Häuser in Korbach: St. Kilian

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Baubeginn der Kirche war 1335. Sie wurde 1450 fertiggestellt und eingeweiht.

Die St. Kilian-Kirche gilt als Wahrzeichen von Korbach. Sie wurde in den Jahre ab 1335 errichtet und 1450 fertig gestellt.

Christus auf dem Regenbogen

Ein Wahrzeichen der Korbacher Altstadt ist zweifellos die Kilianskirche. Sie wurde nach dem Heiligen Kilian benannt. Dem aus Irland stammenden Heiligen und um 689 ermordeten Bischof von Würzburg widerfuhr in Korbach wohl deshalb solche Ehre, weil der Ittergau, in dem Korbach früher gelegen war, für kurze Zeit zum Bistum Würzburg gehörte. Baubeginn der Kirche war 1335. Sie wurde 1450 fertiggestellt und eingeweiht. Weil dieser monumentale Bau weitgehend in Handarbeit errichtet werden musste, und mitunter fehlende finanzielle Mittel zu Bauunterbrechungen führten, braucht man sich nicht zu wundern, dass die Korbacher 115 Jahre an diesem Gotteshaus gebaut haben. Die Finanzkraft der Einwohner war bis zum Letzten in Anspruch genommen, da ja fast gleichzeitig auch die Nikolaikirche errichtet wurde.

Der Bau der Kilianskirche begann zunächst mit dem Chor, dann folgte der Turm, der 1392 vollendet war. Erst 1388 konnte man mit dem Bau des Mittelschiffs beginnen. Zwischen Chor und Turm stand bis dahin eine alte, kleinere Kirche, die vermutlich in den ersten Jahrzehnten nach Baubeginn noch benutzt wurde. Die zum Marktplatz weisende Südseite der Kirche sollte nach dem Willen der Planer und Erbauer besonders repräsentativ ausfallen. So wurde hier ein prachtvolles Portal geschaffen. Zwischen den beiden hohen Türen steht auf einem Mittelpfeiler eine Marienstatue mit Christuskind.

Im Spitzbogenfeld (Tympanon) über dem Türsturz finden wir in einem Flachrelief die eindrucksvolle Darstellung des Jüngsten Gerichts. Christus thront als der Weltenrichter auf einem Regenbogen, über sich zwei Engel, die mit Posaunen das Gericht einleiten. Unter der überragenden Christusfigur finden wir auf der einen Seite Maria, auf der anderen Seite Johannes, beide fürbittend in kniender Demutshaltung. Zu Füßen des erhöhten Christus sehen wir in einer sehr realistischen Darstellung fünf geöffnete Gräber mit Verstorbenen, die gerade aus dem Todesschlaf erwachen. Das Relief wurde aus braunem Sandstein gemeißelt, Christuskopf und Posaunenengel jedoch aus hellem Kalkstein. Den Meisterbildhauer kümmerte dieser Kontrast damals wenig, wurden doch solche Reliefs in der Regel mit Farbe übertüncht.

Kilianskirche - Portal

In den Seitenwänden finden wir auf gotischen Postamenten die Statuen einiger Heiliger: links Bartholomäus, Paulus und Petrus, rechts die heilige Anna (Mutter Marias), die heilige Katharina und Johannes. Die nach oben spitz zulaufenden Archivolten sind bestückt mit kleineren Figuren. In der äußeren Nische sehen wir vierzehn Heilige, in der mittleren die zwölf Apostel und innen zehn Engel. In den seitlichen Strebepfeilern befinden sich Figurennischen, die jedoch zum Teil leer sind. Die vorhandenen Figuren werden nach oben hin immer größer. Am oberen Ende der Nischen stehen mannshohe Statuen, links der heilige Kilian als Schutzpatron, ein Modell dieser Kirche auf dem Arm, und rechts ebenfalls eine Bischofsfigur in gleicher Größe. Darin sehen manche Beschauer den heiligen Nikolaus, den Schutzpatron der Kaufleute und Namengeber der Neustädter Kirche, andere jedoch einen Paderborner Bischof. An der Giebelspitze des Portals befindet sich eine Halbfigur, einen Mann darstellend, der seinen Kopf auf die rechte Hand stützt. Vermutlich hat sich hier der Bildhauermeister selbst ein Denkmal gesetzt.

