Heinrich Fidelis Müller

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Heinrich Fidelis Müller (* 23. April 1837 in Fulda, † 30. August 1905 in Fulda) war katholischer Priester, Komponist und in den letzten Jahre vor seinem Tod Domdechant am Hohen Dom zu Fulda.

Leben

Zu den musikalischen Lehrern von Heinrich Fidelis Müller gehörten der Fuldaer Stadtkantor und Komponist Michael Henkel und dessen Sohn Georg Andreas.

Nach der Priesterweihe im Jahre 1859 und einigen Jahren als Kaplan im Bistum Fulda wurde er Pfarrer in Bockenheim und kam 1873 als Pfarrer nach Kassel an die Kirche St. Elisabeth. 1890 schloss sich der Wechsel auf eine Pfarrstelle in Amöneburg bei Marburg an und 1894 ging er als Domkapitular nach Fulda. Hier wurde er 1902 zum Domdechanten ernannt, bevor er am 30. August 1905 nach einem Schlaganfall starb. Er wurde in Fulda in der „Grablege der Domherren“ auf dem Mittleren Städtischen Friedhof beigesetzt, wo sein Grab bis heute zu finden ist.

Literatur

  • Paul Lang, Heinrich Fidelis Müller (1837-1905) - Priester und Komponist, Leben und Werk, Diss. Univ. Koblenz-Landau 2003

Musikalische Werke

Müller hat eine ganze Reihe von musikalischen Werken hinterlassen, meist sehr verständliche und praktikable Werke mit lebendigem, handlungsreichem Inhalt. In seiner Zeit in Kassel enstanden unter anderem op. 7: Die heiligen Dreikönige (für Soli, gemischten Chor und Orchester oder Klavierbegleitung mit lebenden Bildern) 1882, op. 8: Katholisches Gesang- und Gebetbüchlein. Sammlung der in der katholischen Pfarrkirche zu Cassel üblichen Gesänge und Andachten 1876, op. 10: Weihnachtsfeier (für vierstimmigen Männerchor und Soli mit Klavier- oder Harmoniumbegleitung zur Aufführung mit lebenden Bildern) 1884 oder op. 12: Die heilige Elisabeth (Geistliches Festspiel in sieben Bildern für Soli und gemischten Chor) 1889. Der Hinweis "mit lebenden Bildern", bei denen kostümierte Darsteller in einer vom Komponisten festgelegten Szene bewegungslos verharren, findet damals Gefallen beim Publikum und Müller macht sich diese Praxis bei den immer aufwendiger ausgestatteten Aufführungen seiner Werke zu eigen.

Aus seiner Kasseler Zeit stammt auch als bekanntestes Werk das Weihnachtsoratorium - op. 5. Müller schrieb sein Weihnachtsoratorium im Jahre 1879, wobei er nach eigener Darstellung durch einen Besuch der Oberammergauer Passionsspiele im Jahre 1871 angeregt wurde. In dem „Weihnachtsspiel“ wird das Weihnachtsgeschehen in sechs Szenen gegliedert und besonders in Form von Rezitativen (nach Worten der Heiligen Schrift) sowie Soli, Chören und Instrumentalsätzen nacherzählt.

Besonderen Wert legte der Komponist auf die „alten, kräftigen und hertzinigen Kirchen- und geistlichen Lieder“ (so das Vorwort zur Partitur aus dem Butz-Verlag in Bonn-Beuel), darunter „O Heiland, reiß die Himmel auf“, ein kirchliches Adventslied von Friedrich Spee (1591–1635), „Es ist ein Ros entsprungen“, ein ursprünglich wohl zweistrophiges, kirchliches Weihnachtslied aus dem 16. Jahrhundert aber auch „Stille Nacht, heilige Nacht“, das zu bekanntesten Weihnachtsliedern zählt und erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Österreich komponiert wurde, wo es zu Heiligabend 1818 der Dorfschullehrer und Organist Franz Xaver Gruber (1787–1863) und der Hilfspfarrer Joseph Mohr (1792–1848) in der Kirche St. Nikola in Oberndorf bei Salzburg erstmals aufführten.

Nachdem Müllers Weihnachtsoratoriums in den 1930-er Jahren in Vergessenheit geraten war, erfreut es sich seit der Neuedition durch den Musikverlag Dr. J. Butz in Bonn wieder einer großen Popularität bei Kirchen- aber auch bei weltlichen Chören.

siehe auch

Weblinks