Häuser in Korbach: Wollweberturm

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Die Bezeichnung „Herrschaftlicher Turm” geht darauf zurück, dass er einst im Besitz des waldeckischen Grafenhauses war.



Meterdicke Mauern als Schutz

Er ist gar nicht leicht zu finden, der „Herrschaftliche Turm” oder „Wollweberturm” in Korbach. Dem Amtsgericht in der Hagenstraße gegenüber liegt er etwas abseits unter hohen Bäumen. Heute befindet sich darin eine Gaststätte mit Restaurant, deren Firmenschild uns den Weg zum Turm weist.

Ursprünglich war dieser Rundturm ein Teil der Stadtbefestigung der Korbacher Neustadt. Neben dem Tylenturm (auch Thülenturm) war er mit seinem etwa drei Meter starken Mauerwerk und einer Breite von zehn Metern wohl der mächtigste der alten Wehrtürme. Seinen Namen hat der Turm von der Zunft der Wollweber, die vermutlich diesen Abschnitt der Stadtmauer zu verteidigen hatte.

Die Bezeichnung „Herrschaftlicher Turm” geht darauf zurück, dass er einst im Besitz des waldeckischen Grafenhauses war. Unmittelbar neben dem Turm stand das in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaute Schloss der Waldecker Grafen der Eisenberger Linie. Die Lage dieses Schlosses und des gräflichen Hofes müssen wir uns zwischen dem Wollweberturm und dem direkt an der Hagenstraße neben dem Amtsgericht befindlichen Turm vorstellen.

Die heutige Hagenstraße gab es damals noch nicht. Das Schloss fiel 1536 einem Stadtbrand zum Opfer. Der Wiederaufbau wurde sofort in Angriff genommen. Dieses neue von Graf Wolrad in den Jahren 1536 bis 1545 erbaute dreistöckige Renaissanceschloss muss ein Bau mit recht beachtlichen Ausmaßen gewesen sein. Aus einer Beschreibung aus dem Jahr 1600 erfahren wir, dass 23 Räume, daneben Ställe und kleine Nebenbauten vorhanden waren. Wegen des Stadtschlosses wird Korbach in |alten Urkunden ab 1460 wiederholt als gräfliche Residenz genannt.

Fürst Friedrich Anton Ulrich (1676 - 1728), der „bauwütige” Landesherr, ließ 1715/16 das Renaissanceschloss abreißen, um hier auf dem "Oberen Herrenhof" ein neues Barockschloss als Residenz zu erbauen. Der bereits begonnene , von J. L. Rothweil entworfene Bau wurde, jedoch nicht vollendet. Das Vorhaben scheiterte am Widerstand der Korbacher Bürger, die eine Ausweitung der Machtbefugnisse des Fürsten im Bereich ihrer Stadt befürchteten und sich daher weigerten, dem Fürsten Baugrund zur Erweiterung des Schlossbereichs zu verkaufen. Der Fürst zog es schließlich vor, den bereits begonnen Bau des Residenzschlosses in Arolsen voranzutreiben. In Arolsen konnte er sich auf eigenem Grund und Boden ausbreiten, ohne sich immer wieder mit alteingesessenen Bürgern auseinandersetzen zu müssen, die auf alte Rechte pochten. Das bereits angefahrene Baumaterial, das zum Teil vom Abbruch des Enser Schlosses stammte, fand Verwendung beim Bau des dem Landrichter Ernst Ludwig Scipio gehörenden Patrizierhauses, der heutigen Musikschule in der Lengefelder Straße.

Mit den Resten des einstigen Schlosses verfiel allmählich auch der alte Wehrturm. Eine im Stadtarchiv aufbewahrte Aufnahme aus dem Jahr 1902 zeigt ein recht marode wirkendes Bauwerk. Im Jahre 1901 erwarb Landesbaurat Wilhelm Müller den Turm und die umliegenden Grundstücke von Fürst Friedrich zu Waldeck und Pyrmont. Er renovierte den „Wullweber” und rettete ihn so vor dem endgültigen Verfall. Um für die Innenräume Lichtquellen zu schaffen, ließ er in den unteren drei Stockwerken Fenster einbauen. Außerdem wurde ein Teil des alten Wehrgangs wieder hergestellt. Die Idee, dem vierstöckigen Turm ein Dach aufzusetzen, verdankt Müller seinem Jugendfreund, dem Kunstmaler Adolf Grobe (Hannover), der an der Erneuerung der Marienburg (Welfenschloss bei Hannover) beteiligt gewesen war. Über dem ursprünglichen Eingang des Turmes, der heute auf der Rückseite liegt, ließ Müller einen alten Stein aus dem Erbauungsjahr anbringen mit der Inschrift AD DM MCCCCCV(richtig MDV = 1505). Neben dem Turm errichtete Müller ein Wohnhaus, das er seine „Hagenburg” nannte. Dazu verwendete er noch vorhandene Steine vom alten Schloss. Nach seinem Tod wurden Turm und Wohnhaus verkauft. Das Gebäude diente lange Jahre als Forstamt. Heute ist es im Besitz der Stadt Korbach.

Etliche Gebäude tragen Handschrift von Wilhelm Müller

Wilhelm Müller (1851-1928), Kgl. Preuß. Baurat und Landesbauinspektor der Fürstentümer Waldeck und Pyrmont, war nicht nur Erneuerer des Korbacher Wollweberturms und Erbauer des daneben befindlichen Wohnhauses.

Er errichtete an der Stelle des ehemaligen gräflichen Schlosses auf dem Eisenberg, dem Hausberg der Korbacher, den Georg-Victor-Turm (1905). Er war der Erbauer der Villa Peterhof für den Kommerzienrat Louis Peter (1902) und des alten Landratsamtes mit Kreissparkasse (1905). Heute befindet sich darin die Hess.-Thür. Brandversicherung. Nach seinen Plänen wurde auch die heutige Schule Am Enser Tor erbaut.

Außerdem geht der erste Bebauungsplan der Stadt Korbach auf ihn zurück (1906/07).

Die Serie

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serien geschrieben.