstein für ein Großunternehmen, dessen Produkte den Namen Henschel und Kassel in aller Welt bekannt machen sollten.

Mit der neuen Henschel-Fabrik am Möncheberg beginnt die Geschichte Kassels als Industriestadt. Im Revolutionsjahr 1848 wird mit dem Drache die erste Henschel-Lok ausgeliefert. Viele tausende folgen.

Drache mit 100 Pferdestärken

aus: HNA-online von 06.04.2009:

Carl Anton Henschel baute 1848 die erste Kasseler Lok - Das Unternehmen wächst auf 200 Mitarbeiter
Kassel. Es war eine der wichtigsten Reisen in der Firmengeschichte. 1832 machte sich Carl Anton Henschel von Kassel aus auf den Weg nach England. Dort traf er mit George Stephenson einen Bruder im Geiste. Der begnadete Ingenieur hatte in England die erste brauchbare Eisenbahn gebaut.

Ein Vorbild für Carl Anton Henschel, der bereits mit selbst konstruierten Hochdruckdampfmaschinen experimentiert hatte und der davon träumte, beim Bau einer Eisenbahn von der Nordsee über Kassel bis nach Bayern dabei zu sein. Carl Anton Henschel informierte sich in England über die Spitzentechnologie seiner Zeit, sah aber auch, unter welch erbärmlichen Verhältnissen die Arbeiter lebten und wie sie bis zur Erschöpfung schuften mussten. Für ihn stand früh fest, dass er vieles anders machen wollte.

Bis zur ersten eigenen Lokomotive sollte es nach dem England-Besuch noch einige Jahre dauern. Carl Anton Henschel stellte zunächst die Weichen für eine Erweiterung der Firma. Er kaufte das Gelände zwischen der unteren Mönchebergstraße und der Ahna. Im Zentrum der neuen Fabrikanlage entstand der Kuppelbau des neuen Gießhauses.

Das ersetzte den 1836 bei einem Großbrand zerstörten Vorgängerbau an der Weserstraße. Der im Inneren 13 Meter hohe Kuppelbau wurde mit seiner Ziegelsteinarchitektur zum Vorbild für viele andere Industriegebäude. Er existiert bis zum heutigen Tag und wird als Veranstaltungsraum von der Kasseler Universität genutzt.

Durch die neue Fabrik, die 1837 in Betrieb genommen wird, steigt die Zahl der Henschel-Mitarbeiter auf 200. Die Geschäfte laufen gut, Anbauten für die Kesselschmiede und die Lokomotivmontage kommen hinzu, das Fabrikgelände wird noch einmal vergrößert.

Das Jahr 1848 gilt als Meilenstein der Kasseler Industriegeschichte. Am 29. Juli wird mit dem "Drache" die erste Lokomotive aus der Henschel-Produktion fertig. Entscheidend daran beteiligt war der englische Ingenieur James Brook, den Henschel drei Jahre zuvor eingestellt hatte.

Bestellt wurde der Drache für die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn. Es war aus heutiger Sicht eine abenteuerliche Auslieferung. Einen eigenen Gleisanschluss bekam Henschel erst 24 Jahre später. Im Sommer 1848 zogen bis zu 100 Pferde die Lokomotive auf einem schweren Rollwagen vom Fabrikgelände durch die halbe Stadt.

Schwerer Transport
Über die Untere Königsstraße, den Königsplatz und die für diesen Transport fast schon steile Kölnische Straße hinauf bis zu einem noch provisorischen Gleisanschluss quälten sich die Zugpferde mit ihrer schweren Last. Acht Tage lang dauerte der Transport, der von vielen Schaulustigen beobachtet wurde. Ein Schauspiel, das sich in den folgenden Jahren noch häufiger wiederholen sollte. Der Maler Theodor Matthei (1857 bis 1920) hat einen Lokomotiventransport aus dem Jahr 1865 verewigt.

Die Darstellung zeigt das Pferdegespann mit der schweren Last auf dem Weg durch die Untere Königsstraße in Höhe der 1839 erbauten Synagoge. Das Originalgemälde, das sich im Besitz des letzten Firmenchefs aus der Familie, Oscar R. Henschel, befand, ist verschollen.

Eigenes Gleis
Leichter wurde die Auslieferung von Lokomotiven erst, als Henschel sein eigenes Gleis bekam. Als der erste Drache in Kassel gebaut wurde, gab es nicht mal einen Bahnhof. Der Kasseler Hauptbahnhof wurde 1856 eingeweiht, 1872 kam der für Henschel deutlich nähere Unterstadtbahnhof im Bereich zwischen Wolfhager Straße, Mombachstraße und Westring hinzu.