Das Südportal der Kilianskirche entstand um 1420 in einer Korbacher Bildhauerwerkstatt. Die verschiedenartige Ausführung der einzelnen Statuen, Statuetten und Ornamente lassen darauf schließen, dass hier mehrere Bildhauer am Werke waren. Es muss wohl einen Hauptmeister gegeben haben, von dem der Entwurf und die am besten durchgearbeiteten Figuren stammen, mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Anbetungsgruppe und der Pulthalter im Inneren der Kirche.

Eine über der Marienfigur eingemeißelte Jahreszahl weist darauf hin, dass das Portal 1632 unter Vizebürgermeister Johann Botterweg erstmals restauriert wurde. Bei einer Renovierung 1935/36 erwiesen sich einige Figuren durch Umwelteinflüsse derart stark geschädigt, dass sie durch Nachbildungen ersetzt werden mussten. Die Originale befinden sich seitdem im Museum oder im Inneren der Kirche. So repräsentativ und beeindruckend das Südportal auch sein mag, für die Kirchengemeinde war es im Laufe der letzten Jahre zum Sorgenkind geworden. Schädliche Umwelteinflüsse hatten den Steinfiguren arg zugesetzt. Ab 1997 war das Portal für drei Jahre durch einen Holzvorbau und Plastikplanen „eingehaust”. Wieder mussten einige der Heiligen durch Kopien ersetzt werden. Andere wurden durch Injektionen von Steinhärtermasse saniert in der Hoffnung, dass sie nun noch etliche Jahre durchhalten. Der Gesamtverband der evangelischen Kirchengemeinden, die Landeskirche, das Amt für Denkmalpflege, nicht zuletzt auch spendenfreudige Korbacher Bürgerinnen und Bürger machten durch ihre finanziellen Zuwendungen diese kostenträchtige Restaurierung erst möglich. Im Spätsommer 2002 atmeten die Korbacher auf: Das Gerüst um den Turm konnte nach mehrjähriger Renovierungsarbeit wieder abgebaut werden.

Korbacher Roland

Der Korbacher Roland, der als Symbolfigur für mittelalterliche Gerichtsbarkeit einst auf dem Altstädter Marktplatz gestanden haben soll.

Nicht unerwähnt bleiben sollte die seltsame Geschichte des Korbacher Roland, der als Symbolfigur für mittelalterliche Gerichtsbarkeit einst auf dem Altstädter Marktplatz gestanden haben soll.

Es ist bekannt, dass die Waldecker Grafen immer bestrebt waren, die städtische Eigenständigkeit der Korbacher zu beschneiden. Diese befürchteten nun, dass man ihnen den Roland, der für sie auch ein Symbol der Unabhängigkeit war, entwenden könnte. Es wird erzählt, dass man ihn kurzerhand verschwinden ließ und unter den Heiligen des Kiliansportals versteckte. Hier geriet er allmählich in Vergessenheit und fristete sein Dasein als heiliger Georg oder heiliger Mauritius.

Erst 300 Jahre später (1937) wurde er wieder entdeckt. Sein heutiger Standort ist das Foyer des Korbacher Rathauses. Die am Torbogen des Rathauses aufgestellte Rolandfigur ist eine Nachbildung.

Kunstwerke in der Kirche

Beim Betreten der Kirche von ihrem Turmeingang her beeindrucken uns sofort die Größe, Weite und Höhe des Innenraums dieser gotischen Hallenkirche. Der Blick geht über den fast quadratischen, dreischiffigen Zentralraum zum Chor mit seinem Flügelaltar, der den ganzen Chorraum beherrscht. Vom so genannten Bildersturm, mit dem religiöse Fanatiker bei Einführung der Reformation in den zwanziger Jahren des 16. Jahrhunderts die Kirchen heimsuchten, blieben die Korbacher Kirchen verschont. Daher finden wir sie heute weitgehend noch so vor, wie sie zur Zeit der Erbauung ausgestaltet wurden. Zunächst bemerken wir kaum, dass wir beim Betreten der Kirche unseren Standort unter der Orgel haben. Sie wurde bei der ersten Kirchenrenovierung nach dem letzten Krieg (1957/58) vom nördlichen Seitenschiff an die Westwand versetzt.

