Häuser in Korbach: Zur Krone

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Seit 1763 befindet sich im Haus eine Gastwirtschaft.

Gasthaus seit über 200 Jahren

Als im Jahr 1648 der Friede zu Münster und Osnabrück, der „Westfälische Friede”, den Dreißigjährigen Krieg beendete, konnte man auch in Korbach aufatmen. Die Folgen dieses Krieges waren verheerend. Von den 547 Wohnhäusern waren nach dem Krieg nur noch 235 bewohnbar, 67 Häuser standen leer, alle anderen waren zerstört oder ganz verschwunden. Entsprechend war auch die Einwohnerzahl zurückgegangen. Eine Wiederaufbauphase wollte nach dem Krieg nicht recht in Gang kommen. Zu tief saßen die Schrecken, und die allgemeine Resignation wollte nicht weichen.


Da brach am 8. Mai 1664 ein neues Unglück über die Stadt herein. Ein großer Brand, der seinen Ausgang in der Nähe der Stadtwaage nahm, vernichtete über zwei Drittel der noch vorhandenen Häuser. Hunderte von Einwohnern wurden obdachlos. Aus der Zeit vor diesem Brand ist heute neben den „Steinhäusern” nur noch das frühere Schwalenstöcker‘sche Haus im Katthagen erhalten. Der Brand muss wohl wie ein heilsamer Schock auf die Bevölkerung gewirkt haben, denn kaum waren die Trümmer beseitigt, setzte endlich eine rege Bautätigkeit ein. Viele der alten Fachwerkhäuser, die wir heute in der Korbacher Alt- und Neustadt bewundern, stammen aus dieser Zeit.


Ein Raub der Flammen wurde auch das neu erbaute Haus des Pfarrers der Neustadt, Ditmar Scriba, in der Lengefelder Straße. Es stand an der Stelle, an der sich heute das Gasthaus „Zur Krone” befindet. Bereits sieben Jahre nach dem großen Stadtbrand ließ die Witwe des 1661 verstorbenen Pfarrers, Margarethe Scriba, geb.Waldeck, auf der Brandstätte ein prächtiges Wohnhaus errichten. Sie ließ auf dem Quergebälk des Hauses folgende Inschrift anbringen: DAS VOR SIEBEN JAHREN WAHR . DURCH MEINS HERREN SCHWEIS ERBAUWT . HATT DER BRANT VERZEHRET ZWAR . DANNOCH WEIL ICH GOTT VERTRAUT . HATT ER MICH VERLASSEN NICHT . SONDERN HATT DURCH SEINEN SEHGEN . WELCHER FROMME GOTT GEGEBEN. DIES HAUS WIEDRUM LASSEN HEBEN. ACH HERR DU GETREUER GOTT. BEHUTS VOR KRIEG UND FEUERS NOTH . 1671.


So entstand hier 1671 eines der schönsten Korbacher Fachwerkhäuser: dreigeschossig, mit der Giebelseite zur Straße, das Gebälk reichlich mit schmückender Schnitzerei versehen. Ein rückwärtiger Teil des Hauses wurde Mitte des 18.Jahrhunderts angebaut. Die Erbauerin vererbte das Haus 1688 an ihren Schwiegersohn August Basilius Disper, der zunächst Kammerdiener, dann Fürstlich Waldeckischer Haushofmeister in Arolsen und später Ratsmitglied in Korbach war. Er war in zweiter Ehe mit Elisabeth Scriba, einer Tochter der Erbauerin, verheiratet. Elisabeth starb im Alter von 35 Jahren. Ihr Mann starb 1700, wenige Tage nach seiner dritte Eheschließung.


Seit 1763 befindet sich im Haus eine Gastwirtschaft. Der erste Gastwirt war Henrich August Hartwig. Die nachfolgenden „Cronenwirthe” waren meist auch Bäckermeister. 1822 heißt das Gasthaus „In den drei Kronen”. Erwähnt sei ein Eintrag im Kirchenbuch der Neustadt von 1843: „Der Kronenwirth A. Seh. war dem Trunke ergeben, epileptisch und starb plötzlich”. Zwei Jahre zuvor hatte er sich unter Curatel (Vormundschaft) stellen müssen. 1847 übernahm August Friedrich Schumacher die „Krone”. Seitdem ist die alteingesessene Familie Schumacher, jetzt in der fünften Generation, Besitzer des Gasthauses „Zur Krone”.


