Hammenstedt

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Hammenstedt ist eine Ortschaft der Stadt Northeim in Südniedersachsen mit etwa 1000 Einwohnern.

Geschichte des Dorfes Hammenstedt

Das genaue Gründungsdatum des Ortes ist nicht überliefert. Bekannt ist nur, dass der ehemalige "Hof Hammenstedt" ehemals im Eigentum eines Grafen Godiza stand. Dieser hat das Gut dem Kaiser Heinrich II. übereignet, der es ihm zum Lehen zurück gab. Ein damals übliches Verfahren, um sich den Schutz des Landesherren zu sichern.

Nach dem Tode der überlebenden Ehefrau des Grafen übergab Heinrich II. durch Vermittlung des Papstes Bendickt VIII. anlässlich der Weihe des Bamberger Domes das "Gut Hammenstedt" dem Bischof Meinwerk zu Paderborn zum Eigentum. Die überlieferte Schenkungsurkunde ist die älteste schriftliche Unterlage zur Geschichte des Ortes. Über das Jahr der Übergabe des Besitzes, 1019 oder 1020, besteht allerdings Uneinigkeit. Heute neigt man eher zu 1020.

Das Bistum Paderborn hat das inzwischen zu einem Dorf angewachsene Gut Hammenstedt nie selbst bewirtschaftet, sondern es als Lehen weitergegeben. Unter den verschiedenen Lehnsherren spielen die Herren von der Plesse eine besondere Rolle. Diese gaben allerdings die Liegenschaft ebenfalls im Wege der Afterlehnschaft weiter.

Dieses führte zu zum Teil verwirrenden Eigentums- und Besitzverhältnissen, was zur Folge hatte, dass das ursprüngliche Eigentumsrecht des Bistums Paderborn im Laufe der Jahrhunderte in Vergesseinheit geriet, so dass der Bischof von Paderborn sein Eigentumsrecht sich im Klagewege neu erstreiten mußte. Mit der Angelegenheit wurde am 19. Juni 1292 der Probst zu Einbeck beauftragt. Letztlich wurde das Eingentumsrecht des Bistums im Wege eines Vergleichs bestätigt.

Im Jahre 1493 wurde das Dorf, als dessen Afterlehnsherren damals die Herren von Bodenhausen fungiert, mit Zustimmung der Herren von der Plesse und des Bischofs von Paderborn, der Stadt Northeim zum Afterlehen übereignet. Diese Afterlehnsschaft bestand bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts.

Durch die Ablösungsverordnung von 1833 und dem Gesetz zur Allofikation wurden die gutsherrlichen Rechte und und Lasten der Stadt Northeim nach und nach abgelöst. Der Stadt verbliebt nur die Patronatsschaft über die St. Petri Kirche zu Hammenstedt. Aus dieser wurde sie auf eigenem Antrag durch Beschluss des Kirchenvorstandes vom 10. Aug. 1966 entlassen.

Inzwischen ist das Dorf, das heute ca. 1.000 Einwohner zählt, durch die Eingemeindung zum 1. März 1974 in den Schoß der Stadt Northeim zurückgekehrt.

Karl Nolte, Hammenstedt

siehe auch:

siehe auch

Sport

Wussten Sie schon ...

  • ... dass in der Handballhochburg Hammenstedt auch schon mal Fußball gespielt wurde? Als sich der TSV aus politischen Gründen 1922 spaltete, gab es vorübergehend zwei Sportvereine im Dorf. Der zweite trug den Namen Eintracht und in ihm wurde Fußball gespielt. (Tanja Fahrtmann, TSV Hammenstedt)

... dass die Mitglieder des TSV Hammenstedt am 17. Januar 1948 als Eintritt zu einer Vereinsversammlung drei Stück Holz mitbringen mussten? Was mit dem Holz im Anschluss geschah, ist unbekannt.

Tanja Fahrtmann, Pressewartin TSV Hammenstedt (Erschienen in HNA / Northeimer Neueste Nachrichten am 19.10.2006)

  • ... dass am 5. Sonntag nach Trinitatis, dem 1. Juli 1923 (Inflationszeit), im Klingelbeutel der Kirche in Hammenstedt ein 100 000-Mark-Schein gefunden wurde? Im Protokollbuch des Kirchenvorstands heißt es hierzu: „Er wurde sofort an vier Bedürftige im Ort verteilt“.

Karl Nolte, Hammenstedt (Erschienen in HNA/ Northeimer Neueste Nachrichten am 10.04.2007)

  • ... dass nach dem Dreißigjährigen Krieg in Hammenstedt eine Verordnung erlassen wurde, die sich gegen die Üppigkeit bei Familienfesten wandte ?