Carl Anton Henschel war aber nicht nur ein Pionier im Lokomotivbau. Die Liste seiner Erfindungen ist lang. Brückenkonstruktionen, Förderbahnen, Dampfmaschinen und Pumpwerke gehören dazu. Unter anderem hat er die Maschine für das erste Dampfschiff auf der Fulda konstruiert. Als er mit 81 Jahren am 19. Mai 1861 stirbt, ist er als genialer Techniker weit über die Grenzen Kassels bekannt. Vier Jahre später wird bei Henschel bereits die 100. Lokomotive gebaut. ...

Feuerspritze

1855 gebaut und immer noch intakt

Feuerspritze.jpg

Mit einem Handspritzen-Wagen (Foto) waren die Brandschützer bis in die 30er-Jahre im Einsatz. Gebaut wurde er 1855 bei der Firma Henschel. Das Datum und der Produktionsort sind auf einem Messingring eingraviert. „Die Spritze funktioniert heute noch“, sagt Horst Fehr. Unter dem Dach des von ihm betreuten Kutschen- und Wagenmuseums in Lohfelden steht die Rarität.

Die Spritze funktionierte über zwei Hebel mit Muskelkraft. Bis zu zehn Männer sorgten für genügend Druck. Bis hinauf in den Dachstuhl der vielen Fachwerkhäuser reichte der Wasserstrahl.

Der Handspritzen-Wagen wurde von einem Pferd gezogen. Angeschafft hat ihn die Feuerwehr der damals noch selbstständigen Gemeinde Crumbach, die heute ein Ortsteil von Lohfelden ist. Die auf dem Messingring der Spritze eingravierte Produktionsnummer 401 ist ein Beleg dafür, dass Henschel größere Stückzahlen davon hergestellt hat. (tos)

Das Museum in Lohfelden, Friedrich-Ebert-Ring 14, ist jeden ersten Sonntag im Monat von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Kontakt: Tel. 0561/51 68 94

Lastkraftwagen und Busse von Henschel

Abbildung: Ein Henschel-Bus vor Burg Neuenstein 1939

Von Pferde- auf Maschinenkraft, diese Umstellung vollzog auch die Hessische & Herkules-Bierbrauerei AG Cassel, die einen der ersten 1926 gebauten Henschel-Lkw in Dienst stellte. Das Fahrzeug hatte 50 PS, 48 mehr als ein herkömmliches Pferdegespann, und war mit Holzspeichenrädern und Vollgummireifen ausgestattet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Einvernehmen mit den ameriksamischen Besatzungstruppen zunächst die "Hessische Industrie und Handelsgesellschaft “, kurz Hessia genannt, gegründet. Sie rüstete hauptsächlich amerikanische Armeefahrzeuge auf Henschel-Motoren um. Diese Fahrzeuge wurden deutschen Baufirmen zum Wiederaufbau übergeben. Erst 1948 erfolgte die Rückkehr von „Hessia“ zu Henschel.

Nach der Einstellung der Chassis-Produktion wurden im Altenbaunaer Werk zunächst Rührwerke und Mischer für die chemische Industrie hergestellt, danach Feldloks und Dampferzeuger für den industriellen Bereich.

Da die Alliierten nur den Bau von Lkws mit Motoren unter 100 PS zugelassen hatten, wurde in Altenbauna ein „BI Mot Lastkraftwagen“ entwickelt: es wurden zwei Motoren à 95 PS eingebaut. Somit konnte die Reglementierung umgangen werden.In Halle 13 wurde der Henschel HS 6 und später der HS 140 in kleinen Stückzahlen produziert.

Im Juni 1945 begann in Altenbauna, in Halle 13, der ehemaligen Lehrwerkstatt, auch wieder der Bau von Chassis für Oberleitungsbusse.

Die ersten drei Busse wurden im Dezember 1946 ausgeliefert, einer davon ging an die Kasseler Verkehrsgesellschaft. Es waren Entwicklungen aus dem Jahr 1939.

siehe dazu auch:

Video: Henschel-Lastwagen der Schweizer Armee

Henschel-Flugmotorenwerk

Im Juli 1936 wurde die Henschel Flugmotoren GmbH (HFM) gegründet, die im Jahr darauf die Produktion von Daimler-Benz-Motoren in Altenbauna aufnahm.