Ältere Korbacher erinnern sich gern an den Gastwirt Peter Tersteegen (1910-1955), der die „Krone” in den Kriegs- und Nachkriegsjahren gepachtet hatte. Als er zum ersten Mal in Korbachs Straßen auftauchte, löste wegen seiner enormen Körperfülle nicht nur bei Kindern und Jugendlichen lebhafte Heiterkeit aus.Er war ein stattlicher, großer und runder Mann mit Glatzkopf. „Fass mit Kürbis oben drauf” flüsterte man unter vorgehaltener Hand. Bei seinen Gästen war er sehr beliebt. In der „schlechten” Zeit gab‘s bei ihm mitunter mal ein Essen ohne Marken, manchmal auch eine Zigarette unter der Hand. Der Lebensretter stieg zum Haushofmeister auf Basilius August Disper erbte 1688 die spätere „Krone”. Unter Graf Georg Friedrich von Waldeck (1620-1692), der 1682 in den Reichsfürstenstand erhoben wurde, avancierte er vom Kammerdiener zum Haushofmeister. Vermutlich hat er seine Karriere der Tatsache zu verdanken, dass er 1674 in einem Gefecht gegen die Franzosen bei Seneffe seinem Landesherrn das Leben gerettet hatte. Graf Georg Friedrich stand damals als niederländischer General feldmarschall in Diensten des Prinzen von Oranien. Geh. Rath Joh. Georg von Rauch bar berichtet darüber in seinem Buch „Leben und Thaten des Fürsten Georg Friedrich von Waldeck”, Arolsen, 1870.


Im Gefecht war der Prinz von Oranien in starke Bedrängnis geraten. Graf Georg Friedrich machte sich schnell auf, seinem Herrn aus der Klemme zu helfen. „Indem aber höchstged. Se. Hochgräfl. Excell. also dahin eilten, kamen 50 Französische leichte Reuter aus dem Busch, um sich vor die Bataillons, welche sich wieder zusammengesetzt hatten, zu stellen. Weil nun zu befürchten war, es möchte Sr. Hoheit Person vom Feinde umringet werden, so commandirte Se. Hochgr. Excell. von Waldeck eine Escadron, um mit obigen 50 Reutern zu chargieren. Da sich aber diese in etwas tardirte, wendeten sich die 50 Reuter auf die linke Hand, um Se. Hoheit zu umgeben, schnitten auch Sr. Hochgräfl. Excellenz den Paß ab, daher sie obligirt wurden, selbige zu forciren, schössen auch selbst zwei davon nieder. Aber als Ihr Pferd in diesem Handgemenge sich steigerte, bekamen Sie etliche Stiche und fielen zur Erde. Die Franzosen schleppten und zerrten Sie nun dergestalt, als wollten Sie Selbige zerreißen, stießen auch vielfältig mit Degen auf Sie. Se. Hochgr. Excell. von Waldeck aber parirten dieselben mit den Händen so gut als sie konnten so lange aus, bis daß ihr Gammerdiener August Disper dazu kam. Als er seinen Herrn in einem solchen Stande sah, schlug er Einen, der damit beschäftigt war, den Herrn Grafen fortzuschleppen, mit einem Streithammer darnieder und erlöste also Se. Hochgräfl. Excell. aus den Händen der Feinde, wiewol er selbst ziemlich verletzt wurde. Se. Excell. aber nahmen darauf des Cammerdieners Pferd und begaben sich wieder zu ihrer Infanterie.


Hier trafen Sie Se. Hoheit den Prinzen von Oranien und freueten sich herzlich, selbigen zu sehen, indem sie befürchtet hatten, es möchten dieselben verloren sein. S. Hochgräfl. Excell. ließen sich darauf verbinden und continuirten, das Volk zu animiren. Weil Sie aber wegen dreier empfangenen Wunden viel Bluts verloren hatten und dadurch sehr abgemattet waren, mußten Sie sich in ein Zelt zur Ruhe begeben.

Die Serie

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serien geschrieben.