Häuser in Korbach: Tempel 10

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Balken aus zehn Abbruchbauten

Die schmale, steil abfallende Straße zwischen Stechbahn und Tränkestraße heißt „Tempel” Sie führt parallel zur Rathausgasse durch ältestes Korbacher Siedlungsgebiet. Die ursprünglich sehr enge Bebauung wurde durch die Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg und dem bald darauffolgenden großen Stadtbrand (1664) erheblich dezimiert. Da viele der zerstörten Häuser nicht wieder aufgebaut wurden, entstand hier, mitten in der Altstadt, ein Areal, das durch zahlreiche z.T. größere Gartenflächen eine vorteilhafte Auflockerung erfuhr. Ein Stück des alten, beschaulichen Korbach hat sich bis heute hier erhalten. Kein Geschäft und kaum Verkehr beeinträchtigen die Stille dieses Viertels. Munteres Leben kehrte erst ein, als auf dem Gelände der 1938 abgebrannten Synagoge ein Kindergarten errichtet wurde. Das Haus Nr. 10 ist eines der größten Fachwerkhäuser in dieser Straße. Es stammt aus dem Jahr 1835. Das schlichte, zweigeschossige Fachwerkhaus mit Satteldach und Krüppelwalm ruht auf einem Natursteinsockel. Gebaut wurde es auf einem Abrissgrundstück von Bäckermeister Johann Christian Hartwig, Unterbürgermeister und langjähriger Dechant der Schützengilde. Er vererbte es um 1841 seinem Schwiegersohn Wilhelm Vesper, der von 1842 bis 1851 Oberbürgermeister der Stadt war. 1867 erwarb Carl Trummel, Sparkassenrendant, Fürstlicher Rat und Schützenkönig von 1888 bis 1891, das Anwesen. Er war es, der in zwei Räumen seines Hauses die damalige Sparkasse verwaltete, bis sie später in die Prof.-Bier-Straße umzog. Diese Sparkasse ist ein Vorläufer der heutigen Sparkasse Waldeck-Frankenberg. Die Trummel ‘sehen Erben teilten sich später den Besitz. Dr. Hans Trummel baute eines der Nebengebäude aus und richtete darin eine Zahnarztpraxis ein, während Pfarrer Adolf Trummel das große Fachwerkhaus der Stadt Korbach verkaufte. Ein früheres, später abgerissenes Haus stand etwas oberhalb, vermutlich dort, wo sich heute der Garten des Hauses Nr. 10 befindet. Als erster Besitzer dieses Hauses wird Henricus Bilstein genannt. Er war aus Marsberg zugezogen und hatte 1631 das Bürgerrecht in Korbach erworben. Schon bald wurde er Ratsmitglied, später Pfennigmeister und schließlich Oberbürgermeister. Er und sein Schwiegersohn, der „peinliche Richter und Stadtrichter” Georg Philipp Steinrück (geb. 1630) gehörten zu jenen später ins Gerede gekommenen Hexenrichtern, die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts an den Korbacher Hexenprozessen maßgeblich beteiligt waren. 1980 bzw. 1984 erwarb das Korbacher Arztehepaar Dr. Dustmann Teile des ursprünglichen Anwesens. Im ehemaligen Garten richtete die Stadt einen geräumigen Spielplatz vor allem für den gegenüberliegenden Kindergarten ein. Die neuen Besitzer ließen das Nebengebäude, in dem sich. bis dahin die Zahnarztpraxis befand, abreißen. Das Haupthaus wurde in mehrjähriger Arbeit renoviert. Der schlechte bauliche Zustand machte eine Totalentkernung notwendig. Das Fachwerk wurde saniert; keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass alte Eichenbalken aus zehn verschiedenen Abbruchbauten, zum Teil von weit her herbeigeschafft werden mussten. Die Gefache wurden neu ausgemauert. Im Inneren des Hauses wurden Decken neu eingezogen, Böden verlegt, Wände versetzt oder neu errichtet. Alle neu eingesetzten Türen, jede ein Prachtstück für sich, stammen aus alten Abrisshäusern. Die Umbaumaßnahmen waren 1992 weitgehend abgeschlossen. Doch jeder, der die Begeisterung des Hausherrn und seine Freude am stilgerechten Umgestalten kennt, kann erahnen, dass dieses Haus wohl nie fertig sein wird. Die Altstadt Korbach hat seit dem Umbau ein weiteres, nun unter Denkmalschutz stehendes, sehenswertes Fachwerkhaus mehr, von dem man sagen kann: „ Altbausanierung hervorragend gelungen!” Tempel: Herkunft unklar Für den Namen der Straße „Tempel” gibt es keine eindeutige Erklärung. Dr. Medding weist in seiner Korbacher Stadtgeschichte darauf hin, dass ursprünglich nicht nur diese Straße, sondern das ganze Dreieck zwischen Stechbahn, Kilianskirche und Tränkestraße „Im Tempel” hieß. „Timpen” oder „Tümpel” sei eine alte waldeckische Bezeichnung für ein dreieckiges Land oder Grundstück. 1938 wurde in Korbach ernsthaft darüber nachgedacht, den Namen der Straße zu ändern, da nach dem Brand der Synagoge keine Veranlassung mehr bestehe, diese Straße weiterhin „Tempel” zu nennen. Korbacher Heimatfreunde setzten damals durch, dass der Namen der Straße nicht geändert wurde mit der Begründung, dass dieses Viertel wohl wegen eines hier früher befindlichen Teiches ursprünglich „Am Tümpel” geheißen habe.

Die Serie

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serie geschrieben.