Häuser in Korbach: Schulen am Westwall/Enser Tor

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Im Schulgebäude an der Enser Straße war künftig vorwiegend die Höhere Töchterschule untergebracht, deren Schülerinnen, darunter auch viele auswärtige, die Schule nach dem 10. Schuljahr mit dem Zeugnis der Mittleren Reife verließen.
Bis 1951 gab es in Korbach nur diese eine Volksschule am Westwall.

Neubau nach vielen Querelen

Es war schon immer die drückende Schulraumnot, die in Korbach zu Schulneubauten zwang. Als die Bürgerschule Im Sack, die auch die Höhere Töchterschule beherbergte, aufgrund wachsender Schülerzahlen aus allen Nähten platzte, kam man nicht umhin, einen Schulneubau in Aussicht zu nehmen. Trotz vieler Querelen und heftigen Widerstands durch Teile der Bevölkerung wurde schließlich ein Neubau am Enser Tor errichtet.

Nach Plänen des Baurats Müller, genannt „Bölke-Müller”, entstand an der südwestlichen Peripherie der Stadt 1903/04 ein neues Schulhaus im Stil der in Korbach mehrfach vorhandenen „Müller-Gotik”. Am 15. November 1904 konnte die Schule eingeweiht werden. Bereits wenige Jahre später erwies sich die neue Schule als viel zu klein. Ein sprunghafter Anstieg der Bevölkerungs- und damit auch der Schülerzahl machte einen weiteren Neubau notwendig. So entstand in den Jahren 1912/1913 in unmittelbarer Nachbarschaft am Westwall eine neue große Bürgerschule. Architekt war Wilhelm Opfermann aus Mengeringhausen, dessen Plan in einem Wettbewerb den ersten Preis errang. Opfermann hatte sich bereits mit dem Entwurf eines neuen Bebauungsplans für die Korbacher Stadtentwicklung hervorgetan. Im Schulgebäude an der Enser Straße war künftig vorwiegend die Höhere Töchterschule untergebracht, deren Schülerinnen, darunter auch viele auswärtige, die Schule nach dem 10. Schuljahr mit dem Zeugnis der Mittleren Reife verließen. Die Volksschulklassen 1 bis 8 fanden ihr neues Zuhause in der Schule am Westwall. Zwischen beiden Gebäuden gab es einen gemeinsamen Schulhof. Auch die Aula im älteren Gebäude wurde von beiden Schulen genutzt. Der Rektor der Bürgerschule war gleichzeitig auch Leiter der Höheren Töchterschule. Eine Trennung beider Schulen erfolgte 1939. Aus der Höheren Töchterschule wurde eine selbstständige „Mittelschule für Knaben und Mädchen”. Beide Gebäude erlebten nun eine wechselvolle Geschichte.

Im 2. Weltkrieg mussten zeitweise fremde Klassen als Gäste aufgenommen werden. Oft wurden aber auch Klassen ausgelagert, vor allem, nachdem die Schulen als Lazarett beschlagnahmt waren. Unmittelbar nach dem Krieg dienten beide Schulen als Flüchtlingslager. Nach dem 2. Weltkrieg änderte sich die Korbacher Schullandschaft total.

Aus der Mittelschule wurde eine Realschule, die heute in der Louis-Peter-Schule ihre Heimat hat. Die Schule am Enser Tor ist seit 1977 eine Schule für Lernhilfe (früher Sonderschule), die Schule am Westwall eine Grund-schule. Beide Schulgebäude wurden nach dem Krieg durch Erweiterungsbauten vergrößert. Wer weiß heute noch, dass es die spätere Schulstraße bis zum Bau der Schule am Enser Tor überhaupt noch nicht gab? An der Stadtmauer „Im Sack” war die Stadt zu Ende. Um den Schülern den Schulweg zu verkürzen, mussten die Stadtmauern am oberen Ende der späteren Freilichtbühne erst einmal durchbrochen werden. Der untere Teil des Westwalls, der früher bis zur Enser Straße führte, wurde erst viel später als öffentliche Straße aufgehoben und in das Schulgelände einbezogen. Bis 1951 gab es in Korbach nur diese eine Volksschule am Westwall. Es folgten später die Neubauten an der Marker Breite, der Berliner Schule und der Humboldt-Schule, Dadurch wurden die Schulwege erheblich verkürzt. Ob den heutigen Schülern wohl bewusst ist, dass ihre Großeltern Tag für Tag, bei Hitze und Kälte, einen ungleich weiteren und beschwerlicheren Schulweg zurückzulegen hatten? Von der „Kolonie”, vom Lülingskreuz, vom Ende der Oststraße und der Briloner Landstraße bis zum Westwall - und mittags wieder zurück.

Die Schulleiter der Bürgerschule und der Höheren Tochterschule

[[ 1890]] - 1920 Rektor Georg Schierholz, 1920 - 1923 Rektor Christian Graf, 1923 - 1933 Rektor Karl Grimm, 1933 - 1937 Konrektor Ludwig Ladage, 1937 - 1939 Rektor Konrad Cradaus.

Die Schulleiter der selbstständigen Mittel-bzw. Realschule:

1939 - 1941 Rektor Erwin Fette, 1941 - 1952 Rektor Adolf Brauer (Stelleninhaber, kam aus dem Krieg nicht zurück), 1941 - 1946 Lehrerin Agnes Jeß, [1946] - 1952 Konrektorin Luise Seilhausen, 1952- 1961 Rektor Alfred Kuprian, 1961 - 1967 Rektor Günther Eidam, 1967 - 1968 Konrektor Rolf Sturm. 1968 - 1991 Rektor Gerhard Wohlfart, 1991 - 2005 Rektor H. Henning Segler, 2005 Michael Gering.

Die Schulleiter der Bürgerschule, jetzt Westwallschule

1939 - 1945 Rektor Konrad Cradaus, 1945 - 1947 Rektor Georg Volkenand, 1947 - 1951 Lehrer Alfred Michels, 1951 - 1965 Rektor Heinrich Fingerhut, 1965-1968 Rektor Gerhard Wohlfart, 1969 - 1997 Rektor Bruno Anweiler, 1997 Rektorin Cudrun Gottmann.

Die Schulleiter der Schule für Lernhilfe

1972-1991 Rektor Ulrich Witt, 1991 - 2007 Rektorin Ute Riemenschneider, 2007 Michael Hölscher

Die Serie

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serien geschrieben.