Hölkesches Haus

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Historische Aufnahme des Hölkeschen Hauses in Kassel
Das Hölkesche Haus wurde 1879 als Wohn- und Geschäftshaus im Stil der oberitalienische Renaissance an der Trompete, Ecke Frankfurter Straße/Friedrichstraße, in Kassel gebaut. Benannt ist es nach Christian Hölke, einem Kasseler Fabrikanten und dem Bauherren des Gebäudes. Dank seiner ungewöhnlichen Fassade gilt das Hölkesche Haus als "wertvoller Bestandteil des Stadtbildes".[1] In dem denkmalgeschützten Gebäude ist auch das Straßenverkehrs- und Tiefbauamt der Stadt Kassel untergebracht.

Geschichte

Galerie

Von 1984 bis 9. April 2000 war im Hölkeschen Haus eine Galerie untergebracht, die Café, Kneipe und Antiquitätenladen in einem war und sich zu einem beliebten Treffpunkt entwickelte. Theaterfreunde kamen nach der Vorstellung, Juristen verbrachten hier ihre Mittagspause, Schüler ihre Freistunden. Kaufleute und Künstler, Beamte und Bohemiens, Studenten und Schauspieler – sie alle liebten die Atmosphäre des Hölkeschen Hauses.

Als Wirt Dieter Windel die Galerie im Hölkeschen Haus 1984 eröffnete, hatte der Diplom-Pädagoge aus Göttingen eigentlich einen Antiquitätenhandel mit kleinem Cafébetrieb im Sinn. Doch das kehrte sich schnell um, die Gastronomie gewann die Oberhand. Die Gäste liebten das plüschige Ambiente zwischen weißem Tischtuch und Trödel. Lampen, Tische, Stühle und Schränke - alles antik oder zumindest alt und käuflich. Die Einrichtung im Schankraum, der gegenüberliegenden „Küche”, im Salon und den übrigen Räumen änderte sich ständig, aber nicht ihr Charakter. Auch die Musik – Jazz und Klassik von Stan Getz bis Bach – blieb gleich, allen Moden zum Trotz. Der scheidende Wirt Dieter Windel hatte stets auf Individualität gesetzt. Und „mit Rücksicht auf die vielen Schüler”, die bei ihm ein- und ausgingen, die Preise über Jahre stabil gehalten.

Auch Promis fühlten sich hier wohl. Kulturdezernent Hans-Bernhard Nordhoff, damals noch in Kassel, rauchte hier so manche Pfeife. Opernstar Joke Kramer rührte Nachtschwärmer zu später Stunde mit starker Stimme zu (Freuden-)Tränen. Selbst Franz Vranitzky, eilte in seiner Zeit als österreichischer Bundeskanzler eines Tages ins Hölkesche Haus, um sich „ganz privat” von einem Ausstellungsbesuch in Kassel zu erholen.[2]

Windel erklärte im April 2000 gegenüber HNA-Redakteurin Ellen Schwaab, dass er das Gebäude stets habe erhalten wollen. Deshalb begrüßte er die Pläne der neuen Eigentümer, das Gebäude zu sanieren. Windel selbst scheute sich auch nicht vor juristischen Auseinandersetzungen mit den wechselnden Besitzern, „für die das Haus Spekulationsobjekt war”. Die Querelen hatten unter anderem für zwei Jahre den Entzug der Nachtkonzession zur Folge. Viele Gäste blieben aus, die beste Zeit war vorbei.[3]

Sanierung

Ein Bauunternehmer aus Göttingen und zwei Architekten aus Kassel ersteigerten das heruntergekommene Gebäude im November 1999 bei einer Zwangsversteigerung für 560.000 DM. Für die Sanierung plante das Trio 3,5 Millionen DM ein. Ihr Plan: Vier nutzbare Vollgeschosse mit einer Gesamtfläche von 1054 Quadratmetern sollten nach der Sanierung als Büros vermietet werden. Im Erdgeschoss sollte weiterhin eine Gastronomie untergebracht werden. [4] Die Gesamtkosten für die Sanierung stiegen später auf 4,2 Millionen DM. [5]
Schild des Straßenverkehrs- und Tiefbauamts der Stadt Kassel am Hölkeschen Haus

Die neuen Besitzer des denkmalgeschützten Hauses an der Friedrichsstraße sanierten das vom Verfall bedrohte Gebäude, in dem mittlerweile die Gastronomie Casa Colombiana eingezogen ist. Die Sanierung wurde in den Jahren 2000 und 2001 durch das Planungsbüro Sprengwerk ausgeführt. Die Freiraumplanung übernahm Dipl. - Ing. H.-J. Achterberg.[6][7]

Bei der Sanierung wurden auch Deckenmalereien im Erdgeschoss von Anfang des 20. Jahrhunderts rekonstruiert und restauriert. Altes Kassettentüren, Fensterverkleidungen, das Parkett und das historische Treppenhaus wurden ebenfalls erhalten.[8]

Nach der Sanierung zog zudem das Straßenverkehrs- und Tiefbauamt der Stadt Kassel ins Hölkesche Haus.

Quellen und Links

  1. Kurzporträt des Gebäudes vom Planungsbüro Sprengwerk
  2. HNA vom 13. April 2000: Ellen Schwaab, "Abschied vom Hölkeschen Haus"
  3. HNA vom 13. April 2000: Ellen Schwaab, "Abschied vom Hölkeschen Haus"
  4. HNA vom 18. Januar 2000: Christina Hein, "Hölkesches Haus: Wir wollen, dass es schön wird"
  5. HNA vom 6. Juni 2001: "Das Hölkesche Haus - Ein altes Haus erstrahlt im neuen Glanz"
  6. Kurzporträt des Gebäudes vom Planungsbüro Sprengwerk
  7. "Das Hölkesche Haus - Ein altes Haus erstrahlt im neuen Glanz", HNA vom 6. Juni 2001
  8. HNA vom 6. Juni 2001: "Das Hölkesche Haus - Ein altes Haus erstrahlt im neuen Glanz"