Helius Eobanus Hessus

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Humanist, geboren 6. Januar 1488 in Halgehausen (als Eoban Koch), gestorben 3. Oktober 1540 in Marburg

Seiner Heimatstadt Frankenberg, in der er die Lateinschule besuchte, widmete er ein Lobgedicht in geschliffenem Versmaß. Helius Eobanus Hessus, am 6.1.1488 in Halgehausen als Sohn eines Hainaer Klosterbediensteten geboren, gehörte dem Erfurter Humanistenkreis an, begründete dort seinen Dichterruhm als einer der wichtigsten neulateinischen Lyriker der Frühen Neuzeit in Deutschland, lehrte an den Universitäten von Erfurt, Nürnberg und Marburg, war befreundet mit Martin Luther, Philipp Melanchthon, Erasmus von Rotterdam und Albrecht Dürer.

Durch das Lebensbild, das sein Freund Joachim Camerarius d. Ä. drei Jahre nach dem Tod des Dichters Helius Eobanus Hessus (1488-1540) schrieb und das erstmals in einer lateinisch-deutschen Ausgabe im Manutius-Verlag erschienen ist, erhalten wir einen facettenreichen Einblick in die Kindheit dieses aus Halgehausen stammenden Gelehrten. Am Sonntag, dem 5. Januar 1488 morgens um 5 Uhr soll er laut Camerarius „im gleichen Horoskop” wie Homer geboren sein. Kein Wunder also, wenn Hessus später zum wichtigsten neulateinischen Lyriker der Frühen Neuzeit in Deutschland wurde...


Der erste Unterricht

Seinen ersten Unterricht erhielt der kleine Eoban Koch bei dem Abt Dietmar im Kloster Haina. Denn: „Die Mutter war eine Bürgerin der Stadt Gemünden, der Vater leistete... Dienste im Kloster Haina. Dieses Kloster ist inzwischen aufgelöst (die Frömmigkeit war darin schon lange missachtet, die Ordensregel schon lange außer Kraft), es erfüllt jetzt einen anderen Zweck, es ist jetzt Asyl für einige Arme,” weiß Professor Camerarius zu berichten.

Dann wurde der Junge nach Gemünden zur Schule geschickt, wo er zusammen mit dem wenig älteren Schüler Hartmann Arnold (späterer Bürgermeister) die grammatischen Regeln bei dem dortigen Rektor der Lateinschule Johannes Mebes (Möbus) lernte. „Die beiden Jungen übersiedelten später nach Frankenberg, um ihre Kenntnisse zu erweitern, weil dort der durch seine literarische Bildung damals sehr berühmte Jakob Horle eine Schule eröffnete, als Eobanus im 14. Lebensjahr stand.” Der nahm ihn mit viel Wohlwollen auf, erkannte die geniale Begabung des Jungen und erteilte ihm zusätzliche Unterrichtsstunden. Horle („Horläus”) legte ihm einen Satz aus dem Evangelium vor, den Eobanus „so in Verse umgegossen” habe, dass der Schulmeister die „Geistesgegenwart” des Jungen bewundern musste.

Der Rektor der Frankenberger Lateinschule wird von Camerarius als Pädagoge hoch gelobt. Er sei ein „herzensguter Mann” gewesen, habe „das größte Vergnügen im Fortschritt seiner Schüler gefunden”, und das selbst dann, wenn der ungeduldige Schüler ihn mit „Drängen” dazu brachte, geschriebene Entwürfe sofort zu korrigieren. Konnte der junge Dichter den alten Horle nicht erreichen, so nervte er andere, die ihm seine Fehler verbessern sollten, denn „die Sache dulde keinen Aufschub, er müsse sogleich weitere Verse machen”.

Mit Gedicht Denkmal gesetzt

Seinem Frankenberger Lateinlehrer setzte Eobanus Hessus später mit diesem Gedicht in seinen „Heroiden” ein Denkmal:

„Finden ließ das Geschick mich einst einen Meister der, / welcher mir sagte, der Vers habe ein festes Gesetz. / Ihm lag bittend ich an, ihm folgt ich solange als Zögling, / bis ich der Verse Gesetz, Messung und Regel erlernt. / Mühelos strömte die Muse mir ein, nicht lange bedurft es, / und schon leidlicher Ruhm wurde dem Knaben zuteil.”

