Hemeln

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Hemeln an der Weser

Hemeln an der Weser ist der nördlichste Stadtteil der Stadt Hann. Münden mit knapp 1.000 Einwohnern.

Zu Hemeln gehören die Ortsteile Glashütte und Bursfelde.

Geografie

Der Ort liegt in Südniedersachsen, etwa 11 km nördlich von der Kernstadt Hann. Münden entfernt.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Weser liegt das nordhessischeVeckerhagen, ein Ortsteil von Reinhardshagen.

Geschichte

Wappen von Hemeln

Funde aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit belegen eine lange Siedlungsgeschichte in dieser Region.

Im Jahre des Herrn 834 wurde „Hemlion“ per Urkunde mit Mann und Maus an das Kloster Corvey verschenkt: schätzungsweise 300 Menschen der Ansiedlung waren im Krieg Besiegte. Weil sie zudem Heiden waren, hatten sie nichts zu melden.

Der christliche Frankenkaiser Karl (747 - 814), genannt „der Große“, hatte die Sachsen in blutigen Schlachten unterworfen und sie seinem Reich einverleibt. Unter ihnen die Leute im „Hem“ (oder „Häm“), dem Flussbogen der Weser, der ihrer Siedlung den Namen gab.

Als Sachsen waren die Hemeln freie Menschen gewesen, die an die Götter und Geister ihrer Ahnen glaubten und keinem Herrscher tributpflichtig waren. Unter den Franken änderte sich das dramatisch. Jetzt sollten sie den Kaiser als ihren Herrn anerkennen, ihren alten Göttern abschwören, den neuen Glauben annehmen und obendrein auch noch dem Kloster Corvey, viele Wegstunden entfernt, Abgaben zahlen. Wer sich auf Dauer dagegen auflehnte, hatte mit brutalen Repressionen zu rechnen.

Hemeln - Ortsansicht
Die Kirche in Hemeln

Karls Sohn Ludwig der Fromme (778 - 840) setzte die Politik seines Vaters fort. Er war es auch, der Hemeln per Dekret am 15. Mai 834 Corvey übereignete: „...zum Lebensunterhalt der dortigen Mönche und zur Befriedigung der Bedürfnisses dieses Klosters“. 16 Jahren später wohnten in Hemeln nur noch Christen.

In dieser Epoche machten nicht nur die Sachsenkriege Weltgeschichte. 836 eroberten die Normannen England, und im fernen Lande der Kalifen (heute Irak) blühten Wissenschaften wie Philosophie und Astronomie auf, die im christlichen Abendland noch Bücher mit sieben Siegeln waren.

Das Hemelner Wappen mit dem goldenen Schild, den Pflugscharen und einem Abtsstab erinnert an die über Jahrhunderte hinweg landwirtschaftliche Prägung des Ortes und die Patronatsrechte des ehemaligen Klosters Corvey.

Nach der geschichtlichen Überlieferung beschenkte bereits Frankenkaiser Ludwig (der Fromme) im Jahr 834 mit "Hemlion" das Kloster.

Eine mehr als 900-jährige Geschichte weist die Klosterkirche des ehemaligen Benediktinerklosters im Ortsteil Bursfelde auf.

Das Alter der Hemelner Marienkirche wird auf wenigstens 800 Jahre geschätzt. Der romanische Westturm wurde um das Jahr 1200 errichtet und diente auch als Wehrturm.

Der heutige Kirchbau wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg 1681 errichtet, nachdem Hemeln und seine vorherige kleinere Kirche unter den Kriegswirren stark gelitten hatten.


Auszüge aus der kaiserlichen Urkunde von 834:
„Im Namen des Herrn unseres Gottes und unseres Erlösers Jesus Christus. Ludwig, dank Gottes wiedergewonnener Gnade erhabener Kaiser. Wenn wir in großzügiger Weise von den Gütern, die uns Gott hat zuteil werden lassen, einige den Gott geweihten Stätten übertragen, so glauben wir fest, dass uns dies sowohl zu einem glücklichen irdischen wie auch zur Erlangung des ewigen Lebens förderlich sein wird.

Deshalb wollen wir allen unseren derzeitigen wie zukünftigen Getreuen zur genauen Beachtung bekannt machen, dass es unserer Hoheit gefallen hat, gewisse Weiler unseres Rechtes, im Enger- und Leinegau gelegene Orte mit Namen Sulbichi und Hemlion dem Kloster, das Neu Corbie genannt wird..., durch diese unsere Verfügung vollkommen zu übertragen, damit sie zu unseren und unserer Nachfolger Zeiten auf Dauer unter der Herrschaft des Klosters seien zum Lebensunterhalt der dortigen Mönche und zur Befriedigung der Bedürfnisse dieses Klosters.