Gut 20 Jahre später wurde auf dem Gelände im Jahre 1957 das VW-Werk angesiedelt. Die Henschel-Werke, die sich in einer Krise befanden, verkauften das gesamte Werksgelände zwischen Altenbauna und Rengershausen.

Familienmitglieder

Georg Christian Carl Henschel.jpg

Mit ihm begann die Geschichte der Familie Henschel in Kassel: Georg Christian Carl Henschel (1759 bis 1835) gründet im Jahr 1810 die Firma. Sein Nachfolger ist Carl Anton Henschel (1780 bis 1861). Der Baumeister und Erfinder übernimmt 1826 die Henschelei. In seine Zeit fällt der Bau einer neuen Fabrikanlage auf dem Möncheberg.

Sein zwei Jahre jüngerer Bruder Johann Werner Henschel (1782 bis 1850) ist der Künstler in der Familie. Er ist Professor an der Kasseler Kunstakademie, aber auch in der Firma tätig. Zu seinen bis heute bekannten Arbeiten gehören die Teufelsbrücke im Bergpark und die gusseisernen Teile im Gewächshaus. Georg Alexander Carl Henschel (1810 bis 1860) tritt mit 25 Jahren in die Firma ein und vergrößert das Unternehmen erheblich. Die Zahl der Mitarbeiter steigt von 50 auf 350. Unter der Leitung von Carl Anton Oskar Henschel (1837 bis 1894) entsteht 1873 das Werk Rothenditmold, die Belegschaft wächst auf 1600 Mitarbeiter.

Sophie Henschel (1841 bis 1915) leitet nach dem Tod ihres Mannes sehr erfolgreich die Firma. Sie ist bis heute für ihr großes soziales Engagement bekannt. Karl Anton Theodor Henschel (1873 bis 1924) übernimmt die Firma 1912 von seiner Mutter. Unter seiner Leitung entsteht das Werk Mittelfeld. Oscar Robert Henschel (1899 bis 1982) gründet 1933 die Henschel-Flugzeugwerke. Nach dem Krieg baut er Omnibusse. 1957 gibt der letzte Henschel als Chef die Leitung ab.


Im Familienbesitz wurde der Betrieb von 1810 bis 1957 von folgenden Familienmitgliedern geleitet:

Henschel-Sommer 2010

Auftakt Ende Juni im Gießhaus - Technikmuseum öffnet - Familientag auf ehemaligem Werksgelände Mittelfeld

Vorfreude auf den Henschel-Sommer

Artikel in HNA-online vom 14.3.2010 von Thomas Siemon

Kassel. Wo könnte der Beginn des Henschel-Sommers besser gefeiert werden als im Gießhaus der Universität? In dem kuppelförmigen Gebäude, das das Symbol für den Aufstieg einer Familienwerkstatt zum Weltunternehmen und größten Arbeitgeber Kassels ist. Die Firma Henschel wird in diesem Jahr 200 Jahre alt. Dieser außergewöhnliche Geburtstag soll mit einem außergewöhnlichen Programm gefeiert werden.

Die Vorbereitungen dafür laufen bereits auf Hochtouren. Von Ende Juni bis Ende August soll Kassel einen Henschel-Sommer mit zahlreichen Höhepunkten erleben. „Wir setzen auf das Interesse der Menschen an Technik und Stadtgeschichte“, sagt Ewald Griesel, der Vorsitzende des Vereins Technikmuseum Kassel und Koordinator der Aktivitäten rund um den Henschel-Geburtstag.

30.000 Besucher erwartet
Von den Firmen auf den ehemaligen Henschel-Standorten (unter anderem Bombardier, Rheinmetall und Mercedes-Achswerk) über die Universität, die KVG, Stadtmuseum, Gartenamt, vhs und Kassel Tourist arbeiten viele an einem Programm, dessen Höhepunkt schon feststeht. Am Wochenende 28. und 29. August soll auf dem Gelände Mittelfeld (Nordstadt) ein Familientag stattfinden. Die Organisatoren rechnen mit bis zu 30 000 Besuchern.

Schwerpunkt Lokomotiven
Am genauen Programm wird noch gefeilt. Historische und moderne Lokomotiven werden aber einen Schwerpunkt bilden. Zum Auftakt des Henschel-Sommers wird das Depot des Technikmuseums (Werk Rothenditmold) dauerhaft seine Tore für Besucher öffnen. Gemeinsam mit dem benachbarten Henschel-Museum (Wolfhager Straße 108) soll hier die ganze Bandbreite der Henschelprodukte von Lokomotiven über Kessel und Motoren bis zu Werkzeugen und Lkw präsentiert werden. Im Südflügel des Kulturbahnhofs bereitet das Stadtmuseum ebenfalls ein Ausstellung zur Henschel-Geschichte vor. In Arbeit ist ein Henschel-Stadtplan, der Anregungen für Spaziergänge und Ausflüge geben soll. Zum Beispiel im Bergpark, wo mit der Teufelsbrücke und der Kuppel des Gewächshauses Henschel-Technologie in filigranen Gießarbeiten zu bewundern ist.