Altarbild Passionsaltar

Von hier aus gelangen wir über mehrere Stufen in das niedriger gelegene Mittelschiff. An der Stirnseite des südlichen Seitenschiffes finden wir ein Epitaph (Grabdenkmal) der Korbacher Patrizierfamilie von Wolmeringhausen, errichtet zu Ehren des Johan von Wolmerckhusen, der 1577 verstorben ist. Es war sein 1619 verstorbener Sohn Josias, der das Steinhaus neben der Kilianskirche erwarb und 1604 zur Stadtwohnung ausbaute (heute ältester Teil des Museums). Neben dem Epitaph befindet sich eines der bedeutendsten Kunstwerke der Kirche, die Statuengruppe der Maria und der anbetenden HeiligenDrei Könige. Die Könige halten Geschenke in der Hand, die sie dem Christuskind auf dem Schoß der Maria darbringen wollen. Diese Gruppe ist in den Jahren zwischen 1420 und 1430 entstanden. Sie gehört wohl zu den reifsten Werken des Bildhauermeisters, der als Hauptmeister bei der Gestaltung des Südportals mitgewirkt hat. Weitere Werke des uns namentlich nicht bekannten Meisters, vor allem Madonnenstatuen, finden wir in westfälischen Kirchen, aber auch in einem Berliner Museum sowie im Landesmuseum zu Münster. Vermutlich von einem Schüler des Dreikönigsmeisters, der wohl auch am Südportal mitgearbeitet hat, stammt die Statue des Diakons, der als Pulthalter in der Nähe des Altars seine Aufstellung gefunden hat. In beiden Händen hält er ein Pult für die Heilige Schrift. Die künstlerische Gestaltung dieser Statue weist auf einen zeitlichen Zusammenhang mit der Dreikönigsgruppe.

Die steinerne Kanzel, zu der eine mehrstufige Treppe hinaufführt, finden wir an der nordöstlichen Säule des Mittelschiffs. In jeder Nische des achtseitigen Kanzelkörpers steht eine Heiligenfigur, darunter St. Kilian, St. Katharina, Maria mit dem Kind, Maria Magdalena, auch St. Antonius mit Stab und Glöckchen. Schmunzelnd bemerkt der Betrachter ein kleines Schwein, das an ihm heraufspringt. Über dem Schalldeckel thront eine Holzplastik, Maria mit dem Kind auf dem Arm. Dr. Ludwig Curtze, der Korbacher Heimatforscher, bemerkt dazu in seiner Geschichte und Beschreibung der Kirche St. Kilian (Arolsen, 1843): „Schade, dass die Kanzel und deren Bilder aufs geschmackloseste mit Oelfarbe bemalt ist.” Das gleiche Urteil hat er über die oben beschriebene Statuengruppe der Heiligen Drei Könige, „wobei sich denn der Mohrenkönig besonders grässlich schwarz ausnimmt”. Nicht unerwähnt bleiben sollte ein verhältnismäßig kleines Kruzifix an der Nordwand des Chores. Die Rundmedaillons an den vier Enden des Kreuzes zeigen die Symbole der vier Evangelisten. Kenner bezeichnen es als das älteste plastische Kunstwerk in Korbach und datieren es auf den Anfang des 14. Jahrhunderts. Vermutlich stammt es aus der kleinen romanischen Kirche, die an der Stelle der heutigen Kilianskirche stand.

Sakramentshäuschen

Ein Meisterwerk spätgotischer Steinmetzkunst ist zweifellos das etwa 15 Meter hohe Sakramentshäuschen. Es wurde von Bernd und Johannes Bunekeman aus Münster gefertigt. Die Meister verwendeten dafür einen Kalkstein aus der Nähe von Münster. Sakramentshäuschen waren zu Beginn des 15. Jahrhunderts in Mode gekommen. Sie lösten die bisher als Aufbewahrungsort des heiligen Sakraments dienenden Wandnischen (Tabernakel) ab. Über dem Gehäuse zur Aufnahme der Monstranz erhebt sich in sechs Geschossen ein aus vielen Pfeilern und Fialen bestehendes turmförmiges Kunstwerk. Der Vertrag der Stadt Korbach mit den Meistern aus Münster vom 13. Mai 1524, in dem alle Einzelheiten über Bau und Lieferung des Sakramentshäuschens geregelt wurden, befindet sich noch heute im Korbacher Stadtarchiv. Als Vorbild sollte das große Tabernakel in der Stiftskirche St. Peter zu Fritzlar dienen. Weitere Sakramentshäuschen der Meister Bunekeman stehen in der Kugelkirche zu Marburg, im Dom zu Münster, in der Wiesenkirche zu Soest und in vielen anderen westfälischen Kirchen. Das dem hoch und ein Meisterwerk Korbacher verwandteste Sakramentshäuschen finden wir in Lippstadt.