Kampf gegen Üppigkeit
Nach Beendigung des 30-jährigen Krieges brach, wie oft nach einer Reihe schlechter Zeiten, unter den Bürgern, und das galt auch für Hammenstedt, eine gewisse „Üppigkeit“ aus, die die Obrigkeit zum Eingreifen veranlasste.

Im Jahre 1651 trat auch der Northeim Bürgermeister und Rat durch eine Verordnung der Üppigkeit bei Familienfesten entschieden entgegen.

Diese Verfügung schien aber nicht gewirkt zu haben, deshalb wurde unter dem 1. Nov. 1668 eine neue, ausführlichere und schärferer Verfügung, die auch mit kleinen Modifikationen im Stadtdorf Hammenstedt, das sich s. Zt. im Lehnsbesitz der Stadt and, von der Kanzel herab verlesen werden musste, erlassen.

Hier auszugsweise der Wortlaut der Verfügung. :

Zum 1. soll verboten sein, Verlöbnisse, Hochzeiten, Kindtaufen oder Kirchengangsgasterei auf einen heiligen Feier- oder Sonntag anzustellen oder zu halten.

Zum 2. soll zu Verlöbnissen von Freunden oder anderer Bürger niemand mehr als bei gemeinen Leuten ein Tisch (etwa 12 Personen, auf dem Land 8) bei dem vornehmsten Bürgern aber eine Tafel voll (etwa 20 Personen) eingeladen werden, darauf von gemeinen Bürgern nicht über sechs von den anderen 8 Essen ohne Aufsetzung von Kuchen und Klöbe gespeiset und kein Spielwerk dabei gestatte ( Bei der für Hammenstedt bestimmten Verordnung heißt es: nicht mehr als 4 Essen außer Butter und Käse) und mit solcher einigen Mahlzeit, sonderlich da keine Auswärtige vorhanden, gänzlich geschlossen werden. Wer dawider handelt, soll mit 3 Mark North. Währung gestraft werden.

Zum 3. soll eine jede Hochzeit, wenn Braut und Bräutigam (vermöge fürstl. Kirchenordnung) dreimal öffentlich proklamiert, auf den Dienst- oder Donnerstag um 10 Uhr ihren Anfang nehmen, auch um selbige Zeit die eingeladenen Gäste alsobald erscheinen, darauf die Kopulation zwischen 10 und 11 Uhr in hiesiger Stadtkirche (In Hammenstedt natürlich in der dortigen Kirche) unfehlbar geschehen soll. Würden aber Braut und Bräutigam erst nach 11 Uhr zur Kirche kommen, sollen dieselben oder der Teil, so schuldig ist, ehe sie wieder hinausgehen, 1 Mark Northeimisch in den Armenkasten erlegen

Zum 4. soll eine jede Hochzeit nur 2 Tage währen, zum dritten aber niemand von den Einheimischen außer den Blutsfreunden und nächste Anverwandten, da sie geladen würden, erscheinen, und soll auch, allerhand Überfluß und Missbrauch zu vermeiden, den Hochzeitern derbehuf die obere Stube in dem Kaufgildehause vergönnt hingegen aber gänzlich verboten sein, in ihren Privathäusern den dritten Tag noch Nebengelage anzustellen. Dafern auch fremde Hochzeitsgäste vorhanden, so ist dem Bräutigam erlaubt, dieselben neben den Blutsfreunden in obbesagter Stube zu bewirten, indes dass die vornehmsten Bürger nicht über 4, die geringsten nicht über 2 Tische außer den Fremden bitten sollen. Würde er aber den dritten Tag hinübherschreiten, so soll der Bräutigam 2, der Erscheinende 1 Mark Strafe entrichten. Der Walterabend (so ist hier wieder gesagt statt Polterabend) bleibt wie vorhin also auch hiermit nochmals gänzlich verboten.

Zum 4. soll eine jede Hochzeit nur 2 Tage währen, zum dritten aber niemand von den Einheimischen außer den Blutsfreunden und nächste Anverwandten, da sie geladen würden, erscheinen, und soll auch, allerhand Überfluß und Missbrauch zu vermeiden, den Hochzeitern derbehuf die obere Stube in dem Kaufgildehause vergönnt hingegen aber gänzlich verboten sein, in ihren Privathäusern den dritten Tag noch Nebengelage anzustellen. Dafern auch fremde Hochzeitsgäste vorhanden, so ist dem Bräutigam erlaubt, dieselben neben den Blutsfreunden in obbesagter Stube zu bewirten, indes dass die vornehmsten Bürger nicht über 4, die geringsten nicht über 2 Tische außer den Fremden bitten sollen. Würde er aber den dritten Tag hinübherschreiten, so soll der Bräutigam 2, der Erscheinende 1 Mark Strafe entrichten. Der Walterabend (so ist hier wieder gesagt statt Polterabend) bleibt wie vorhin also auch hiermit nochmals gänzlich verboten.