Vom Auftritt des Henschel-Chors bei der Auftaktveranstaltung bis zum Grußwort von Werner P. Henschel bis zum Vortrag im Rot-Kreuz-Krankenhaus (dessen Grundstein hat Sophie Henschel mit einer großzügigen Spende gelegt) bis zu vhs-Veranstaltungen reicht das vorläufige Programm.

Henschel feiert 200. Geburtstag

Artikel in HNA-online vom 14.3.2010 von Thomas Siemon

Kassel. Es ist ein außergewöhnlicher Firmengeburtstag, der entsprechend gefeiert wurde. Der 28. Juni 1810 ist als Gründungsdatum der Firma Henschel in die Geschichte eingegangen. Damals legte Georg Christian Carl Henschel den Grundstein für ein Unternehmen, das Kassel bis heute prägt.

200 Jahre später wurde daran mit einem Festakt an der Kasseler Universität gedacht. Und zwar im historischen Gießhaus, das all die Jahre überstanden hat und heute als Veranstaltungsraum dient. Mehr als 120 Gäste erlaubt die Feuerwehr aus Sicherheitsgründen nicht. Deshalb fand der Festakt nur mit Gästen statt, die sich bereits angemeldet haben.

Führungen über das ehemalige Henschelgelände boten am Montag, 28. Juni, die früheren Henschel-Mitarbeiter Heinz Schmidt und Werner Hofmann an.

Am Dienstag, 29. Juni, 9 bis 19.30 Uhr, ging es an der Universität um die Unternehmensgeschichte von Henschel.

Die Sonderausstellung im Technik-Museum in Verbindung mit dem Henschel-Museum, Wolfhager Straße 109, wurde am Dienstag, 20. Juli, eröffnet.

Im Rot-Kreuz-Krankenhaus fand am Samstag, 31. Juli, eine Festveranstaltung zu Ehren von Sophie Henschel statt.

Der Henschel-Sommer wird bis in den September fortgesetzt. Die Volkshochschule bietet eine ganze Reihe von Veranstaltungen und Exkursionen zu diesem Thema an.

Das Stadtmuseum bereitet eine Ausstellung vor, die im Südflügel des Kulturbahnhofs gezeigt wird.

Am Sonntag, 29. August, fand ein Familientag auf dem ehemaligen Werksgelände Mittelfeld statt. (tos)

Die Besucher erwartete am 29. August ein Rückblick auf die Firmengeschichte von Henschel: Ein Treffen historischer Nutzfahrzeuge, Ausstellungen und Filmvorführungen. Zudem präsentieren sich zahlreiche Firmen, die heute auf dem Gelände zum Teil in Fortsetzung der Henschel-Tradition ansässig sind: unter anderem Mercedes-Benz, Lokomotivbauer Bombardier, Rheinmetall, Getriebebauer Henschel Antriebstechnik GmbH, Akros Henschel, Rudolph Logistik, BKK Henschel Plus.