Diese oben genannten Orte übertragen wir mit allen Dingen, mit allem Zubehör und in ihrer Ausdehnung und mit allem, was dazu gehört, nämlich Häusern und anderen Gebäuden, Ländereien, Wiesen, Wäldern, Feldern, Weiden, Gewässern und Wasserläufen, Ackern und Ödländern, totem und lebendem Inventar sowie Hörigen beiderlei Geschlechts und unterschiedlichen Alters dem vorgenannten Kloster und bekräftigen, dass sie - wie gesagt - in Zukunft unter dessen Recht und Gewalt ununterbrochen und unbeschadet irgendeines Grafen oder öffentlichen Richters oder sonst jemanden Einspruch oder Widerstand verbleiben sollen. Zeichen (M) Ludwigs, des erhabensten Kaisers, Ich, Notar Hirminmar habe dies an Stelle von Theoto geprüft, beglaubigt und unterschrieben. Gegeben an den Iden des Mai, in der Gnade Christi im 21. Jahre der Herrschaft des frömmsten und erhabenen Herrn Ludwig in der Pfalz zu Aachen: im Namen Gottes, glückselig, Amen.“

Quelle: Jubiläumsfestschrift

Literatur

Persönlichkeiten

Sehenswürdigkeiten

Weserstraße 2

Fachwerkhäuser in Hemeln

  • Das Wohn-Stall-Speicherhaus in der Hauptstraße 48 ist nach den rochologischen Untersuchungen das älteste erhaltene Haus in Hemeln. Es wurde 1535 errichtet. Heute dient das ehemalige Wohnhaus nur noch als Scheune.
  • Das Pfarr-Witwenhaus in der Hauptstraße 47 wurde für die Witwe des Pfarrers im 19. Jahrhundert auf Abbruch gekauft und dann auf dem Grundstück, wo es heute noch steht, wieder aufgebaut.
  • Im heutigen Forstamt, Hauptstraße 3, mit der runden Eingangstür und der aus Buckelglas bestehenden „Laterne“ darüber, lebte im 18. Jahrhundert ein Geschäftsmann namens Johannes Otto Kellner. Er war Waidhändler (er handelte mit einer Färberpflanze, die den blaufärbend Stoff Indican enthielt) und umging das Mündener Stapelrecht, indem er die Färberpflanzen per Wagen aus Erfurt nach Hemeln bringen und die Ware dann auf eigene Schiffe verladen ließ. Von Hemeln aus ging das Material auf der Weser nach Bremen. Das Haus wurde von der Familie Kellner aus Erfurt 1789 errichtet und war, weil als Handelshaus gedacht, mit einem Wagen befahrbar.
  • Im Fachwerkhaus Weserstraße 2 soll Bismarck als junger Student gezecht haben. Das Haus stammt ursprünglich aus Veckerhagen, wurde dort abgebaut und 1781 in Hemeln wieder aufgebaut. Von da ab diente es als Gaststätte.

Marienkirche Hemeln

Der Holzaltar kam im Jahre 1686 hinzu, im 18. Jahrhundert die Empore.

Gierseilfähre Veckerhagen - Hemeln

  • Wegen seiner Lage im Wesertal und der beschaulichen Gierseilfähre zu dem auf der anderen Seite der Weser gelegenen Veckerhagen ist Hemeln ein beliebtes Ausflugsziel. Seit inzwischen 666 Jahren hieß es in einem Artikel in HNA-online am 10.1.2008 werden inzwischen mit der Fähre Menschen, Güter und Tiere (heute allerdings vorwiegend Autos) von einem Ufer der Weser zum anderen befördert.

Kloster Bursfelde

  • Der Ortsteil Bursfelde ist bekannt durch sein historisches Benediktiner-Kloster (Kloster Bursfelde), das heute als evangelisches Tagungszentrum dient. Die mehr als 900 Jahre alte romanische Klosterkirche in idyllischer Uferlage an der Weser stammt aus der Gründerzeit des Klosters und verfügt über überaus sehenswerte mittelalterliche Fresken. Neben dem Kirchengebäude ist der Westflügel des Klosters erhalten geblieben, der im Jahre 1722 zu einem Gutshaus umgebaut wurde.

siehe auch

Marienkirche in Hemeln

Weblinks

Historische Karte von 1905

Überregional: