Hauptfriedhof

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Der Hauptfriedhof ist Kassels größter Friedhof. Er befindet sich in der Nordstadt nahe des Halit-Platzes.

Lage und Größe

Der Hauptfriedhof ist 40 ha groß und befindet sich im Stadtteil Nordstadt am Tannenheckerweg 6. Auf dem Friedhof gibt es an den Weggabelungen viele Wegweiser. So ist man nicht gezwungen, über den ganzen Friedhof zu laufen. Wer jedoch nicht mehr in der Lage ist zu den Gräbern der Verstorbenen zu Fuß zu gehen, kann auch den Dienst des Friedhoftaxis in Anspruch nehmen.

Geschichte

Der Hauptfriedhof wurde am 2. Juli 1843 mit der Beerdigung der Witwe Susanne Martius geb. Weimar eröffnet.

Im Jahr 1926 kamen Verbesserungsschläge zur Gestaltung des Friedhofs zur Sprache. Der Anfang wurde gemacht, indem im alten Teil des Friedhofs neue Pflanzen und Bäume gepflanzt wurden. Der Friedhof sollte außerdem im vorderen/neueren Teil durch eine Treppe und eine Doppelallee sowie ein Vogelschutzgehölz für die Bürger attraktiver gestaltet werden.

Im 2. Weltkrieg diente der Hauptfriedhof als Zufluchtsstätte für die Kasseler Bevölkerung. Doch nach dem Krieg war der Friedhof fast völlig zerstört. Man begann mit den Aufräumarbeiten und im Jahre 1951 waren die Spuren des Krieges fast völlig beseitigt. Man plante einen weiteren Ausbau des Soldatenfriedhofs, denn dieser "lag der Verwaltung besonders am Herzen".

Am 22. Oktober 1953 wurde der neue Ehrenfriedhof mit seinem Ehrenmal eingeweiht, welcher aus insgesamt 171 Grabkreuzen mit 3000 Namen besteht. Auch das Bombenopferfeld und der Ausländerfriedhof erinnern an furchtbare Kriegsgeschehen.

Besondere Merkmale des Hauptfriedhofes

Der Hauptfriedhof Kassel ist etwas Besonderes. Er ist ein Ort des Trauerns und Abschied nehmen auf der einen Seite und ein Ort der Begegnung und Kommunikation auf der anderen Seite. Der Friedhof gleicht mit seinen Grünanlagen und Springbrunnen einem Park.

Der Springbrunnen hinter der Kapelle wirkt beruhigend auf einen und spiegelt nicht das übliche Bild eines Friedhofes wieder. Die Wege und Seitenachsen sind rechtwinklig angeordnet und alleeartig bepflanzt. Das führt dazu, dass man nicht an allen Gräbern direkt vorbei geführt wird und sich nicht permanent mit dem Tod konfrontiert fühlt und in eine melancholische Stimmung verfällt.

Allerlei botanische Schätze gibt es außerdem auf dem Hauptfriedhof. Der Duftschneeball (blüht im Winter) zum Beispiel. Auf kleinen Schildern stehen viele Informationen über die verschiedenen Pflanzen. Aber nicht nur Pflanzen, auch Vögel können hier beobachtet werden.

Auf dem Hauptfriedhof sind nicht nur "Normalbürger" begraben. Persönlichkeiten wie Louis Spohr, Ludwig Emil Grimm und die Fabrikantenfamilie Henschel haben in Kassel ihre letzte Ruhe gefunden.

Die Friedhöfe in Kassel gehören dem evangelischen Stadtkirchenkreis an und sind nicht wie sonst üblich kommunale Friedhöfe, was bedeutet, dass in Kassel jeder, der Einwohner der Stadt war, unabhängig von seiner Konfession, auch ein Recht darauf hat hier beigesetzt zu werden.

Auffällig sind auch die vielen Skulpturen, die man immer wieder am Wegesrand oder aber Grabstätten sieht. Neben den Skulpturen gibt es zwei Brunnen. Einer davon zeigt die vier Evangelisten (Matthäus, Lukas, Markus und Johannes). Sie symbolisieren die verschieden Stationen Christi auf der Welt und bei Gott. Zum einen die Inkarnation (Matthäusevangelium) und den Opfertod (Lukasevangelium) und zum anderen die Auferstehung (Markusevangelium) und die Himmelfahrt (Johannesevangelium). Bei einem Gang über den Friedhof bemerkt man, dass nicht alle Gräber identisch aussehen. Was für ein Grabstein auf einem Grab zu sehen ist, hängt auch von der Zeit ab. In den Fünfzigern bevorzugte man Diabas, später weißer Marmor und heutzutage oftmals roten Granit. Es gibt aber auch Gräber bei denen zum Beispiel eine Geige dargestellt wird (auf dem Grab eines Musikers). Grabstätten, die ganz individuell gestaltet wurden, heben sich sofort von den gewöhnlichen Grabstätten ab, wo nur ein industriell angefertigter Grabstein zu finden ist.

