Haus der Jugend

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Das Haus der Jugend befindet sich im Kasseler Stadtteil Unterneustadt in der Mühlengasse. Es handelt sich um eine Dienststelle für Bundesfreiwillige.

Geschichte

Seit dem Mittelalter befand sich am Standort des jetzigen Haus der Jugend das Jägerhaus, in dem vor allem die Gerätschaften für die herrschaftlichen Jagden gelagert wurden. Es wird 1362 zum ersten Mal erwähnt, dürfte aber schon spätestens nach der Gründung der Unterneustadt entstanden sein (vor 1283).

Nach teilweisen Neubauten Ende des 16. Jahrhunderts und Anfang des 18. Jahrhunderts wurde unter Landgraf Karl 1686 der fuldaseitige Flügel abermals neu errichtet; dafür und für den Bau des Nordflügels (um 1710) wurde das Gelände um vier angrenzende Grundstücke in der Mühlengasse vergrößert. Der alte Flügel an der Ostseite wurde um 1760 abgebrochen und durch eine Mauer mit Tor ersetzt.

Von 1756 bis 1763, im siebenjährigen Krieg, diente es als Fourage-Magazin (Pferdefutterlager) für französische Truppen, welche gegen das Vereinigte Königreich Großbritannien / Hannover und somit auch den Bundesgenossen Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel kämpften. Ab 1763 wurde im früheren Jägerhaus ein Lazarett für die Kasseler Garnison eingerichtet, wenige Jahre später zusätzlich eine Tuchfabrik; ab 1789 diente es als Artillerie-Kaserne. Nach dem Abbruch der Unterneustädter Kirche 1795 diente es zunächst provisorisch als Kirche; weitere Umbaupläne wurden aber fallen gelassen.

Mit dem Bau der neuen Fuldabrücke 1788-94 unter Landgraf Wilhelm IX. wurde der alte Südflügel abgebrochen und kurz darauf das Gebäude als befestigter Brückenkopf ausgebaut. Aus dieser Zeit stammen die Kasematten und das klassizistische Portal, ein von einem Dreiecksgiebel gekröntes, rustiziertes Rundbogenportal. Die Kasematten (Gewölbekeller) aus 1794 können heute noch besichtigt werden. Das frühere Jägerhaus wurde nun zugleich in ein Staatsgefängnis umgewandelt.

Diese Nutzung behielt es auch im Königreich Westphalen bei, sowie nach der Wiederherstellung Kurhessens 1813/14. Außerdem wurde es als Militärarresthaus genutzt, weshalb bis in das 20. Jh. eine Infanterieabteilung dort stationiert war. Hier saßen die Männer des Dörnbergschen Aufstandes gegen König Jérôme ein, die 1809 bei Bettenhausen erschossen wurden, politische Gefangene der revolutionären 1830er Jahre waren in dieser "Bastille" inhaftiert und als berühmtester Gefangener wurde Dr. Gottlieb Theodor Kellner (1819-1898), Herausgeber des satirischen Wochenblatt "Hornisse", hier gefangen gehalten, dem mit Hilfe des Gefangenenwärters und Soldaten Zinn am 13. Februar 1852 die Flucht gelang. Das Geschehen wird in einem Gedicht von ? festgehalten:

Der Kellner und der Zinn:
Wo sind die beiden hin?
An der Fulda sind sie runner,
An der Schlagd da lag der Plunder.

1909 wurde der Graben auf der Brückenseite der Zitadelle beim Bau der neuen Brücke zugeschüttet und ab 1938 gab die NS-Fürsorgebehörde hier die Volksspeise aus. 1943 brannte das Gebäude schließlich im Bombenhagel aus.

Auf den Fundamenten des Kastells ließ Werner Noell, Hochbauamtsleiter der Stadt Kassel, 1952/53 das Haus der Jugend erbauen. Er übernahm dabei den L-förmigen Grundriss und hob das Bodenniveau des Innenhof auf das Straßenniveau der neuen Fuldabrücke an. In Anlehnung an die Kasematten wurde der Neubau mit Bruchstein verkleidet. Der dreigeschossige Hauptflügel entlang der Fulda erhielt ein vertikalbetontes Beton-Fensterraster und der zweigeschossige Seitenflügel wurde, der historischen Vorlage gleich, schmaler und lediglich zweigeschossig ausgeführt.

Namensgebung

Seit 1985 hieß das Ensemble an der Fuldabrücke Willi-Seidel-Haus, seit 1995 mit dem Zusatz: "- Zentrum für Jugendgruppen"; benannt nach Willi Seidel, Oberbürgermeister von Kassel 1945-1954. Wegen der NS-Vergangenheit von Seidel wurde der Name im Jahre 2015 wieder aufgegeben.

Am 9. November 2013 feiert man das 60-jährige Bestehen und konnte auch einen Fahrstuhl einweihen.

Aktuelle Nutzung

Die Räume des Hauses dienen nicht nur Jugendgruppen, sondern auch Gruppen von Erwachsenen als kostenloser Übungs- bzw. Trainingsort. Die Gruppen beschäftigen sich mit zahlreichen Themen, so zum Beispiel Breakdance, Theaterspielen, Musik, Selbstverteidigung.

Weiterhin beherbergt es verschiedene Beratungsangebote und Anlaufstellen für Jugendliche, so das Kommunale Jugendbildungswerk, das Kinder- und Jugendbüro, das Informationsbüro für junge Arbeitslose plus Arbeitsamt - "IBJA plus A" und den Kasseler Jugendring

Weiterhin gibt es eine Cafeteria und einen - nur Jugendlichen zugänglichen - Raum mit Internetzugang.

Ein Mal im Jahr im April stellen sich viele Nutzergruppen des Hauses beim sogenannten Mühlengassenfest vor.

Quellen / Links

Willi-Seidel-Haus

Wikipedia.de

Chronik der Stadt Kassel von Frank-Roland Klaube, Stadtarchivar

Kassel: Geschichtliches von Hans-Joachim Wirth, Kassel

  • Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.); Wiesbaden 1983 „Baudenkmale in Hessen: Stadt Kassel 1 (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland)“
  • Hinz, Berthold; Tacke, Andreas (Hrsg.); Berlin 2002 „Architekturfuehrer Kassel“
  • Holtmeyer, Alois: Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel, Bd. VI, Kreis Cassel-Stadt, Marburg 1923.