Hedemünden

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Wappen von Hedemünden

Hedemünden ist ein Ortsteil der Stadt Hann. Münden in Südniedersachsen im Landkreis Göttingen mit 1.392 Einwohnern (Stand 31.12.2011).

Geografie

Der Ort liegt an der Werra.

Aufgrund seiner Lage zwischen Kassel und Göttingen und nahe der Autobahn A 7 (Anschlusstelle Hann. Münden-Werratal) hat sich Hedemünden inzwischen zu einem Gewerbestandort entwickelt.

Der "Werraübergang" der ICE-Schnellfahrstrecke Hannover-Würzburg und der Bundesautobahn A7 verläuft über die beiden Werratalbrücken bei Hedemünden, die in einem Abstand von 33 Metern in gleicher Höhe von 56 Metern das Werratal bei Laubach überspannen.

Unterquert werden die Brücken von der Bundesstraße B 80 von Hann. Münden nach Witzenhausen und der Eisenbahnstrecke von Kassel nach Eichenberg.

Geschichte

Römerlager bei Hedemünden

Römerfest in Hedemünden
Foto: Antje Thon

Bodenfunde belegen ein Römerlager bei Hedemünden, das als eines der besterhaltenen Militärlager nördlich der Alpen gilt. Es war der einzige römische Stützpunkt östlich der Weser.

Das niedersächsische Kulturdenkmal besteht aus einem 3,2 Hektar großen Vorratslager und zwei Marschlagern (zehn und 1,5 Hektar groß). Probegrabungen an den Befestigungen lieferten Hinweise auf Innenbebauungen mit Zelten. Auch Hinweise auf Holz-Lehm-Bauten liegen vor. Zudem lüftet sich das Geheimnis um die vor einem Jahr noch als „auffällig“ bewerteten Hangterrassen am Burgberg. Zumindest die obere Terrasse ist Bestandteil des Lagers.

Wahrscheinlich ist, dass sich der historische Fundort in seiner Größe über die jetzt gesicherten Grenzen hinaus ausdehnt, vermutlich im Gewerbegebiet Hedemündens und auch im zwei Kilometer entfernten Oberode.

Gefunden wurde inzwischen auch die antike Fluss-Übergangsstelle an der Werra.

Aus der Ortsgeschichte

Der Ort Hedemünden wurde erstmals im Jahre 1017 urkundlich erwähnt, als Kaiser Heinrich II. mit dem Hof Hademinni das von seiner Gemahlin Kaiserin Kunigunde gegründete Benediktinerinnen-Kloster in Kaufungen beschenkte.

Unter der Herrschaft von Herzog Christian Ludwig wird Hedemünden im Jahre 1645 als Stadt bezeichnet.

Mit dem Bau der Eisenbahnlinie Halle - Kassel wurde der Ort im Jahr 1871 an den Eisenbahnverkehr angeschlossen.

Seit der Gebietsreform in Niedersachsen ist Hedemünden seit dem Jahre 1973 ein Stadtteil von Hann. Münden.

Michaeliskirche

In Original-Bemalung: Der Grabstein für die "wohlgeratene Tochter" steht in der Michaeliskirche in Hedemünden.

Der Ort ist geprägt durch zahlreiche Fachwerkbauten und die St. Michaelis-Kirche.

Die ursprüngliche Kirche aus dem frühen 11. Jahrhundert wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts in eine gotische Hallenkirche umgestaltet, die heutige Form und Ausstattung der Kirche ist während der Barockzeit entstanden.

Im Chor wurden in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts Reste mittelalterlicher Wandmalereien entdeckt.

Zur Ausstattung der Hedemünder Kirche gehört der Katharinen-Wallfahrtsaltar und ein frühgotisches Kruzifix.

Ein Grabstein mit Engeln und Totenkopf

Ein grüner Kranz rahmt den Text ein, darüber flattern zwei Engelchen, die ein Wappen mit einem Löwen halten - durch seine Farbigkeit wirkt dieser Grabstein ausgesprochen freundlich. Er ist in der Michaeliskirche Hedemünden aufgestellt, gleich neben dem Eingang.

Zusammen mit anderen Grabsteinen wurde er 1980 bei Restaurierungsarbeiten unter dem Holzfußboden entdeckt. Das Besondere an diesem Stein ist, dass die Bemalung so gut erhalten blieb, erläutert Pastor Henning Dobers. Die Inschrift in Deutsch ist gut zu entziffern. Sie erinnert an Catharina Maria Magdalena Mengershausen, die Tochter des Pastors Johann Mengershausen, der von 1713 bis 1744 die Pfarrstelle in Hedemünden bekleidete. Damals war Hedemünden noch eine eigenständige Stadt.

Die „wollgerahtene Tochter“

Das Mädchen starb noch vor dem 14. Geburtstag. Über die Todesursache gibt die Inschrift keine Auskunft, wohl aber über das Wesen der 13-Jährigen. Sie scheint so fromm gewesen zu sein wie ihre Vornamen.

Dort steht: Die „wollgerahtene Tochter, geboren anno 1710, den 9. May, erreichte nur das 14. Jahre und erfuelte doch viel Jahre, den sie dem Hern Jesu zu Ehren und Gefallen, drum eilte er mit der reinen Seele aus dieser bösen Welt, das sie im Hern selig starb.“ Der Todestag ist mit dem 9. Oktober 1723 angegeben. Ihre Ruhestätte fand sie in der Kirche, wo sie noch immer begraben liegt.

Im Altarraum befanden sich mehrere Gewölbegräber, die aus der Zeit um 1700 stammen, außerdem ein mittelalterlicher Steinsarg, der einst außerhalb der Kirche gelegen habe, heißt es im Info-Blatt über die Michaeliskirche. Diese Gräber blieben bei den Restaurierungsarbeiten unberührt, nur die Steine stellte man an den Wänden im Kircheninnern auf.

Am linken Fuß des Steins ist ein Totenschädel eingemeißelt, das Symbol für den Tod schlechthin. Eine Schlange windet sich durch dessen leere Augenhöhlen. Rechts dagegen das Gegenteil: Eine Pflanze wächst empor und lässt den Betrachter unwillkürlich an das Leben denken. Die Michaeliskirche ist ursprünglich ein romanischer Bau, was man ihr von außen nicht mehr ansieht. Die ältesten Fundamente datieren aus dem Jahr 900. Nach mehreren Erweiterungen wurde die Kirche 1725 in barockem Stil umgebaut.

Eine Verteidigungsanlage bot dort, wo gerade die Gemeindemitglieder den Michaelispark angelegt haben, Schutz vor Feinden. Der um 1400 errichtete Kirchturm bildete dabei den Mittelpunkt. Als das Mädchen Catharina Maria Magdalena starb hatte er noch seine gotische Spitze. Ein Sturm im Jahr 1779 fegte diese hinunter. Danach erhielt der Turm seine barocke Haube, die er heute noch trägt. (tns)

siehe auch

Werratalbrücke der A 7

Weblinks

Überregional: