Hans Wilhelm Kirchhof

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Hans Wilhelm Kichhof(f) (* 1525 in Kassel?, † 30. September 1605, frühere Annahmen 1602 oder 1603 auf Schloss Spangenberg) war ein deutscher Landsknecht, Burggraf, barocker Dichter und Übersetzer.

Eltern

Er war der Sohn von Peter Kirchhof, der Peter von Halle genannt wurde und vermutlich in Halle geboren wurde. Peter Kirchhof begleitete 1521 den jungen Landgraf Philipp I., den Großmütigen, zum Reichstag nach Worms.

Landgraf Philipp I. ernannte 1533 Peter Kirchhof zum Schultheißen in Felsberg (Hessen) und 1533 zum Schultheißen und Förster von Wanfried bei Eschwege. 1544 beförderte Landgraf Philipp I. Peter Kirchhof zum Oberförster des Niederfürstentums und er beaufsichtigte in dieser Funktion den Reinhardswald, Habichtswald, Seulingswald, Kaufunger Wald und weitere Wälder des Niederfürstentums.

Peter Kirchhof war verheiratet mit Barbara. Aus der Ehe stammen neben Hans Wilhelm, noch zwei weitere Kinder. Eine Tochter namens Katharina Kirchhof und der kränkliche Sohn Peter Kirchhof der ein bekannter barocker Maler wurde. Die Eltern lebten im bescheidenen Wohlstand und ermöglichten ihren Kindern eine solide Erziehung und eine unfangreiche Bildung. Peter Kirchhof starb am 9. Januar 1561, seine Frau Barbara am 2. Dezember 1561.

Ehe und Familie

Hans Wilhelm Kirchhof war in erster Ehe mit Margarethe verheiratet, die am 15. Dezember 1576 in Kassel starb. In zweiter Ehe war er mit Margarethe Stuckenrad verheiratet und hatte mit ihr neun Kinder.

Soldatenleben

1535 vermittelte er erste Einblicke in sein Leben in der Militärschrift Militaris Disciplina und berichtete über sein Elternhaus. 1540 besucht Hans Wilhelm Kirchhof die Schule in Eschwege. In Kassel war Petus Nigidius sein Lehrer, der ab 1539 Rektor in Kassel war. Ob Kirchhof in diesem Jahr, oder erst nach seiner Eschweger Schulzeit bei Nigidius unterrichtet worden war, lässt sich nicht mehr zweifelsfrei feststellen. Er las während seiner Schulzeit von den Heldentaten der römischen Feldherren Julius Cäsar und Titus und verließ schon frühzeitig die Schule, um sein Streben nach militärischen Auszeichnungen zu stillen.

"Meine angefangene studia zu seponieren (abbrechen) ein will an Nagel zu hencken und in das Kriegsleut Leben zu verwechseln (überwechseln)."

Wahrscheinlich ermöglichte es Landgraf Philipp I. ihm, seine ersten Kriegserfahrungen zu sammeln. 1543 wird Hans Wilhelm Kirchhof urkundlich in Dresden erwähnt. Es könnte sein, dass er wiederum eine Schule besucht hatte, da er selbst in der Mititaris Disciplina berichtet, dass er seinen Schulbesuch einige Zeit aussetzte und an verschiedenen Orten ausserhalb Hessens unterrichtet wurde. 1545 taucht er in Nürnberg auf. Als Herzog Heinrich von Braunschweig versucht sein verlorenen gegangenes Land wiederzuerlangen beginnt Landgraf Philipp I. seit September 1545 eine umfangreiche Mobilmachung und fängt Gegenrüstungsmaßnahmen an. Hans Wilhelm Kirchhof war vermutlich als Werber für Soldaten und Musterungsschreiber für Landgraf Philipp I. in dieser Zeit tätig.

Er wurde Landsknecht und verblieb seit seiner ersten Erwähnung als Bamberger Landsknecht jahrelang dem Soldatenleben treu. Von 1545 bis zu seiner Entlassung im Herbst 1554 nahm Hans Wilhelm Kirchhof an zahlreichen Belagerungen, Kriegszügen und Gefechten in Deutschland und Frankreich teil. Er kämpfte meist im Dienst von Landgraf Philipp I.. Er war Anhänger der protestantischen Grundhaltung die er ausserdem überzeugt unterstützte. 1546 nahm er an dem Krieg von Landgraf Philipp I. und des Kürfürsten Johann Friedrich von Sachsen gegen Kaiser Karl V. teil.

Nach der Niederlage des protestantischen Heers und der Festnahme und Gefangenschaft Landgraf Philipp I. zog er in die Schweiz und war dann im französischen Dienst als Landsknecht tätig.

Er hielt sich im Feldlager St. Etienne du Mont vor Boulogne sur mer in der Picardie, das von Engländern belagert wurde, auf.

Im Jahr 1550 kehrte er wieder nach Deutschland zurück und diente dem Herzog Heinrich d. J. von Braunschweig in Braunschweig. Er wurde verwundet und entging nur knapp dem Pesttod. Am 19. Dezember 1550 nahm er eher unwillig an der Belagerung Magdeburgs durch Kurfürst Moritz von Sachsen und Herzog Georg von Mecklenburg teil. 1551 kehrte er wieder nach Braunschweig zurück und war wiederum Werber. Im Februar 1552 lebte er kurzzeitig in Kassel, um dann wieder in französische Dienste überzuwechseln.

Hans Wilhelm Kirchhof beteiligte sich an der Befreiung des von Kaiser Karl V. gefangen gehaltenen Landgraf Philipp I. unter Führung von König Heinrich II. und Kurfürst Moritz von Sachsen.

