Heinrich-Steul-Siedlung

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Die Heinrich-Steul-Siedlung ist eine Wohnsiedlung im Kasseler Stadtteil Forstfeld. Früher wurde das Gebiet auch als Lettenlager bezeichnet, weil nach dem Krieg rund 1000 Letten und Esten auf dem Areal untergebracht wurden, um sie für die Rückkehr vorzubereiten. So entsand der Name.

Geschichte

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden für die Rüstungsproduktion der Junkers-Flugzeugmotorenwerke feste Behelfswohnungen entlang der Waldkappeler Bahn und des Forstbachwegs gebaut. Hier waren die Arbeiter untergebracht, die aus vielen Teilen Deutschlands kamen, um in den Junkers-Werken zu arbeiten. Gleichzeitig wohnten auch 200 Lehrlinge mit ihren Betreuern in den Steinbaracken. Später wurden hier die im Ausland angeworbenen Arbeiter untergebracht.

Nach dem Ende des Krieges unterstanden diese Unterkünfte der UNESCO zur Betreuung der Fremdarbeiter - insbesondere der Letten - bis zu deren Auswanderung. Nach 1949 fanden hier Heimatvertriebene - insbesondere Arbeiter und Angestellte der Firma AEG und Urban, sowie auch Polizeibeamte mit ihren Familien eine erste feste Bleibe. Es entstanden vor und neben den Unterkünften zu gepflegte Blumenbeete und Rasenflächen. Wo es möglich war, wurde auch Gemüse für den Hausbedarf angebaut.

In den 1950er-Jahren kaufte die Stadt Kassel die Baracken und brachte dort Obdachlose unter, nachdem die Holzbaracken am Mattenberg abgerissen worden waren. Auf viel zu engem Raum wohnten dort bis zu 600 Menschen unter kaum menschenwürdigen Bedingungen.

Im Lager befanden sich Einzelhandelsgeschäfte, die seit 1949 die Bevölkerung versorgten. Eine Fleischerei, ein Lebensmittelgeschäft, eine Konditorei und Bäckerei, ein Textilgeschäft, ein Papierwarengeschäft, eine Schuhmacherei und ein Friseur waren in Block A untergebracht. Im Block O, der früheren Lagerkantine, hat sich seit 1950 die Bevölkerung in der Forstbachterrasse getroffen. Vereine und Verbände trafen sich bei "Opa Theumer", dem damaligen Wirt der Gaststätte.

Die Kasseler Bevölkerung machte in den 1960er-Jahren um das Lettenlager einen großen Bogen. Es galt als sozialer Brennpunkt. Die Bewohner machten auf ihre Situation aufmerksam, indem sie die "Belgierwohnungen" (Belgische Straße) an der Ludwig-Mond-Str. besetzten.

Als die Zustände untragbar wurden, besetzten im Jahre 1972 die Bewohner des Lagers die damals freiwerdende "Belgiersiedlung" in der Südstadt. Diese Aktion und insbesondere die anschließende Räumung der Wohnungen durch die Polizei beschäftigte die bundesdeutsche Öffentlichkeit. Daraufhin machten sich Magistratsmitglied Leo Maßmann und der Vorsitzende der SPD-Forstfeld, Johannes Kunz, dafür ein, dass die Baracken einer neuen Bebauung weichen mussten.

Die Schule Am Lindenberg hatte hier ihren Ursprung. Die ersten Klassen für Schulanfänger wurden in Block P eingerichtet. Bis zur Fertigstellung des ersten Bausabschnittes der neuen Schule gingen die Schulanfänger des Forstfeldes und des Lindenbergs in diese Schule und brauchten den weiten Weg nach Bettenhausen zur Eichwaldschule nicht zu gehen.

Die Bauphase

Die Bauarbeiten für den ersten Bauabschnitt (Nr. 39 - 27) mit 126 Wohneinheiten begannen am 2. April 1973. Der Rohbau wurde gemauert und später mit Platten verkleidet. Die Bauarbeiter lebten während der Bauzeit unmittelbar neben der Baustelle. Nach einjähriger Bauzeit wurden die Wohnungen zum 1. April 1974 bezogen werden.

Entgegen der ursprünglichen Hausnummernfolge wurde der 1. Bauabschnitt mit "Haus 1 - 7" verwaltet, denn der Straßenname wurde erst später offiziell eingeführt. Beim Einzug zum 1. April 1974 lautete die Adresse noch Forstbachweg 16, neue Häuser, erst später erfolgte die Umbenennung in "Heinrich-Steul-Straße".

Die Schaffung so vieler neuer Wohnungen zog die Ansiedlung von Infrastruktur nach sich. In den 1970er-Jahren fuhr dreimal täglich ein Güterzug auf der noch heute zu erkennenden Gleistrasse der Söhrebahn.

1995 wurden im Nebenzweig der Heinrich-Steul-Straße 43 Garagen gebaut.

siehe auch

Weblinks und Quellen


--Falk D. Urlen 12:08, 24. Jun. 2009 (UTC)