30 000 kamen zum Henschel-Jubiläumsfest in das Wirtschaftszentrum Mittelfeld

„Das waren die ersten Autos nach dem Krieg.“ Willi Spangenberg (80) aus Wolfhagen steht mit seinem ehemaligen Kollegen, Kurt Croll, und seinem Nachbarn Klaus Wiegand vor einem feuerroten Henschel-Lastwagen und schwelgt in Erinnerungen. „Der hatte das Fahrgestell von einem amerikanischen Militärwagen. Wir haben den aufgearbeitet, erst als Benziner, später mit Dieselmotor.“ 1943, im Alter von 13 Jahren, hatte Spangenberg seine Lehre als Maschinenschlosser bei Henschel begonnen und es dort bis zur Rente geschafft. „Wir haben lange zusammengearbeitet, was?“ wendet er sich an Croll: „Wir waren eine große Henschel-Familie.“ Wenige Meter weiter fachsimpelt Werner Kurth (82) aus Kassel mit seinem Schwiegersohn Olaf Schäfer. Als Schlosser bei Henschel galt er als Schwerarbeiter und habe nach dem Krieg Extra-Portionen Lebensmittelmarken bekommen. „Ich könnte Stories erzählen ...“, sagt er. Das gestrige Familienfest anlässlich des Jubiläums 200 Jahre Henschel war ein Tag der Generationen: Selten konnte man so viele Menschen unterschiedlichen Alters in Gespräche vertieft sehen. „Henschel ist Kassel und Kassel ist Henschel“ lautete das Motto auf dem Gelände Mittelfeld, wo heute auf 900 000 Quadratmetern Fläche über ein Dutzend Nachfolge-Firmen von der Daimler AG über Bombardier bis Thyssen-Krupp zusammen 5500 Menschen beschäftigen. 30 000 Besucher - davon die meisten Mitarbeiter oder ehemalige Henschelaner - kamen zur Geburtstagsparty und standen zum Teil schon vor dem offiziellen Einlass um 10 Uhr vor den Werkstoren. „Der Andrang war enorm“, sagt Daimler-Sprecherin Julia Löffler. Höhepunkt war die Nutzfahrzeuge-Oldtimer-Schau. 160 Schätzchen, von denen nicht wenige einst in Kassel gebaut worden waren, konnten auf dem Gelände verteilt bestaunt werden; 40 davon machten eine Spritztour durch die Innenstadt. Nicht nur die Vergangenheit, auch die Gegenwart interessierte viele Besucher. Auf der Teststrecke von Rheinmetall Landsysteme und Radfahrzeuge durften die Gäste beispielsweise taktische und logistische Fahrzeuge live erleben. Lars Köhler (14) hat sich einen Unimog von innen angeschaut und ist begeistert. „Das erlebt man nicht alle Tage“, sagt sein Vater Alexander Köhler aus Ahnatal. Er arbeitet bei Thyssen-Henschel und hat seinem Sohnemann - wie so viele Väter und Großväter - eine Menge aus dem Arbeitsleben auf dem Mittelfeld. zu erzählen.

aus der HNA vom 30. August 2010

Kasseler Standorte der ehemaligen Firma Henschel

Historische Lok am Henschelplatz
Henschel-Wegmann-Zug - 1943

Henschelei/ Gelände am Holländischen Platz

Heute befindet sich auf dem ehemaligen Industriegelände am Holländischen Platz der Campus der Universität Kassel. Einige alte Industriegebäude sind trotz der starken Zerstörungen im Krieg erhalten. Architektonisch besonders ist das Gießhaus1 , ein Kuppelbau aus Ziegelsteinen.

Siehe auch Universität Kassel: "Zeitzeugen berichten: Heute Campus, früher Fabrik"

Auf dem Gelände befindet sich auch das Mahnmal "Die Rampe".

Die Geschichte der Firma Henschel und der Universität Kassel ist eng miteinander verbunden. Auf dem heutigen Uni-Gelände am Holländischer Platz befindet sich mit dem Gießhaus sogar die Keimzelle des Unternehmens. Auch daran erinnert ein Sammelband, der 2013 erschienen ist. Herausgegeben hat ihn der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Jürgen Nautz. Er hat zum 200. Jahrestag der Firmengründung durch Carl Henschel im Juni 1810 Fachleute aus verschiedenen Disziplinen an der Kasseler Universität zusammengebracht. Die überarbeiteten Vorträge sind jetzt in den Schriften zur hessischen Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte erschienen. Der Titel: „Henschel und Kassel - Fallstudien zur Geschichte des Unternehmens und der Familie Henschel.“[3]


Werk Rotenditmold/ Wolfhager Straße

Die Henschel Kessel GmbH in der Wolfhager Straße produziert Dampfkessel.

Das Henschel-Museum hat hier seinen Standort.

Die Hallen werden als Lagerhallen z. B. von VW, als Werkstätten oder auch als Künstlerateliers genutzt.


Mittelfeld/ Industriepark

Rothenberg/ Wiener Straße/ Holländische Straße

Die ThyssenKrupp ExperSite GmbH betreibt im Rahmen eines Komplettservices die ehemaligen Henschel-Industriestandorte Mittelfeld und Rothenditmold.

Auf ihrem Gelände konnte vom Henschelplatz aus eine Lokomotive bewundert werden, die heute auf dem Freigelände des Henschel-Museums ihren Platz gefunden hat.

Den Lokomotivbau im Industriepark betreibt die Firma Bombardier Transportation.

Der Panzerbau wird von der Firma Rheinmetall Landsysteme betrieben.

