Hafraba

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Die Planungen der Hafraba in Hessen

Die Hafraba wurde im Rathaus der Stadt Frankfurt am 6. November 1926 als ein Verein gegründet und ist daher auch für die hessische Regionalgeschichte von besonderem Interesse. Die Abkürzung Hafraba bedeutet: Hamburg–Frankfurt–Basel (später: Hansestädte–Frankfurt–Basel) und bezeichnet das Ziel der Vereinigung: Ein Autobahnprojekt von den Häfen der Nordsee, d.h. von Hamburg, über Frankfurt, als ein bedeutender Standort des Handels in Westdeutschland, nach Süddeutschland an der Grenze der Schweiz, d.h. Basel.

32 Mitglieder des Aufsichtsrates

Eine Untersuchung der Zusammensetzung der 32 Mitglieder des Aufsichtsrates und der 6 Mitglieder des Vorstandes der Hafraba des Jahres 1927 führt zu dem folgenden Ergebnis: Eine Gruppe der Mitglieder bestand aus:

· Führenden Beamten, sogar Bürgermeister der Stadtverwaltungen derjenigen Städte, die entlang der Route von Hamburg nach Basel liegen: Bremen, Hamburg, Hannover, Göttingen, Kassel, Gießen, Marburg, Mainz, Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt, Mannheim, Karlsruhe und Freiburg. Der Oberbürgermeister von Frankfurt, Dr. Landmann, spielte als Aufsichtsratssprecher eine wichtige Rolle in der Hafraba. Er stellte auch vielfach die Tagungsräume im Rathaus zur Verfügung.

· Führenden Beamte der Verkehrsministerien der Bundesstaaten entlang der Route Hamburg-Basel, wie z.B. Arthur Zierau, der den Bundesstaat Baden repräsentierte, Landesoberbaurat Kurt Becker vom Bezirksverband des Regierungsbezirks Kassel der preußischen Provinz Hessen-Nassau in Kassel und Dr. Krebs von der Verwaltung des Bundesstaats Hessen-Volksstaat in Darmstadt. Krebs war Vorsitzender der Hafraba ab 1931.

· Robert Otzen als Professor für Eisenbahntechnik von der Technischen Universität Hannover. Otzen war Vorstandsmitglied der Studiengesellschaft für Automobilstrassenbau und Vorsitzender der Hafraba bis 1931.

Direktoren der Bauwirtschaft

Die zweite Gruppe bestand aus 10 Direktoren der Bauwirtschaft und den Transportunternehmen aus der Privatwirtschaft, wie z.B. Vogel und Dykerhoff von den Portland Zementwerken in Amöneburg und Heidelberg, Milke von der Straßenbau AG in Köln und Meisenheimer von Wyass&Freytag in Frankfurt. Fünf weitere Vertreter kamen von den Industrie- und Handelskammern. Der Sprecher des Aufsichtsrats war Landmann, der Bürgermeister der Stadt Frankfurt/Main. Willy Hof arbeitete als Geschäftsführer für die Hafraba-Vereinigung. Zu Ende 1929 besaß die Hafraba 125 Mitglieder, davon 12 Länder des Reiches, 13 Provinzen, 33 Städte, 50 Unternehmen und 6 Industrie- und Handelskammern. Sowohl der Bezirksverband des Regierungsbezirks Kassel wie auch die Stadt Kassel waren Mitglied im Hafraba-Verein. Kurt Becker war überdies im Vorstand der Hafraba. Dr. Rehorn war als Verkehrsdirektor der Stadt Kassel ab 1929 Mitglied im Verkehrswirtschaftlichen Ausschuss der Hafraba. Obwohl aufgrund der schlechten Kassenlage der Kommunen in der Weltwirtschaftskrise 1929 – 1933 die Hafraba ihre Mitgliedsbeiträge bereits drastisch gesenkt hatte, mußten dennoch aus Kostengründen die Stadt Kassel und der Bezirksverband ihre Mitgliedschaften im Jahre 1931 kündigen.