Der kostbarste Schatz der Kilianskirche ist wohl der Flügelaltar des uns namentlich nicht bekannten Korbacher Franziskanermönchs, der sich mit Palette und Pinsel in Demutshaltung vor dem Gekreuzigten kniend auf dem Hauptbild selbst dargestellt hat. Dieser Passionsaltar, der in vier Bildern auf den beiden Seitenflügeln und dem Hauptbild das Leiden und Sterben Jesu darstellt, stammt aus dem Jahr 1527. Er entstand also fast 10 Jahre nach dem Marienaltar der Nikolaikirche. In der Predella, dem Altaraufsatz unter dem Hauptbild, finden wir eine Gegenüberstellung des christlichen Abendmahls und des jüdischen Passahmahls. Auf den Rückseiten der doppelten Flügel sind neben Christus auch einige seiner Jünger dargestellt. Natürlich hat es der Maler nicht versäumt, auch die Stifter des Flügelaltars auf dem Hauptbild zu verewigen. Anbetend knien sie unter dem Kreuz: Graf Philipp III. von Waldeck in mittelalterlicher Ritterrüstung und in ein kostbares Brokatgewand gekleidet seine Gemahlin Anna von Cleve.

Es ist fast ein Wunder, dass die Kostbarkeiten der Kilianskirche die Jahrhunderte überdauert haben. Im Siebenjährigen Krieg, am Trinitatis-Sonntag 1759, befahl der französische Marschall Contades, die Kirche zu räumen. Es musste ein Mehlmagazin eingerichtet werden. 1760 diente sie nach der Schlacht bei Korbach als Lazarett für über 500 Verwundete. Da das Kirchengestühl total demoliert wurde, konnte der Gottesdienst erst 1763 wieder aufgenommen werden. Neues Gestühl bekam die Kirche jedoch erst 1764/65 wieder. Vorwiegend Blitzschläge verursachten zahlreiche Dacheinstürze. 1810 und 1830 stürzten Teile des Gewölbes ein und 1827 musste die Kirche sogar wegen Baufälligkeit auf Anordnung des Fürstlichen Consistoriums geschlossen werden. Das einst spitze Turmdach wurde 1581 und 1685 durch Blitzschlag und Brand vernichtet. An Stelle des gotischen Helmes erhielt die Kilianskirche 1709 eine barocke Haube. Dadurch wurde die Gesamthöhe des Turms um etwa 18 Meter verkürzt.

Altarraum

Die Jahreszahl des Baubeginns der Kilianskirche, 1335, wurde in einen der südöstlichen Strebepfeiler eingemeißelt. Die Jahreszahl der Vollendung fand sich im westlichen Gewölbeschlussstein des Mittelschiffs: „sub anno domini millesimo cccc quinquagesimo hoc opus completum” (im Jahre des Herrn 1450 wurde dieses Werk vollendet). Der Sitte jener Zeit folgend fügte man gleichzeitig dem Hauptbau einige Kapellen an. In der Kilianskirche waren es vier Kapellen, deren genauerBaubeginn heute nicht mehr in jedem Fall feststellbar ist.

Zwischen Chor und nördlichem Seitenschiff entstand gleichzeitig mit dem Chor die Kapelle St. Johannes Evangelista. Hier stand früher wahrscheinlich der 1357 gestiftete Altar Fabian! und Sebastiani. Einen Eingang gab es nur vom Chor her. Diese Kapelle, später auch Gerkammer genannt, dient seit der Reformation bis heute als Sakristei. An der Nordseite des Turmes stand eine Kapelle, die 1788 baufällig geworden war und daher ein Jahr später abgerissen wurde. Die Steine benutzte man zur Reparatur des Turmumgangs. Spuren vom Dach dieser Kapelle sind heute noch an der Seite des Turmes sichtbar. Die Kapelle des heiligen Kreuzes wurde 1383 erbaut. Sie befand sich zwischen Südportal und dem westlichen Strebepfeiler der Südseite; „an dem Pyler darby” hieß es in einer Urkunde aus dem Jahr 1434. Diese Kapelle diente als Totenkapelle. Sie stand noch 1687, wurde dann aber baufällig und bald darauf abgerissen. An ihrer Stelle wurde um 1690 ein zweistöckiger Anbau errichtet. Dieser diente seit 1706 den Grafen von Waldeck als Familienbegräbnis. Beerdigt wurde hier Graf Christian Ludwig von Waldeck, geboren 1635. Er erbte 1692 den Eisenberger Teil des Landes von Fürst Georg Friedrich, dessen Grabdenkmal in der Nikolaikirche errichtet wurde. Graf Christian Ludwig starb 1706. Er ruhte in dieser Kapelle mit seiner zweiten Gemahlin, der Gräfin Johannette, geboreneGräfin zu Nassau-Saarbrücken, seinem Sohn Carl Christian Ludwig, der als Generalfeldwachtmeister in der Schlacht bei Quistello im Herzogtum Mantua 1734 gefallen war, und dessen Neffen Carl Wilhelm, der 1735 als Siebenjähriger in Korbach verstorben war.