Die ThyssenKrupp Transrapid GmbH baute bis 2010 den Transrapid.

Die Henschel Antriebstechnik GmbH stellt Getriebe für den Maschinen- und Anlagenbau her.

Die Reimelt Henschel MischSysteme GmbH entwickelt Verfahrenstchnik für Misch-Systeme.

Die Danieli Henschel GmbH baut Schrottverarbeitungsmaschinen und Anlagen für das Recycling von Metallwertstoffen.

Die Daimler AG am Rothenberg, Mercedesplatz stellt Achssysteme für Transporter und schwere Lkw her.


Altenbauna

Dort wo heute das VW-Werk steht, gibt es noch eine Straßenbahn-Haltestelle mit dem Namen Henschelweg (alte Streckenführung).

Auf dem Gelände des ehemaligen Henschel-Flugmotorenwerks in Altenbauna wurde im Jahre 1957 das VW-Werk angesiedelt. Die Henschel-Werke, die sich in einer Krise befanden, verkauften das gesamte Werksgelände der früheren Henschel-Flugmotoren-Fabrik zwischen Altenbauna und Rengershausen.

Rüstungsbetrieb

Eisenbahngeschütz von 1918
Die Rampe - Das 1985 errichtete Mahnmal befindet sich an der Moritzstraße auf dem ehemaligen Henschelgelände, heute Gelände der Universität Kassel/ Standort Holländischer Platz.

Henschel als Rüstungsbetrieb in den Weltkriegen

Der Lokomotivenbauer Henschel wurde mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs auch zur Rüstungsschmiede. Die Arbeiter produzieren Geschosse, Zünder und Munitionswagen. 1915 bereits hatte Firmenchef Carl Henschel dem Kriegsministerium den Bau von Geschützen angeboten.

Die Politiker lehnten zunächst ab, da zu jenem Zeitpunkt das Heer an allen Fronten siegte und die Regierung daher einen baldigen Friedensschluß erwartete. Dazu kam es nicht, das Heer benötigte Waffen, die Henschel bauen sollte. Da der Platz in den Fabrikhallen in Rothendithmold nicht ausreichte, baute Henschel eine neue Anlage für den Geschützbau, das Werk Mittelfeld. Im Mai 1918 wurde es seiner Bestimmung übergeben.

Im Zweiten Weltkrieg wurden ab Mitte 1942 in Kassel die von Henschel und Porsche entwickelten schweren Kampfpanzer Tiger I und Tiger II gebaut. Damit gehörte Henschel zu den drei größten Panzerherstellern des Reichs. Der wichtigste Zulieferer war die als Waggonfabrik gegründete Kasseler Firma Wegmann, die die Türme für den "Tiger" herstellte. Im Juni bekamen die Fieseler-Werke vom Reichsluftfahrtministerium den Auftrag, ein "Ferngeschoß in Flugzeugform" zu entwickeln.

Zumindest für die Rüstungsproduktion zeigten die Angriffe auf Kassel 1942 noch keine große Wirkung. Die lief weiter auf Hochtouren. Ohne den Einsatz von Frauen, Kriegsgefangenen und ausländischen Zwangsarbeitern wäre das nicht möglich gewesen. Allein bei Henschel wurden 1942 in der Rüstungsproduktion über 6000 Zwangsarbeiter eingesetzt. Insgesamt waren es in Kassel bis zu 30 000 ausländische Arbeitskräfte, es gab Massenquartiere in der Nordstadt, am Mattenberg und in Waldau. Hinzu kamen rund 200 kleinere Lager und Unterkünfte. Jeder zweite Rüstungsarbeiter in Kassel war Ausländer. Sie alle schufteten unter oft menschenunwürdigen Bedingungen.

Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach der Aufstellung der Bundeswehr wurde die Rüstungsproduktion bei Henschel wieder aufgenommen und die Firma war an verschiedenen Rüstungsprojekten beteiligt, etwa dem Spähpanzer Luchs oder dem Schützenpanzer Marder. Im Jahre 1999 wurde die Wehrtechniksparte der Firma vom Rheinmetall-Konzern übernommen.

Die Affäre Goergen: Henschel-Chef gerät unter Betrugs-Verdacht

Am Morgen des 22. April 1964 fährt vor der Henschelei eine Reihe von Fahrzeugen vor, denen etwa 50 Polizisten in Zivil entsteigen - Mitglieder einer Sonderkommission, die auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft Koblenz bei Henschel ermitteln soll. Das gesamte Personal des Bürogebäudes wird aus dem Haus gewiesen und spaziert auf dem Gelände herum, während die Beamten Berge von Akten sicherstellen.