Zum 5. sollen die gemeinen Bürger 4 oder aufs höchste 6, die vornehmsten 6 oder zum höchsten 8 Essen neben Butter und Käse, und zwar ersten Tages alsobald nach verrichteter Kopulation, des anderen Tages in puncto 11 Uhr bei Strafe einer Mark, welche der Koch ohne Zuthun des Bräutigams alsobald erlegen soll, aufsetzen; die Frühesuppe, Kuchen und Klöbe sind hierbei gänzlich abgeshafft und bleiben bei 3 Mark Strafe verboten. (Die Hammenstedter sollen nicht mehr Gäste bitten dürfen, als aufs höchste bei 6 Tischen füglich sitzen können.)

Zum 6. solllen den gemeinen Bürgern zu ihrer Hochzeit 6, den anderen aber 10 Tische, und nicht darüber verstattett, auch jeden Abend 10 Uhr beschlossen, auch darauf von dem Hausmannkein musikalisch Instrument mehr gerührt werden; gestalt denn auch mehr Getränk zu reichen oder zu fordern hiermit gänzlich verboten ist. Sollte jemand aber sich gelüsten lassen dawider zu handeln, er sei Bräutigam oder Gast, Hausmann oder Zäpfer, so soll er fothannen Übertretens halber in merkliche Strafe verfallen sein.

Zum 7. soll insgemein nicht mehr als ein Rthl. zum Hochzeitsgeschenk und zwar des ersten Tages offeriert werden, gleichwohl aber den Anverwandten der Braut oder des Bräutigams ein Mehreres zu verehren freigelassen sein.

Zum 8. sollen die gemeinen Bürger kein ander Spielwerk als Geigen bei der Konvokation (!), Kirchgange, Tanze und auf der ganzen Hochzeit gebrauchen. Den Fürnehmeren werden zwar auch andere musikalische Instrumente erlaubt, jedoch soll die Trompete beim Tanze zu gebrauchen gänzlich verboten sein, und würde der Hausmann hinüber schreiten, hat er unausbleibliche Bestrafung zu gewarten. Sonst soll von dem Hausmann für jede Geige 24 Mgr., für jede Trompete in zulässigen Fällen 1 Rthlr., dem Koch für die Anrichtung auf jeden Tisch 9 Mgr. gegeben werden.

Zum 9. sollen keine andere als saugende Kinder durch die Mägde auf das Hochzeitshaus gebracht werden; die übrigen, es wäre denn dass absonderlich dafür geschenkt würde, soll ein jeder zu Hause lassen und damit weder den Hochzeitern noch geladenen Gästen beschwerlich sein. Imgleichen sollen die Leuchtenträger außen im Vorgemach aufwarten. Würden aber dieselben, wie bisher geschehen, sich mit Gewalt ins Gemach drängen und dadurch den geladenen Gästen den Raum zur Ergötzung benehmen, haben sie sich nicht allein vor öffentlicher Beschimpfung, sondern auch nachher, da sie angemeldet werden, vor ernstlicher Bestrafung zu hüten. Sollte sich auch fremd Gesindlein weiteres gelüsten lassen, daselbst einzufallen, sollen dieselben auf geschehene Anzeige allemal mit der Küche (=das gewöhnliche Gefängnis im Rathause) bestraft werden. Demnach denn dies zu guter Observanz zu bringen dem Bräutigam ernstlich befohlen wird, einen gewissen Mann für das Hochzeitsgemach zu verwenden, der auf Vorangehendes gebührend Achtung gebe.

(Nr. 8 und 9 fehlen in dem Hammenstedter Erlass, vielleicht weil davon auf dem Lande keine Rede war.)

Zum 10 soll hinfüro dem Braumeister, Bäcker, Müller, Koch, Hausmanne, und der Schlüsselmagd ohn ihren gebührenden Lohn an Nasetücher, Brauschillingen, auch in Specie dem Hausmann, mehr nicht als eine Suppe und ein Gericht Fleisch nebst einem Stübchen Brühahn auf den dritten Tag ins Haus zu fordern, imgleichen dem Koch bei den Tischen zu sammeln hiermit durchaus verboten sein, und hat widrigen Falls sowohl der Geber als Nehmer gebührliche Strafe zu entrichten.