Danach nahm er an der Belagerung und Erstürmung von Chateau Conte an der französisch-flämischen Grenze teil und hielt sich danach bis zum Januar 1553 in Amiens auf.

Im Krieg der Bischöfe von Würzburg und Bamberg und der Stadt Nürnberg gegen Albrecht von Brandenburg –Kulmbach nahm er wiederholt als Landsknecht teil. Nachdem im Herbst 1554 der Bischof von Würzburg seine Soldaten entlassen hatten, beendete auch Hans Wilhelm Kirchhof seine Landsknechtszeit.

Sein Anliegen im Kriege war:

... der Warheit beyzustehen/Gerechtigkeit zu handthaben/Wittwen und Waysen zu schützen und beschirmen.

Literat

Im Winter 1554 studierte er vermutlich an der Philipps Universität in Marburg an der Lahn. Nachweisbar durch das Universitätsmatrikel ist er jedoch nicht. 1555 kehrte er nach Kassel zurück und wurde von dem befreiten Landgraf Philipp I. für die Ausführung diplomatischer Aufträge aufgrund seiner Sprachgewandtheit und seiner reichhaltigen Erfahrung für ihn eingesetzt. Während eines Botenritts nach Frankreich wurde er in Luxemburg gefangen genommen und erst nach einem Monat freigelassen. 1558 und Anfang 1559 unternahm mehrere Reisen im Auftrag von Landgraf Philipp I. nach Paris.

Ab 1560 wählte er als ständigen Wohnsitz Kassel. Er nahm an keinerlei weiteren Kriegszügen und Botenritten teil. Nach dem Tod seiner Eltern 1561 konnte er sich nicht über die Erbreglung des Nachlasses seiner Eltern mit seiner Schwester Katharina einigen und es kam 1564 beim Hofgericht in Marburg zu einem Prozess, der erst 1571 beigelegt und geschlichtet werden konnte. 1563 erschien der erste Band seiner Wendunmuht. Seit 1569 tritt Hans Wilhelm Kirchhof als Mühlenmeister und Bürger in Kassel in Erscheinung.

1584 ernannte Landgraf Wilhelm IV. Hans Wilhelm Kirchhof zum Burggrafen auf dem Schloss Spangenberg in Hessen. Er heiratete in zweiter Ehe Margarethe Stuckenrad und hatte mit ihr neun Kinder. Neben seiner Tätigkeit als Burggraf betätigte er sich auf Schloss Spangenberg schriftstellerisch. Von 1584 bis 1605 verfasste er auf Schloss Spangenberg seine Wendunmuhth, eine Schwank-, Anekdoten- und Geschichtensammlung. Er starb im Alter von ungefähr 80 Jahren.

Werke

Hans Wilhelm Kirchhof hinterließ eine reichhaltige und vielseitige Sammlung von Werken. Der Ausläufer der Schwanksammlungen des 16. Jahrhunderts gibt selbst die Anzahl seiner gedruckten und handschriftlichen Werke mit mehr als 60 an.

Eigentlich wollte Hans Wilhelm Kirchhof nur eine Übersetzung der lateinisch verfassten Faetien von dem Humanisten Heinrich Bebel anfertigen. Dieses Buch erhielt er von seinem Freund Georg Otterler 1555. Die Übersetzung charakterisiert er wie folgt:

"Nicht eben von wort/ sondern nach dem sich’s in unserem Teutschen am besten meinem verstand nach schicken wollte/sie vertieret (übertragen)".

Kurz darauf verlor die Sammlung den Charakter einer Übersetzung und wurde zur eigenständigen Anekdoten-, Geschichten- und Schwanksammlung Wendunmuth. Bemerkenswert ist zudem der hohe Anteil von Tierfabeln und Sprichwörtern. Er verwendet literarisch mündliche Überlieferungen und Geschichten aus der Antike, Deutschland und Italien und erstmals aus dem Französischen. Schon 1569 wurden während der Frankfurter Fastenmesse von Wendunmuth 118 Exemplare von dem Frankfurter Buchhändler Michael Harder verkauft.

1602 erschien seine Militaris Disciplina in denen er an seine langjährigen militärischen Erfahrungen als Landsknecht erinnerte. Die Schrift wurde ebenfalls auf dem Jagdschloss Spangenberg verfasst. In einer moralischen Altersweisheit aussert er sich negativ über den Wesenszug des Kriegs.

"…das gräulich wütendt Ubel" und beschreibt darüber hinaus den Festungsbau, Festungskrieg und berichtet über sein elfjähriges, abenteuerliches und aufregendes Landknechtsleben im Reformationszeitalter.

Wendunmuth war eine Quelle für Jacob Grimms Grimmsche Märchen- und Sagensammlung. Das Buch sah er erstmals 1855 bei Karl Goedeke in Celle.

Literatur

  • Wendunmut, auch Wendunmuth von 1563
  • 5 Gelegenheitsschriften über traurige und freudige Ereignisse aus dem Leben der hessischen Landgrafenfamilie 1564
  • Militaris Disciplina von 1602
  • Schatztruhen (verloren)
  • Kommentarien des Geschichtsschreibers Philipp von Commines (Übersetzung, verloren)
  • Hessisches Bühnenspiel vom Bauernkriege von 1570 (mutmaßlicher Verfasser)

Literaturnachweise

  • Bibliothek des Literarischen Vereins in Stuttgart Band 302 Hans Wilhelm Kirchhof Kleine Schriften Anton Hiersmann Verlag Stuttgart 1981, S. 5-19.
  • Bibliothek des Literarischen Vereins in Stuttgart, Publikationen 298 Hans Wilhelm Kirchhof Militaris Disciplina Anton Hiersemann Verlag Stuttgart 1976 S. 1-15