Hardegser Esel

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Anstregender Job: Die Hardegser Esel mussten den Stalldung hinauf zu den Äckern schleppen.
Karikatur: Mönkemeyer
Hardegsen: Ein Hardegser Esel vor dem Gebäude der Stadtverwaltung

Die Hardegser sind stolz auf ihre Esel und auf den Beinamen ihrer Stadt: "Eselstadt".

Mist rauf, Ernte runter

Den Beinamen „Eselstadt” trägt Hardegsen seit dem 17. Jahrhundert. Damals brauchten die meisten Einwohner Esel, um ihren Broterwerb zu sichern. Ihre Aufgabe war es, die Äcker auf den Hängen der umliegenden Berge zu bearbeiten, und die Esel leisteten ihnen dabei große Hilfe. Sie brachten den Stalldung bergauf zu den Feldern und die meist karge Ernte nach Hause. Eine weitere Einnahmequelle war die Arbeit im Wald. Die Menge Holz, die sechs Esel aus dem Wald tragen konnten, wenn sie am Tag zwei Transporte absolvierten wurde als Eselholz bezeichnet. Im 19. Jahrhundert ergab sich für die Eselhalter eine neue Einnahmequelle. Mit ihren Tieren brachten sie den feinen weißen Sand aus den Sandgruben des Sollings in die Städte des Leinetals. Hier war es üblich, die frisch gescheuerten Dielen in den Zimmern damit zu bestreuen. Auch für Kriegsdienste wurden die genügsamen Vettern der Pferde eingesetzt. Während des Siebenjährigen Krieges und zur Zeit Napoleons wurden Hardegser Esel sogar höchst offiziell für Kriegstransporte dienstverpflichtet.

Eselpolizei sorgt für Ordnung

Da die Esel tagsüber arbeiten mussten, konnten die Eselbesitzer ihre Tiere nicht zusammen mit den Kühen der Stadt auf die Weide treiben lassen. So bürgerte es sich sehr zum Ärger der anderen Bürger ein, dass die Eselthalter ihre Tiere des nachts in der Stadt weiden ließen, wo sie natürlich so manchen Schaden anrichteten. Aus diesem Grund wurde in Hardegsen die „Eselpolizei” ins Leben gerufen: Ein Nachtwächter wachte darüber, dass die Esel die Nächte ordnungsgemäß in ihren Ställen verbrachten.

Eseltreiber werden Sandfuhrleute

Ab 1850 verschwindet in den Chroniken der Stadt der Begriff Eseltreiber aus dem Sprachgebrauch. Man spricht jetzt von Sandhändlern und Sandfuhrleuten. Mit den vielen Anekdoten aus der „Eselzeit” können die heutigen Hardegser aber gut leben. Schließlich waren die Hardegser Eselhalter ehrliche Bürger, die sich mit ihren Tieren mühsam den Lebensunterhalt verdienten. Außerdem ist der Esel ein kluges Tier, das nur störrisch wird, wenn man es schlecht behandelt.

Sympathie fürs Stadtsymbol

Die Hardegser sind stolz auf ihre Esel. Das machten sie 1983 deutlich, als anlässlich der 600-Jahr-Feier die Säule des Stadtbrunnens mit einer Eselfigur nebst Treiber gekrönt wurde. Und auch die vielen bunten Esel, die seit einigen Monaten die Hardegser Innenstadt zieren, zeigen die Sympathie der Einwohner zu ihrem Stadtsymbol.

Aus: Archiv Stadtheimatpfleger Herbert Heere