Im oberen Stockwerk befand sich bis zum Siebenjährigen Krieg die Kirchenbibliothek. Ein Abriss dieser Kapelle erfolgte 1836 „mit gnädigster Bewilligung des Fürsten”. Die hier bestatteten Familienmitglieder des Grafenhauses wurden in die Sakristei umgebettet. Auch diese Kapelle hat ihre Spuren hinterlassen. Der aufmerksame Beobachter kann sie an der Südwand der Kirche, links vom Südportal, entdecken. Die Marienkapelle steht noch heute in der Südwestecke zwischen Turm und südlichem Seitenschiff. Sie wurde Mitte des 14. Jahrhunderts erbaut. Der Eingang erfolgt von außen. 1443 wird sie „unser lieven frauwin büß” genannt. Auf einem Altar in dieser Kapelle stand noch bis 1757 eine steinerne Marien-statue mit dem Jesuskind. Wo mag sie geblieben sein? Nach der Reformation, als die Korbacher ihr Geld noch selber prägen durften, wurde die Marienkapelle der Überlieferung nach als „Münze” genutzt. Ob hier auch Münzen geprägt wurden, wird heute bezweifelt. Tatsächlich geht aus noch vorhandenen Unterlagen lediglich hervor, dass sich die „Münze” in der Nähe des Marktplatzes befunden haben soll. Hier entstand unter anderem auch der „Kilianer”, so genannt, weil auf der Hauptseite der hl. Kilian, in der Rechten ein Buch, in der Linken den Bischofsstab, eingeprägt war. Die Umschrift lautete „Moneta Nova Civitatis Corbeck”. 1567 wurde der Stadt Korbach das Münzrecht genommen. Ihr wurde vom Grafen „das Münzen” untersagt, weil die Münzen, vor allem der „Dreibätzner” zu geringhaltig geworden waren. Kaiser Maximilian II. hatte in einem Schreiben vom 17. Januar 1568 auf diesen Missstand Bezug genommen. Daraufhin wurden Münzer und Münzdiener verabschiedet. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts brachte man in dieser Kapelle die erste heimatkundliche Sammlung des Korbacher Heimatfreunds Carl Nelle unter. Sie wurde zum Grundstock des späteren Heimatmuseums Steinhaus neben der Kirche und des heutigen Museums.

Nach dem 2. Weltkrieg errichtete die Stadt in der Marienkapelle eine Gedenkstätte für die Opfer des Krieges 1939-1945. Auf einem steinernen Sockel ruht ein gefallener Krieger. Darüber schweben zwei schmiedeeiserne Engel; zwischen beiden brennt ein ewiges Licht. Auf Wechseltafelnwerden in einer Wandvitrine an ihrem Geburtstag die Namen der Kriegstoten in Erinnerung gebracht. Alljährlich findet hier am Volkstrauertag eine Gedenkfeier für alle Opfer des Krieges statt.

Literatur

Orgel
  • Eine lesenswerte Zusammenfassung zur Geschichte der Kirche findet sich auf: www.ev-kirche-korbach.de
  • Hans Osterhold, Meine Stadt - Korbacher Bauten erzählen Stadtgeschichte, 4. Auflage 2011 [1]

Orgel

Die neue Kuhn-Orgel wurde zu Ostern 2011 mit einem Fest am 16. und 17. April eingeweiht.

Serie und Autor

Die Serie

Kilianskirche - Seitenansicht

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA - Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt, 2011 bereits in der 4. Auflage.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serie geschrieben.

siehe auch

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. HNA-online vom 17.5.2011: Korbach-Buch von Hans Osterhold in neuer Auflage

Weblinks