Häuser in Korbach: Stadtbücherei

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Stadtbücherei - Wo Herzog Ferdinand logierte

Die Korbacher Stadtbücherei


An der Nahtstelle zwischen Alt- und Neustadt steht ein wuchtiger Fachwerkbau, das Lebach‘sche Haus, wie es von den alten Korbachern noch immer genannt wird. Dem Rathaus direkt gegenüber präsentiert es sich heute als ein Vorzeigestück fachgerechter Restaurierungskunst. Eine wechselvolle Geschichte ließ dieses Haus zu dem werden, was es heute ist. Ursprünglich stand an dieser Stelle das Korbacher Neustädter Rathaus, später auch Hochzeitshaus genannt, das 1595 urkundlich erstmals erwähnt wird. Hier wurden nicht nur Hochzeiten gefeiert, sondern auch andere Feste. „Das schöne Hochzeithauß”, wie es in einer alten Chronik heißt, wurde beim großen Stadtbrand 1664 ein Raub der Flammen. An gleicher Stelle ließ der waldeckische Kanzler Johannes Vietor zwischen 1664 und 1675 einen Neubau errichten. Er war Eigentümer des Burggutes Lengefeld. Seine Erben verkauften das Haus an den Grafen Josias von Waldeck, den Stifter der gräflichen Bergheimer Linie. Das Kataster der Neustadt dokumentiert: „Die Behausung auf der Neustadt mit allen appertinentien und Hofraise daselbst..haben Graf Josias zu Waldeck und Hochgräfliche Gnaden erkauft 1734”. Der Graf war Besitzer des Hauses bis 1746. Es ist zu vermuten, dass der ursprünglich zweige-schossige Bau in dieser Zeit mit einem dritten Geschoss aufgestockt und das ganze Haus verputzt wurde. Kurzfristig kam das Anwesen in den Besitz der Stadt Korbach, die „das Haus auf der Neustadt beim Cumpfe” (Stadtbrunnen) 1746 an Dr. med. Wolrad Wigand, fürstlich waldeckischer Hofrat, Leibarzt und Landphysikus verkaufte.

Das Oberkommando der in Korbach und Umgebung untergebrachten Truppen nahm im Siebenjährigen Krieg wiederholt Quartier in diesem Haus. Wir wissen, dass Herzog Ferdinand von Braunschweig 1757 und 1760 hier logierte. Das Haus blieb über mehrere Generationen im Besitz der Familie Wigand, bis es Dr. med. Wolrad Wigand, ein Nachfahre des Erstbesitzers dieser Familie, 1844 an den Getreidehändler Louis Lebach verkaufte. Dr. Wigand hatte keine leiblichen Nachkommen. Mit ihm starb die Familie Wigand im Mannesstamm in Korbach aus. Louis Lebachs gleichnamiger Sohn, dem auch die Adorfer Mühle und Brotfabrik gehörten, verkaufte das Anwesen 1928 an die Stadt Korbach, die umfangreiche Umbauten vornehmen ließ. Von 1937 bis 1977 beherbergte es zunächst die Berufsschule, später die Handelsschule und schließlich die Sonderschule für Lernbehinderte.

5. Dezember ‘87 : Bücherei-Einweihung

Ende der siebziger Jahre begannen erste Überlegungen über eine künftige Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes. 1983 stand fest, doss hier die bis dahin im Bürgerhaus untergebrachte Stadtbücherei ihren neuen Standort haben sollte. Eine Kommission schätzte 1984 die Sanierungskosten auf etwa 2,13 Millionen DM. Der Umbau wurde 1985 begonnen. Dabei mussten zahlreiche denkmalpflegerische Forderungen berücksichtigt werden, die die Baukosten erheblich in die Höhe trieben. Das gesamte Haus wurde „entkernt”. Dabei musste Balken um Balken erneuert werden. Um einen Einsturz des schweren Daches zu verhindern, war eine aufwendige Stahlbetonpfahlgründung erforderlich. Das ganze Gebäude wurde während der Baumaßnahmen durch eine Stahlhilfskonstruktion gesichert. Ende 1987 waren die Umbauarbeiten beendet. Am 5. Dezember 1987 konnte die Stadtbücherei eingeweiht werden. Die endgültigen Kosten für den Umbau betrugen nach der Schlussrechnung rund 3 Millionen DM.

Die Serie

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serie geschrieben.