Handwerker

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Die Handwerkerkultur im Uslarer Land

Im 19. Jahrhundert prägten Handwerker und Kaufleute das wirtschaftliche, soziale und politische Leben in Uslar. Die meisten Handwerksmeister besaßen eigene Häuser in der Innenstadt. Sie beschäftigten mehrere Lehrjungen und oft auch Gesellen, die als „Kostgänger“ mit im Hause wohnten.

Für ihren bescheidenen Wohlstand mussten die Meister hart arbeiten. Wie seine Lehrjungen und Gesellen stand August Schefft Tag für Tag neun bis zehn Stunden an den Kesseln und Küpen. Nur der Sonntag war arbeitsfrei. Für den obligatorischen Besuch des Gottesdienstes besaßen Bürgerfamilien wie die Scheffts besondere Plätze in der Johannis-Kirche, die mit ihrem Namen gekennzeichnet waren und für die sie eine jährliche „Stuhlmiete“ entrichten mussten.

Sozialer Zusammenhalt

Die Meister verfügten über einen guten sozialen Zusammenhalt und unterstützten sich manchmal gegenseitig bei finanziellen Engpässen. Sie trafen sich abends zum gemeinsamen Singen und Turnen oder am Stammtisch in der Kneipe. Während seines vierjährigen Aufenthalts in Eschwege war August Schefft Mitglied des Turnvereins. Von der Idee des Turnens begeistert, gründete er 1863 nach seiner Rückkehr den Uslarer Männer-Turnverein.

Bis ins 20. Jahrhundert hinein betrieben fast alle Uslarer Handwerkerfamilien eine Landwirtschaft und stellten ihre Grundnahrungsmittel selbst her. Dieser Nebenberuf gab ihnen eine gewisse soziale Sicherheit und war insofern notwendig, als sich viele Kunden Monate Zeit ließen, um ihre Rechnungen zu bezahlen. Familie Schefft bewirtschafteten immerhin bis zu 16 Morgen und hielt Kühe und Schweine.

Die meisten Handwerker gingen früher nach der Lehre für einige Jahre auf die Wanderschaft. So lernten sie Deutschland und manchmal auch Nachbarländer kennen und brachten neben beruflichen Kenntnissen auch neue Ideen mit in die abgelegene Randregion Uslar-Solling.

Fabrikanten und Bürgermeister

Die Tischlermeister Carl Hugo und August Eicke sowie Drechslermeister Georg Ilse bauten um 1900 ihre Werkstätten zu kleinen Fabriken aus. Schneidermeister Rüggeberg und Pfeifenmacher Meseke bewährten sich als verantwortungsbewusste Bürgermeister.

Aus der Färberei Schefft entwickelte sich im 20. Jahrhundert ein Textilhaus mit überregionaler Bedeutung, das vom 1. bis 11. November 2006 sein 175-jähriges Bestehen feierte.

Dr. Wolfgang Schäfer