Haltepunkt Stammen

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Ehemaliger Bahn-Haltepunkt in Stammen

Der Eisenbahn-Haltepunkt Stammen lag an der ehemaligen Eisenbahn-Strecke von Hümme nach Karlshafen (Carlsbahn) im Altkreis Hofgeismar.

Die im Jahre 1848 eröffnete Friedrich-Wilhelms-Nordbahn führte von Kassel bis zum Hofgeismarer Stadtteil Hümme. Von dort verlief eine weitere Teilstrecke, die Carlsbahn bis nach Karlshafen, wobei der Streckenverlauf der Carlsbahn fast genau dem Verlauf des ehemals von Landgraf Karl geplanten Landgraf-Carl-Kanals folgte.

Auf der Strecke von Hümme nach Karlshafen führte nach dem Abzweig von der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn in Hümme die ehemalige Eisenbahnstrecke der Carlsbahn in nordöstlicher Richtung nach Stammen und von dort weiter zum Bahnhof in Karlshafen (linkes Ufer).

Geschichte

Aus der Eisenbahngeschichte

Für die damalige Dorfbevölkerung von Stammen stand bei der Eröffnung der neuen Bahnstrecke im Jahre 1848 noch kein eigener Haltepunkt zur Verfügung. Es dauerte noch lange Jahre, bis auch in Stammen Reisende ein- und aussteigen konnten. Erst im Oktober 1894 wurde die Genehmigung erteilt und im Dezember des gleichen Jahres begannen die Arbeiten für den Stammener Eisenbahn-Haltepunkt.

Die Eisenbahnstrecke der Carlsbahn wurde im Jahre 1966 für den Personenverkehr stillgelegt. An sie erinnern aber bis heute einige Bauwerke im Streckenverlauf.

Petition mit Erfolg

Aus der HNA-Serie: Die Bahnhöfe im Kreisteil Hofgeismar - Artikel in HNA-online vom 8.2.13

Stammen: Ein Waggon hält noch - Heimatverein bewahrt Erinnerung

Stammen. Die 1848 eröffnete Carlsbahn-Strecke von Hümme nach Karlshafen bedeutete für die Bewohner der Dörfer mehr, als nur ein schnelleres Fortkommen von A nach B.

Das neue Verkehrsmittel eröffnete auch berufliche Perspektiven außerhalb der Landwirtschaft und der Betriebe vor Ort. Zwischen den Bahnhöfen in Hümme, Trendelburg, Helmarshausen und Karlshafen gab es lange Zeit keine Nebenhaltestellen. Heißt, an dem 370 Einwohner zählenden Dorf Stammen rauschte der Fortschritt vorbei. In der Publikation „Mit der Eisenbahn von Hümme nach Carlshafen“ von Dr. Lutz Münzer (Marburg) sind die Bemühungen der Stammer um eine eigene Haltestelle nachzulesen.

Bitte um Bahnhalt
Am 29. April 1894 formulierte die Gemeindebehörde des Dorfes Stammen eine Petition an die „hohe königliche Eisenbahn-Direktion zu Elberfeld“. Sie enthielt die „ergebenste Bitte, in geneigte Erwägung zu ziehen, ob es sich nicht ermöglichen ließe für den Ort eine Haltestelle für den Personenverkehr einzurichten“.

Die Gemeindebehörde wies darauf hin, dass die Züge aus Sicherheitsgründen ohnehin an dem Bahnübergang am Ortsausgang hielten. Auch wolle man die Kosten für die Einrichtung des Bahnsteigs (400 Mark) und zweier Pfahllaternen (je 80 Mark) übernehmen. Weitere Ausgaben seien nicht zu erwarten. Im Oktober 1894 wurde die Genehmigung erteilt und im Dezember begannen die Arbeiten für den Haltepunkt.

2067 Fahrkarten pro Jahr
Entscheidungshilfe für die Genehmigung war sicher auch ein Bericht des Betriebsamtes Kassel (Juni 1894) an die Bahndirektion. Er sagte aus, dass jährlich 770 Fahrkarten in Hümme sowie 550 in Trendelburg für Fahrgäste ausgegeben wurden und bei der Einrichtung eines Haltepunktes in Stammen eine wesentlich regere Bahnbenutzung zu erwarten sei. Knapp 30 Jahre später wurden alleine in Stammen 2067 Fahrkarten verkauft.

Täglich mit dem Zug zur Arbeit
Walter Fülling, Eisenbahner im Ruhestand aus Stammen, erinnert sich an die werktägliche Bahnsteigsituation Anfang der 1960er Jahre. „Ganz früh am Morgen warteten hier rund fünfzehn Eisenbahner und Henschelaner auf den ersten Zug, um über Hümme nach Harleshausen und Kassel zu fahren“, berichtet der 76-Jährige. Später seien sie dazu übergegangen, mit dem Auto nach Hümme und von dort aus mit der Bahn weiter zu fahren.

Nahe der Bahntrasse, oberhalb der alten Schule und des örtlichen Löschteichs, befand sich eine gefasste Quelle mit einer Pumpe, um die Lokomotiven mit Wasser zu befüllen. Diese Einrichtung wurde nach dem Bau des Wasserturmes in Hümme (1920er Jahre) wieder aufgegeben. Die Beton-Abdeckung des Bassins ist heute noch sichtbar.

Im September 1966 wurde die Bahnlinie für den Personenverkehr eingestellt. 1986 endete auch der Güterzugverkehr. Der Schienenstrang zwischen Hümme und Trendelburg wurde im Oktober 1986 abgebaut.

An den ehemaligen Haltepunkt Stammen erinnern heute die erhaltene Bahnsteigkante, ein Wartehäuschen und das Schild Stammen sowie ein Bahnwaggon, der vom Heimatverein erworben und auf einem Gleisstück aufgestellt wurde. Der Verlauf der Bahntrasse ist nach wie vor gut zu sehen. (ziv)

Literatur

Streckenverlauf der Carlsbahn
  • Münzer, Lutz (Hrsg.): Mit der Eisenbahn von Hümme nach Carlshafen, Geschichte und Relikte von Kurhessens erster Eisenbahn, Werl 2001 (Aus dem Inhalt: Vorwort: Aus der Geschichte der Carlsbahn von Hümme nach Karlshafen - zum 150-jährigen Jubiläum der Eisenbahn in Nordhessen (Lutz Münzer) - unveränderter Nachdruck eines Aufsatzes aus dem Jahrbuch für Eisenbahngeschichte, Band 30, 1998, Relikte der Carlsbahn - Verbindungen zwischen Gegenwart und Vergangenheit (Ulrike Taenzer), Zeittafel (Ulrike Taenzer).)

siehe auch

Weblink