Häuser in Korbach: Tylenturm

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Stadtbefestigung und Gefängnis

Der Korbacher Tylenturm vom Alten Friedhof aus gesehen

Im Jahr 1188 verlieh der Bischof von Paderborn der Stadt Korbach die Stadtrechte. Diese gaben der Stadt neben dem Markt- und Münzrecht sowie der Gerichtsbarkeit auch das Recht, sich zu befestigen. In Korbach hatte man aber schon viel früher begonnen, Befestigungswälle und -mauern zu errichten. Die Altstadt wurde mit einer Mauer umgeben, später auch die im Verlauf des 13. Jahrhunderts entstandene Neustadt. Beide Mauern trafen fast rechtwinklig, wie man heute noch sehen kann, im Schießhagen zusammen. Die Trennmauer zwischen Alt- und Neustadt wurde erst 1593 abgerissen. Zur Zeit der Vereinigung beider Städte, die 1377 erfolgte, muss wohl die Stadtbefestigung in einem recht maroden Zustand gewesen sein. Die Zünfte beklagten, der Rat habe die Mauern verfallen lassen. Nach dem Zusammenschluss der Städte wurden umfangreiche Ausbesserungen vorgenommen und ein zweiter Mauerring geschaffen. Die vorhandenen Stadttore wurden zu Doppeltoren ausgebaut. Lediglich zwischen Tränketor und Dalwigker Tor beließ man es bei nur einem Mauerring. Das Gelände außerhalb der Mauer war hier recht sumpfig und bot aus diesem Grund genügend Schutz vor feindlichen Angriffen.

Die alten Kupferstiche von Dilich, Meißner und Merian zeigen eine von Mauern umgebene Stadt mit zahlreichen Befestigungstürmen: neun hohe Türme und sieben kleinere. Der höchste und wohl schönste bis heute erhaltene Turm ist der Tylenturm, benannt nach einer Familie von Tylen (oder auch Thülen), die an dieser Stelle einen kleinen Burgsitz hatte. Der mächtige Wehrturm gehört zu den ältesten noch erhaltenen Gebäuden Korbachs. Er wurde Anfang des 14. Jahrhunderts erbaut und ist somit älter als die beiden Korbacher gotischen Kirchen. Im von außen nicht zugänglichen Untergeschoss befand sich lange Jahre das Korbacher Gefängnis für die zur Höchststrafe, d. h zum Tode verurteilten Gefange-nen. 1996 erhielt der Turm dank einer Initiative der Schützengilde und der Spendenfreudigkeit Korbacher Bürger und anderer Sponsoren ein der ursprünglichen Form nachempfundenes Dach und einen Treppenaufgang innerhalb des fünfgeschossigen Turms. Über einen neu angelegten Wehrgang kann man heute den Turm besteigen und von oben eine wunderbare Aussicht auf Stadt und Umgebung genießen.

Ein Verließ für die Todeskandidaten

Vom Korbacher Historiker Professor Albert Leiß ist die Geschichte von noch jugendlichen Spitzbuben überliefert, die 1733 auf dem Markt gestohlen hatten und dabei erwischt worden waren. Beim Verhör stellte sich heraus, dass sie wiederholt durch Betrug und Diebstahl auffällig geworden waren und schon manche Strafe auf dem Buckel hatten. Man verteilte die Täter auf das am Rathaus befindliche Blockhaus, den Butterturm und den Tylenturm. Im Tylenturm saß Johannes Mohr bei Wasser und Brot. Ein Fenster gab es nicht. Das Verließ hatte lediglich eine Einstiegluke. In der halbdunklen Verlassenheit verfasste er dort einige Lieder. Offenbar hat er die in ungelenkem Rhythmus und Reim verfassten Verse auch gesungen. „Es gingen unser drey nach Corbach hinein, Wir gingen auch ein wenig zum Bier und Branntwein, Wir gingen auch ein wenig auf dem Marckt herum, Biß wir ein Diebstahl antreffen konnten thun.” Umständlich beschreibt er in den folgenden Versen, wie man sie gefangen, verhört und eingesperrt hat. „Wie hat Johannes Mohr die Zeit rum bracht? Mit Beten und mit Singen die Zeit rum bracht. ... Des Mittags um eiff Uhr herum, Da brachte Ricus ein Groschenleibgen Brod, Und auch ein Krügelchen mit Waßer dabey, Das ließ er ihm am Seil hinein. ... Ach Gott! Ach Gott! Was soll dass seyn? Es muß ja zu Corbach schlimme seyn, So schlimme muß es seyn.” Und zum Schluss: „Wer hat sich denn Hidas Liedgen erdacht? Das hat Johannes Mohr im Tylenthurn gemacht. Im Tylenthurn hat er‘s gemacht; A Dieu Corbach, zu tausend gute Nacht.” Vom Korbacher Scharfrichter Rosenberg wurden Johannes Mohr und seine Mitgesellen am Galgen auf den Waldecker gehenkt.

Die Serie

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serie geschrieben.