Die Aktion ist Auftakt eines Wirtschaftskrimis, der in den folgenden Wochen nicht nur die Kasseler Öffentlichkeit in Atem hält: Der Generaldirektor der Henschel-Werke AG, Dr. Fritz Aurel Goergen, wird verdächtigt, Rechnungen an die Bundeswehr manipuliert und Gewinne von 400 000 Mark eingestrichen zu haben.

Wegen Verdunkelungsgefahr wird Goergen am 27. April 1964 verhaftet. Während der Henschel-Chef in Wehlheiden einsitzt, bangt die Öffentlichkeit um das Ansehen des traditionsreichen Unternehmens. Mit 13500 Beschäftigten und 500 Millionen Mark Jahresumsatz gehört es zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren Nordhessens.

Wenige Tage nach seiner Verhaftung erkrankt Goergen. Als sein Zustand sich im Mai verschlechtert, wird er nach Hohenapserg bei Stuttgart, später in ein Koblenzer Krankenhaus verlegt.

Anfang Juni ist Goergens Gesundheitszustand so alarmierend, daß die Staatsanwaltschaft die Haft aufhebt. Wenige Wochen später wird bekannt, daß Goergen bei Henschel aussteigen will. Das Bundesverteidigungsministerium hat das Ausscheiden des 54jährigen zur Bedingung für einen neuen Großauftrag gemacht. Goergen, mit 54 Prozent am Aktienkapital der Henschel-Werke beteiligt, verhandelt mit der Essener Rheinstahl AG. Auch der amerikanische Anteilseigner, der Morgan Guarantee Trust, will seine Beteiligung abstoßen.

Anfang August hat man sich geeinigt. Für einen Kaufpreis von 110 Millionen Mark gehen die Henschelwerke an die Rheinstahl AG über - für das Kasseler Unternehmen der endgültige Schritt zum Konzern-Werk. Die Ermittlungen gegen Goergen laufen weiter. Er wird erst 1975 rehabilitiert.

Mit dem Leben Goergens und seinem Wirken bei Henschel befasst sich eine 2010 erschienene Biografie. (Peter Engelhard: Ich habe den Ruf, ein brutaler Hund zu sein. Fritz-Aurel Goergen und die Henschel-Werke, Lechner-Verlag, Calden 2010, ISBN 978-3-9813522-3-8)

Zerschlagung von Henschel

Henschel wird zerschlagen

Artikel aus der HNA vom 19.8.2010

Dieselhydraulische Streckenlokomotive für die Deutsche Bundesbahn

1965 übernimmt Rheinstahl die Mehrheit am Unternehmen - Danach kommen Thyssen und andere

Von Thomas Siemon

Kassel. „Was hätten wir aus der Henschelei noch alles machen können.“ Diesen Stoßseufzer des ehemaligen Firmenchefs Fritz-Aurel Görgen, der 1986 starb, können heute noch viele alte Henschelaner nachvollziehen.

Unter dem Druck der Ermittlungen gegen ihn hatte Görgen 1965 seine Mehrheitsanteile an Henschel verkauft. Im 155. Jahr des Traditionsunternehmens war zum ersten Mal ein nicht ortsansässiger Konzern Eigentümer geworden. Die Rheinischen Stahlwerke Essen hatten von nun an das Sagen. Mit der Rheinstahl Henschel AG begann eine neue Zeitrechnung. Viele Henschelaner waren angesichts dieser Entwicklung besorgt. Sie sprachen von Fremdbestimmung durch einen ehemaligen Konkurrenten, der ähnliche Produkte herstellte.

Hanomag-Henschel
Es dauerte nicht lange, bis die neuen Besitzverhältnisse im Nutzfahrzeugbau deutlich wurden. Die Schwestergesellschaft Rheinstahl Hanomag und das Kasseler Unternehmen wurden 1969 zur Hanomag-Henschel-Fahrzeugwerke GmbH zusammengelegt. Mehrheitsaktionär war damals schon die Daimler Benz AG. Schon ein Jahr später trat dann das ein, was viele befürchtet hatten. Rheinstahl verkaufte auch die restlichen Anteile, der Name Henschel verschwand im Lkw-Bau aus dem Firmennamen. Der kam lediglich noch da vor, wo Henschel als Markenname weiterhin Weltruf hatte: im Lokomotivbau.