Letztlich, weil ein jeder Hochzeitsgast in seinem Hause solche Anstalt wird gemacht haben, dass er die Seinigen unterhalten kann, es auch ein unverantwortlich Werk ist, dass man die jungen angehenden Hochzeiter gegen Präsentierung eines geringen Geschenkes übernehmen und die vorgesetzte Brot und Speise von den Tischen allesamt nach Hause zu schicke, gleich als wolle man die jungen Hochzeiter gar aufzehren, gestalt wie dessen und dass es noch vor wenig Tagen, auch wohl von denen, zu welchen Wir Uns mehrerer Bescheidenheit versehen, geschehen sei, glaubwürdig berichtet ist, so haben Wir, zumal Wir über solche unleidliche Unordnung ein großes Missfallen tragen, hiermit nochmals verbieten wollen, dass hinkkünftig niemand bei Vermeidung 3 Mark unausbleiblicher Strafe sich soll gelüsten lassen, dergleichen Abschleppen von Speisen zu unternehmen (Bei dem Hammenstedter Erlass wurde an dieser Stelle noch hinzugesetzt: „wie auch das mutwillige Gläser Entzweiwerfen.“ und soll auch überdem dem Thürhüter hiermit die Macht gegeben sein, nebst Anzeigung der Person solche abschleppende Speise wegzunehmen und für sich zu behalten). Wollte aber jemand einen Patienten auf einem Teller ein wenig schicken, soll solches mit Vorwissen und Bewilligung des Hochzeiters geschehen.

Zum 11. die Kindtaufen betreffend, soll der vor 2 Jahren publizierten Ordnung zufolge das Kind des dritten Tages nach der Geburt, wenn derselbe kein Sonn- oder Feiertag ist, in der Kirche und nicht im Hause, außer den Notfall, des Morgens zwischen 10 und 11 Uhr zur Taufe gebracht und keine Gevattern über 3 gebeten, die übrigen aber von der Taufe abgewiesen werden. Würde aber nach 11 Uhr das Kind zur Taufe gebracht, soll ½ Mark North. Von denen, so es durch Säumen verursacht, alsbald in der Kirche in den Armenkasten gegeben werden.

Zum 12. sollen nur 6 Frauen (in Hammenstedt 4, höchstens 6 Frauen), die Gevatterinnen mit eingeschlosssen, das Kind zu Taufe begleiten, denen darauf nebst ihren Männern eine Mahlzeit von 6 Essen zum höchsten gegeben, des folgenden Tages aber die Gevattern.....allein, nebst Vater und Mutter, Schwerstern und Brüdern und weiter sonnst niemand wieder gebeten werden.( In Hammenstedt soll die Kindtaufe nur 1 Tag währen; es sollen nicht mehr als 4 Essen gegeben werden und höchsten 2 Tische.)

Zum 13. sollen die Gevatter kein übermäßig Geschenk, auch nicht einigen Käse oder etwas anderes einbinden.

Zum 14. soll niemand zum Kirchgange invitiert werden oder dabei einige Gasterei angestellt, sondern derselbe nur allein von der Sechswöchnerin mit der Bademutter nach gehaltener Betstunde oder Wochenpredigt verrichtet werden.

Damit auch endlich zum 15. dieser wiederholten Ordnung besser, als bisher geschehen, in allen Stücken nachgelebt werde, so sollen auf solche Ehrentage gebührlliche Visitater angeordnet und die Contravenienten nach Befindung ernstlich bestraft werden. Es hat sich ein jeder Bürger hiernach zu achten und vor wirklicher unausbleiblicher Strafe zu hüten. Dessen zur Urkund haben Wir diese wiederholte Ordnung anfangs öffentlich wolllen von der Kanzel publizieren lassen. Und soll nachgehends, damit sie zu jedermanns Wissenschaft desto mehr gelange, an unser Stadt-Rathhaus affigiert werden.

So geschehen den 6. November anno 1668, Bürgermeister und Rat der Stadt Northeim

In Hammenstedt wurde diese Verordnung mit den unter dem Texte angebenen Änderungen am 24. November 1676 durch den Pastor Johann Leonhart von der Kanzel verlesen.

In der Stadt Northeim ist sie 1680, 1684, 1690 und zuletzt noch am 15. Januar 1712 wieder veröffentlicht und angeschlagen, ein Zeichen, dass der gerügte Unfug immer wieder vorkam. In der Veröffentlichung von 1680 wird noch „heimlich fortgesetztes Karten- und Würfelspiel“ als strafbar bezeichnet. Im Jahre 1712 ist die Kindtaufeverordnung fortgelassen, auch weniger Bestimmungen im einzelnen eingegangen. Als Strafen werden meisten Geldbußen angedrohet.

Karl Nolte, Hammenstedt

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