Auf Wunsch der Bevölkerung gibt es auf dem Haupt- und Westfriedhof so genannte Abschiedsräume. Hier besteht für die Angehörigen die Möglichkeit Abschied zu nehmen. Der Raum ist künstlerisch gestaltet (indirekte Beleuchtung- erzeugt Wärme, Pflanzen, Buntverglaste Fensterscheibe). Die Kosten für die Nutzung betragen 39 Euro.

Ehrengräber

Der Kasseler Hauptfriedhof weist einige interessante Ehrengräber auf.

Das aufwendigste Grab welches die Stadt Kassel unterhält ist das von Philipp Scheidemann (geboren am 26. Juli 1865 in Kassel, gestorben am 29. November 1939). Philipp Scheidemann war im Parteivorstand der SPD tätig und von 1920-1925 Oberbürgermeister der Stadt Kassel.

Louis Spohr (geboren am 5. April 1784 in Braunschweig und verstorben am 22. Oktober 1859 in Kassel) wurde als Komponist, Dirigent aber vor allem als einer der besten Geiger seiner Zeit bekannt.

Ebenfalls auf dem Kasseler Hauptfriedhof beerdigt ist Ludwig Emil Grimm (geboren am 14. März 1790 in Hanau und verstorben am 4. April 1863 in Kassel), welcher als Professor an der Kunstakademie in Kassel, als Maler und als Kupferstecher praktizierte. Seine Werke sind vor allem durch Zeichnungen und Radierungen geprägt und er steht ganz im Sinn der Romantik (Landschaften, Porträts, Karikaturen). Ludwig Emil Grimm war der Bruder von Jacob und Wilhelm Grimm.

Carl Anton Henschel (geboren am 23. April 1780 in Kassel und dort verstorben am 19. Mai 1861) war Oberbergrat und Begründer der Maschinenfabrik Henschel und Sohn im Jahre 1817. Henschel hat auf verschiedenen Gebieten der Technik hervorragendes geleistet, zB baute er das erste deutsche Zylindergebläse und begann 1843 mit dem Dampfschiffbau.

Gustav Kaupert wurde am 4. April 1819 in Kassel geboren und vestarb auch dort am 4. Dezember 1897. Er war ein deutscher klassizistischer Bildhauer, welcher in den USA berühmt wurde.

Gertrude von Hanau (geboren am 18. Mai 1803 in Bonn und verstorben am 9. Juli 1882 in Prag) war die Ehefrau von Friedrich Wilhelm l. von Hessen, dem letzten Kurfürsten von Hessen-Kassel, welcher sie trotz des Ständeunterschiedes im Jahre 1831 heiratete.

Sylvester Jordan (geboren am 30. Dezember 1792 in Omes und verstorben am 15. April 1861 in Kassel) war ein deutscher Jurist und Politiker, der als Abgeordneter in der Frankfurter Nationalversammlung tätig war. 1850 gehörte er dem Schiedsgericht des Erfurter Unionsparlamentes an.

Sowie Hans Everding, der am 17. Oktober 1876 in Gelsenkirchen geboren wurde und im Jahr 1914 in Kassel verstarb. Hans Everding war ein deutscher Bildhauer, der an der Kasseler Kunstakademie studierte und vor allem für seine Denkmäler und Brunnenanlagen bekannt war.

Verwaltung

Der Leiter der Friedhofsverwaltung ist Jürgen Rehs. Die Verwaltung, Beratung der Angehörigen, Auskunft über Grabanlage, Grabart sowie Dauer der Ruhezeit und Nutzungsrecht findet allein auf dem Hauptfriedhof statt. Es gibt so genannte Reviergärtner, welche den Verkauf und die Anzeige der Wahlgrabstätten vollziehen. Die Reviergärtner bereiten außerdem die Trauerfeier in der Kapelle vor.

Arten der Bestattung auf dem Hauptfriedhof (Erdbestattung)

Bei der Erdbestattung unterscheidet man zwischen Reihengräber und Wahlgräbern.

  • Reihengräber: Grabstätte für die Erdbestattung, wie der Name schon sagt, sind sie in einer Reihe angeordnet, Inanspruchnahme erst bei einem Todesfall, werden von der Friedhofsverwaltung zugeteilt, 20 Jahre Nutzungsrecht (aber: seit 1995 besteht die Möglichkeit bei einer Entrichtung von fünf Euro die Nutzungszeit auf fünf Jahre zu verlängern)
  • Wahlgräber: die Angehörigen können Lage und Anzahl selbst bestimmen, Nutzungsrecht kann immer wieder auf 30 Jahre verlängert werden

Reihengräber   Wahlgrab


Bei der Feuerbestattung unterscheidet man zwischen Urnenwahlgräber und Urnenreihengräber.

  • Urnenwahlgrab: Lage und Anzahl kann von den Angehörigen selbst ausgesucht werden (zwei- und vierstellige Urnenwahlgrabstätten), Nutzungsrecht kann immer wieder auf 25 Jahre verlängert werden, seit 1998 können auch die Urnenwahlgräber noch zu Lebzeiten ausgesucht werden
  • Urnenreihengrab: in einer Reihe angeordnet, werden erst im Todesfall für 20 Jahre vergeben, seit 1998 kann das Nutzungsrecht bei Entrichtung von einer Gebühr von fünf Euro weitere fünf Jahre verlängert werden

Siehe auch

Weblinks und Quellen