Häuser in Korbach: St. Marien und St. Josef

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St. Marien.
St. Josef.

Als in den 1910er-Jahren die Bevölkerungszahl Korbachs rapide anstieg, kamen auch Neubürger aus katholischen Gegenden in die Kreisstadt. Der Bevölkerungszuwachs resultierte vor allem aus der Tatsache, dass die neu gegründete Gummifabrik von Louis Peter zahlreiche Arbeitskräfte aus dem katholischen Eichsfeld in das fast durchweg protestantische Korbach lockte. Auch der 1893 bis 1911 erfolgte Bau der Bahn hatte den Zuzug katholischer Familien nach Korbach bewirkt.

Bereits 1910 kam es zur Gründung einer katholischen Gemeinde. Sie feierte ihre Gottesdienste zunächst in einem heute nicht mehr existierenden Haus in der Unterstraße. Durch weitere Zuzüge von außerhalb wuchs die Gemeinde ständig, so dass die Notwendigkeit immer dringlicher wurde, aus dem Notbehelf herauszukommen und ein eigenes Gotteshaus zu bauen. Das Bauvorhaben wurde unterstützt durch den Bonifatiusverein, der sich die Förderung katholischer Gemeinden in der Diaspora zur Aufgabe gemacht hatte. Ein geeignetes Grundstück fand man an der Ecke Westwall/Sachsenberger Landstraße. Nach Plänen des im Ersten Weltkrieg gefallenen Julius Langenberg und der Architekten Gebrüder Langenberg aus Kassel errichtete hier Baumeister Illian aus Korbach die neue Kirche im damals neben der Neugotik in Mode gekommenen neoromanischen Stil.

Der Grundstein wurde im Juli 1910 gelegt, die Einweihung erfolgte im ersten Kriegsjahr, am 1. Juli 1915 durch den Paderborner Weihbischof Hähling von Lanzenauer. Nachdem am Ende des Zweiten Weltkrieges viele Familien nach Flucht oder Vertreibung vor allem aus dem Sudetenland und aus Schlesien nach Korbach gekommen waren, wuchs die Gemeinde wie nie zuvor. Die Kirche wurde daher 1958 bis 1960 erweitert. Der Frankfurter Glasmaler Becker schuf das zur Sachsenberger Landstraße weisende große Glasfenster: Die drei Jünglinge im Feuerofen (Daniel, Kap. 3) und darunter ein Motiv mit Fisch und dem Christussymbol XP.

Gleichzeitig wurden auf dem Kirchengrundstück ein „Haus der Gemeinde” mit Gruppenräumen, einem Saal, einer Bücherei und dem Pfarrbüro St. Marien sowie ein Pfarrerwohnhaus errichtet. Das alte Pfarrhaus am Westwall 8, das 1910 von Oberpostschaffner Karl Brand erbaut und 1928 von der katholischen Kirchengemeinde gekauft worden war, beherbergt heute das Dekanatsbüro für das katholische Dekanat Waldeck, daneben die Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen sowie die Wohnung für den Vikar. Das anhaltende Wachstum der Gemeinde machte schließlich den Bau eines weiteren Gotteshauses erforderlich. So entstand 1966 die St. Josef-Kirche am Eidinghäuser Weg: Ein moderner Kirchenbau mit einem 28 Meter hohen Turm mit aufstehendem Kreuz. Die Kirche hat die Form eines großen Zeltes als Erinnerung an die Stiftshütte des Alten Testamentes, wohl auch als Zeichen dafür, dass christliches Leben ein „Leben unterwegs” ist. Beim Betreten der Kirche beeindruckt zunächst die 230 Quadratmeter große Fläche eines Buntglasfensters. Sie wird unterbrochen durch zahlreiche, bis zu 14 Meter hohe Betonsäulen. Hinter der Orgel-empore befindet sich das größte Fenster der Kirche mit einem Lebensbaummotiv. Sehenswert sind auch der schwere Altarblock, Lesepult, Tabernakel und Osterleuchter, das mit Reliefs versehene Bronzeportal, auch die Josefs-Kapelle. Beide Kirchen sind tagsüber geöffnet. Sie laden, auch Nichtkatholiken, zu stiller Einkehr ein.

Im Katholischen Dekanat Waldeck gibt es heute neben den beiden Korbacher Gemeinden St. Marien und St. Josef auch St. Marien in Adorf (gehört zu Korbach), die Gemeinden Bad Arolsen mit Mengeringhausen, Waldeck mit Sachsenhausen, Bad Wildungen mit Reinhardshausen und Wega, Eppe mit Niederschleidern, Hillershausen mit Sachsenberg und Willingen mit Usseln. Verstärkung erfahren die Gemeinden auch heute noch durch Zuzüge von Übersiedlern aus Polen, durch Russland- und Rumäniendeutsche, aber auch durch ausländische Arbeitnehmer aus Spanien, Italien und anderer Ländern.

Die Serie

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA - Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serien geschrieben.

siehe auch