Mit Wander-Ausstellungen in verschiedenen Städten wurde für das Hafraba-Projekt geworben. Im Jahre 1927 fanden Ausstellungen in Köln, Frankfurt, Hamburg und Hannover statt. Ferner sind Ausstellungen im Gewerbemuseum von Basel 1927, im Landesmuseum Kassel 1928 und im Gewerbemuseum von Darmstadt 1928 nachweisbar. Überraschenderweise wurde über diese Ausstellungen im Hafraba-Mitteilungsblatt nur lückenhaft berichtet. Die Hafraba-Ausstellung in Darmstadt wurde am 15. November im Lichthof des Gewerbemuseums eröffnet. Die folgende Abbildung zeigt ein Foto von der Wander-Ausstellung in Frankfurt a.M. im Juli 1927.

Hafraba Ausstellung2.jpg


Ersten Sitzung des technischen Ausschusses der Hafraba

Auf der ersten Sitzung des technischen Ausschusses der Hafraba am 5. April 1927 rief ihr Sprecher Robert Otzen die Hafraba auf, kurzfristig den in Arbeit befindlichen Vorentwurf für die ca. 800km umfassende Nord-Südstrecke Hansestädte-Basel für die erste „Internationale Automobilausstellung“ in Köln vom 20. bis 31. Mai 1927 fertig zu stellen. Dieser wurde in zunächst 45, später 53, Bänden, die jeweils 20 km Strecke im Maßstab 1:100.000 dokumentierten, vorgestellt und enthielt die Abschnitte:

Bauabschnitte

1) Bauabschnitt I. Hansestädte-Hannover: Lübeck, Travemünde, Warnemünde, Lesum, Eichede, Ahresburg, Hamburg, Stade, Carlsdorf, Soltau, Bergen, Winsen, Hannover, Sarstadt, Gronau, Alfeld, Einbeck, Nörten, Bremen, Verden, Walsrode, Hagen 2) Bauabschnitt II, Kassel: Göttingen, Reinhardswald, Kassel-Nord, Kassel-Süd, Fritzlar, Jesberg, Kirchhein, Marburg, Gegenentwurf Marburg

3) Bauabschnitt III, Frankfurt a.M. - Darmstadt: Gießen, Bad Nauheim, Friedberg, Frankfurt a.M., Mörfelden, Darmstadt, Bensheim

4) Bauabschnitt IV, Karlsruhe: Mannheim, Heidelberg, Wiesloch-Speyer, Bruchtal, Karlsruhe, Raststatt, Baden-Baden, Bühl, Offenburg, Lehr, Emmerdingen, Freiburg, Mühlheim, Lörrach-Basel

5) Bauabschnitt West-Ost-Linie: Frankfurt a.M., Mainz

Für die Ausarbeitung des Bauabschnitts II war Landesoberbaurat Kurt Becker aus Kassel verantwortlich. In diesem Linienkonzept des Erläuterungsberichts traten vierspurige Abschnitte auf, und für Abschnitte mit weniger Verkehr dreispurige, wobei die dreispurigen sich offenbar an dem italienischen Vorbild orientierten. Dazu kamen für jede Richtung ein Bankett von 1m Breite. Jede Spur sollte eine Breite von 3m aufweisen. Zur Frage der Trennung der Richtungsfahrbahnen nimmt der Erläuterungsbericht nicht Stellung. Offenbar waren keine Mittelleitplanken oder Mittelstreifen vorgesehen. Für die als voraussichtlich „verkehrsarm“ eingeschätzte Strecke Hannover-Kassel-Giessen wurde zwar eine Endausbaubreite von drei Spuren vorgesehen, von denen aber bloß vorerst zwei gebaut werden sollten.

Literatur

  • Richard Vahrenkamp: Die Hafraba und Vorläufer des deutschen Autobahnprojektes,

[Working Papers in the History of Mobility No. 7/2006]

siehe auch