Hafenstraße

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Weg zur Pulvermühle

in der Nähe des Hafens.

Fullewasser und Gerstensaft

Die Hafenstraße steht mehr für Braukunst als für Schifffahrt

Brauhandwerk, Hochwasser und Gefängnismauern. Das sind die prägenden Elemente der Hafenstraße. Neben ihrem Namensgeber, dem 1895 für den Schiffsverkehr freigegebenen Kasseler Hafen natürlich. Da finden wir zwischen Leipziger Straße und Fuldahafen das Gelände der ehemaligen Herkules-Brauerei (später Binding-Brauerei) mit dem denkmalgeschützten Schalander-Gebäude und dem ehemaligen Kesselhaus. Und da war auch die Hessische und Herkules-Bierbrauerei Aktiengesellschaft in der Hafenstraße 54. Kaum zu überbieten dürfte aber die Hafenstraße 76 sein. Dort vereinte die eingetragene Genossenschaft mit dem Namen „Konsum- und Sparverein Cassel und Umgebung“ nicht weniger unter einem Dach als eine Dampfbäckerei, eine Konditorei, eine Schlachterei, eine Limonadenfabrik, eine Bierabfüllerei mit 48 Warenabgabestellen in Stadt und Land sowie eine eigene Sparkasse und Sterbekasse für 20 000 Mitglieder.

Aber „die Erlaubnis zum unbeschränkten Kleinhandel mit Spirituosen in versiegelten und verkapselten Flaschen“ für ihre Mitglieder verweigerte die Stadt der Genossenschaft anno 1929. Schlechte Zeiten für durstige Gesellen.

Schlechte Zeiten auch für die Hafenstraße selbst: Ab 1926 häufen sich die Klagen über stetige Hochwasser, starken Verschleiß und die Erschütterungen durch Fuhrwerke auf dem Pflaster. Kein Wunder: Unter der Straße befand sich kein fester Untergrund, sondern vier Meter Kies auf einer ständig mit Fullewasser durchsetzten Triebsandschicht.

Für Abhilfe sollte neben Ablauf- und Flutgräben sowie besseren Fundamenten bei Neubauten vor allem ein Wiederaufbau der Vogtschen Mühle weiter flussaufwärts sorgen. Denn das Walzenwehr der Mühle hätte den Grundwasserspiegel um 80 Zentimeter erhöht. Folge: Aus den Kellern einer ganzen Reihe von Häusern wäre das Wasser wohl gar nicht mehr verschwunden.

Und dann wäre da noch die Justizvollzugsanstalt Kassel III. So der korrekte Name der Untersuchungshaftanstalt am Unterneustädter Kirchplatz mit der Postanschrift Leipziger Straße 11. Die „Elwe“ also, wie der Kasseläner die Hausnummer elf ausspricht. Dabei dominiert die Front der Gefängnismauern keine andere als die Hafenstraße. Und hier spielte sich in den 1990er-Jahren neben einer unblutig beendeten Häftlingsrevolte samt Geiselnahme auch die Flucht von zwei Häftlingen ab: aus dem Fenster in die Hafenstraße.