1973 verkaufte Rheinstahl das veraltete Stammwerk am Holländischen Platz an das Land Hessen. Das Gelände ist heute zentraler Standort für die Universität Kassel und ein Beispiel dafür, dass viele zunächst schmerzhafte Einschnitte bei Henschel auch neue Entwicklungen angestoßen haben.

Bei Henschel ging unterdessen der Eigentümer- und Namenswechsel weiter. Nachdem die Thyssen AG (heute Thyssen-Krupp) die Mehrheit bei Rheinstahl übernommen hatte, taucht ab 1976 die alte Bezeichnung wieder auf. Das Unternehmen hieß jetzt Thyssen-Henschel.

ABB und Adtranz
Auch in der Traditionssparte Lokomotivbau gab es eine ganze Reihe von Veränderungen. 1990 gab es eine Neugründung. Damals bildeten der Henschel Lokomotivbau und die zu Thyssen gehörende Waggon Union zusammen mit Asea Brown Boveri (ABB) ein gemeinsames Unternehmen. Aus der ABB Henschel AG wurde sechs Jahre später die ABB Daimler-Benz-Transportation (Adtranz). Damals verschwand der Name Henschel im Lokomotivbau. Die Tradition, die 1948 mit der legendären Dampflokomotive Drache begonnen hatte, war damit allerdings noch nicht zu Ende. Seit dem Jahr 2001 produziert das kanadische Weltunternehmen Bombardier am Standort Mittelfeld Lokomotiven.

Hoffnung auf Transrapid begraben

Transrapid

Das letzte Kapitel der Henschel-Geschichte im Kasseler Lokomotivbau ging im März 2010 zu Ende

Es war das letzte Großprojekt, das zumindest teilweise noch unter dem Henschel-Stern realisiert werden sollte. Trotz aller Ausgliederungen gab es noch ein Projekt in der Verkehrstechnik, das unter dem Namen Thyssen-Henschel fortgesetzt wurde: Der Transrapid. 1974 hatte das Unternehmen mit der Entwicklung der Magnetfahrtechnik begonnen. Im Werk Mittelfeld wurde intensiv an dieser neuen Technologie gearbeitet. Die ersten Prototypen wurden auf einer eigenen Versuchsanlage getestet. Von der Internationalen Verkehrsausstellung 1979 in Hamburg erhoffte man sich einen Durchbruch. Der Transrapid 05, der eigens für diese Ausstellung gebaut wurde, beeindruckte zwar die Besucher, doch die Hoffnungen erfüllten sich damals ebenso wenig wie in all den Jahren danach.

Daran änderte weder die Teststrecke im Emsland etwas noch die vielen Pläne für eine Strecke in Deutschland. Eine Verbindung zwischen Hamburg und Berlin hielten die Befürworter für ideal, auch ein Metrorapid zwischen Dortmund und Düsseldorf war im Gespräch. Zuletzt scheiterten die Pläne für einen Transrapid-Flughafenzubringer in München. Die Technik ist gut, die Umsetzung aber zu teuer, lautete immer wieder das Urteil. Lediglich die Chinesen griffen beim Transrapid zu. Seit 2003 pendelt der Magnetzug zwischen dem Zentrum der Metropole Shanghai und dem Flughafen. Ein schwerer Unfall im Jahr 2006 auf der Teststrecke im Emsland mit 23 Toten gehört ebenfalls zur Transrapid-Geschichte. Für die 60 Beschäftigten am Standort Kassel kam im März 2010 die Nachricht vom Aus. Die Thyssen Transrapid System GmbH war 1996 aus Thyssen-Henschel hervorgegangen.

14 Jahre später und 200 Jahre, nachdem Georg Christian Carl Henschel die Firma gegründet hatte, war das letzte Kapitel der Henschel-Geschichte im Kasseler Lokomotivbau beendet. (tos)

Video: Henschel in Kassel: Der Transrapid 07

siehe auch

Transrapid

Auch in den folgenden Artikeln des RegioWiki-Lexikons wird die Bedeutung von Henschel deutlich:

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Aus HNA.de vom 25. Juli 2014: Henschel und die Atombombe: Es blieb bei den Plänen
  2. Aus HNA.de vom 24. Juli 2014: Schriftsatz aufgetaucht: Henschel wollte Atombombe für den Kriegseinsatz bauen
  3. Aus HNA.de vom 30. Januar 2013: Sammelband zum Henschel-Jubiläum: Ohne die Firma keine Uni

Weblinks

Firmenzeichen henschel im henschelmuseum r stiehl.jpg

Rosmarie Stiehl

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