Nachdem Eobanus drei Jahre lang durch Meister Horle gefördert worden war, entdeckte er als 16-Jähriger in Erfurt, dem Humanisten-Zentrum jener Zeit, „gleichsam einen reichhaltigeren Markt der artes liberales”. Aufgrund seiner überdurchschnittlichen Begabung erwarb er an der Universität schon bald erste Ehrentitel. Besonders unterstützt wurde der mittellose Student von dem Frankenberger Magister Ludwig Christiani, einem Theologen, der später in seiner Heimatstadt als Pfarrer wirkte.

Was Camerarius über die Geburt und den angeblich unbekannten Herkunftsort seines berühmten Freundes Helius Eobanus Hessus (1488-1540) schreibt, stammt eher aus dem Bereich der Sage sowie aus einem blumigen Hirtengedicht des Poeten. Biograf Joachim Camerarius vergleicht den hessischen Dichterkönig mit Homer, dessen Vaterstadt man auch nicht so genau kenne. „Wie nämlich Homer nach Herodots Bericht am Ufer des Flusses Meles geboren wurde, so brachte seine Mutter Eobanus unter einem Baum im Gras zur Welt.”

Alle späteren Hessus-Forscher machten Halgehausen („Hadelgehausen”) als Herkunftsort für den großen Humanisten aus. So schreibt sein ehemaliger Schüler von Erfurt, Sekretär am Hofe Landgraf Philipps des Großmütigen und zeitweiliger Vorsteher des Hospitals Haina, Wigand Lauze, über den „hoch begabten Poeten”: „In eingezeigtem dorfflein (Hadelgehausen) stehet ein geringe Heußlin herscheit dem wasser an einem Hohen Rein, und dohinter etliche alte Eichenen beume, In welchem zeit gemeineglich der vom Heyen Tich- oder Fischmeister wohnen, doselbst dieser Poet auf diese Welt geboren.”

Ein großer Hesse

Auf Lauze und das Werk von Dr. Carl Krause aus dem Jahr 1879 berief sich auch Rektor Heinz Brandt (1912-1996), langjähriger Vorsitzender des Hainaer und Frankenberger Geschichtsvereins, als er am 3. Juli 1993 die Festrede in Halgehausen anlässlich der Enthüllung eines Gedenksteines für Helius Eobanus Hessus in der Dorfmitte hielt. Für Brandt, der in den Nachkriegsjahren als junger Lehrer in Halgehausen die Ortsgeschichte intensiv studierte, war klar: „Hier, in diesem kleinen Dorfe, wurde ein großer Hesse geboren.”

Gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister Dieter Kepper und Ortsvorsteher Hans Schlidt enthüllte Heinz Brandt im Beisein einer großen Zuhörerschar die Bronzetafel mit dem Portrait und einem Gedenktext für Eobanus Hessus. Er glaubte sogar den Ort, wo das „geringe Häuslein” der Familie Koch, so der bürgerliche Name des späteren Humanisten, gestanden haben muss, gefunden zu haben.

Hessus starb am 3. Oktober 1540 in Marburg und wurde zwei Tage später auf Anordnung Landgraf Philipps auf dem alten Friedhof an der Elisabethkirche, ganz nahe den eigenen Verwandten des Landgrafen, unter großer Anteilnahme seiner Freunde beigesetzt. Professor Camerarius aus Bamberg dichtete in seinem Nachruf: „Hessus’ Leib ist bestattet in hiesigem Grabmal, / Aber sein edler Geist weilt in der himmlischen Burg. / Allüberall fliegt sein Ruhm, und die Musen mit eigenen Händen / Unterschreiben das Lob, das seinen Namen erhöht.”

Literatur:

Camerarius: „Narratio de Helio Eobano Hesso/Das Leben des Dichters Eobanus Hessus”, Manutius Verlag Heidelberg. Heinz Brandt: Helius Eobanus Hessus. berühmter Sohn des Frankenberger Landes. In: Hessische Heimat, 1989, H.2

Von Karl-Hermann Völker (HNA)