Henner Piffendeckel

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Henner Piffendeckel ist das Schriftsteller-Pseudonym von Philipp Scheidemann.

Der bekannte SPD-Politiker Philipp Scheidemann, am 26. Juli 1865 in Kassel geboren, in der Brüderkirche getauft und am 29. November 1939 in Kopenhagen gestorben, war ein Kind der Unterneustadt. Über seine politische Karriere wurde viel geschrieben, über seine Jugendjahre, die sein späteres Leben wesentlich mit geprägt haben, ist in dem Artikel "Henner Piffendeckel ein Kind der Unterneustadt" in: www.erinnerungen-im-netz.de nur wenig zu lesen.

Gedichte und Texte

Gedichte von Henner Piffendeckel wurden u.a. veröffentlicht im Buch Kasseläner Klassik von Autor Hans Römhild.

Die mundartlichen „ Geschichderchen" schrieb Scheidemann als leitender Redakteur in der von ihm geleiteten Kasseler Zeitung. Seine Geschichte „ Dr Quetschen-Frieder ", beginnt mit dem typischen Kasseler Dialekt: „Mä saßen vor der Unnerneistädter Kirchendähre un bafften Zigaretten".

Unter dem Pseudonym „ Henner Piffendeckel " machte Philipp Scheidemann mit seinen Lausejungen-Geschichten das Dörfchen um den Holzmarkt aus den Jahren seiner Kindheit 1875-1880 wieder lebendig. Es war die Zeit Ende des 19. Jahrhunderts, der entstehenden Heimatliteratur, mit der Pflege der heimischen Muttersprache.

Die bekannteste Erzählung dürfte die „ De Drillerpiffe ", sein. Sie spielt sich am Holzmarkt ab, also direkt vor seiner Haustür.

De Drillerpiffe (Auszug)

von Henner Piffendeckel

Ich kann von jedem Casseläner verlangen, daß hä weiß, was 'ne Drillerpiffe äs. Den Heimatscheinem, die sich hier rimmerherdriewen un nadierlich nit wissen, was 'ne Drillerpiffe äs, wäll ich's klar machen. 'Ne Drillerpiffe äs 'ne kleine Piffe von Holz mit 'ner Erwese drinne. Wann me nin blosen dhiet, dann pifft se. De Erwese wird vom Blosen meschugge un finget ahn ze danzen; doderdurch giwwet's Schbektakel in der Piffe. Imme ganz deitlich ze sin, domitte daß's au der greeßte Blosenkobb verschtehn dhiet: der Piff, den me us der Piffe locket, äs gewirzt dorch'n schnarrendes R. Was'n einigermaßen heller Kerle äs, der kann den Don au 'rus bringen, ohne daß hä 'ne Drillerpiffe hot. Hä brucht nur in der Kehle 'n R ze schnarren, als wanne schbrechen wollte: Rrrrus us den Karduffeln! Wann dann d's R schnarrt, dann machte de Schnudde schbitz, schnarrt d's R widder un pifft derzu. Grade so pifft 'ne Drillerpiffe.

So, nu weiß wohl jeder, der de Hose nit mit der Bißzange anzieht, was ne Drillerpiffe äs. Ich wäll noch eins vorne wecken sahn: wann einer of 'ner Drillerpiffe pifft, dann kännen in zehn Minuten zwanzig Menschen doll weren. Wann awer zehne of Drillerpiffen piffen, dann kännen se hunnert Menschen in 'ner Viertelschtunne wahnsinnig machen.

zitiert nach: "Ärste Kasseläner Hompädsch von Torsten Müller"

Querverweise

Philipp Scheidemann

Netzverweise