Häuser in Korbach: Rube`sche Häuser

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Das zweigeschossige Haus ruht auf einem Werksteinsockel. Es ist bedeckt mit einem Satteldach mit Krüppelwalm.

Wo einst Mediziner wohnten

Das größte und älteste Fachwerkhaus in der Dalwigker Straße ist das erste auf der linken Straßenseite gelegene Haus der Rube‘schen Familienstiftung (Haus Nr. 1). Alle anderen Häuser sind erst später entstanden, nachdem die alte Bebauung durch Brand oder Abriss verschwunden war. Das zweigeschossige Haus ruht auf einem Werksteinsockel. Es ist bedeckt mit einem Satteldach mit Krüppelwalm. Über der später nach innen gelegten Haustür befindet sich ein Zwerchhaus. Vier zur Straße weisende Dachgauben sind neueren Datums. Heute ist auch das Dachgeschoss zu Wohnzwecken ausgebaut. Rechts neben dem Haus befindet sich eine überdachte fränkische Toreinfahrt. Sie ist die Verbindung zum Nachbarhaus (Nr.3), das ebenfalls zum Familienbesitz gehört. Die hinter dem Haus gelegene Scheune und ein Stall wurden vor Jahren abgerissen.

Auf dem Grundstück befand sich 1690 ein Haus des Praeceptors Conrad Kaudel. Sein Vater war Pfarrer in Sachsenhausen, wo er auch als Emeritus 1683 verstorben ist. Die ersten Eintragungen im Sachsenhäuser Kirchenbuch stammen von ihm.

Der nächste Besitzer war ab 1698 Bürgermeister Johannes Scriba (1673-1738), der seinem Sohn Hermann (1702-1769), ebenfalls Bürgermeister der Stadt Korbach , das Anwesen vererbte. Hermann Scriba ließ 1744 das Haus abreißen und das heute noch stehende Fachwerkhaus errichten. Als sein einziger Sohn Carl Henrich Christian 1762 ohne männliche Nachkommen starb, ging das Haus 1767 in den Besitz des Forstsekretärs Christoph Rube (1740-1797) über, er war ein Enkel des Erbauers und Begründer der heute noch in Korbach ansässigen Familien Rube. Sein Vater war der Arolser Kammerrat Ludwig Felix Rube.

Von nun an ist die Geschichte des Hauses verbunden mit der Rube‘schen Familiengeschichte. In den nächsten drei Generationen erbten jeweils die ältesten Söhne das Anwesen: Hofrat Dr. med. Friedrich Rube (1806), Kreisphysikus Dr. med. Friedrich Rube (1854) und Sanitätsrat Dr. med. Wolrad Rube (1878).

Nachdem Dr. Wolrad Rube 1905 kinderlos verstorben war, ging das Anwesen in den Besitz der „Dr.med.-Wolrad-Rube-Familienstiftung” über.

Auch das an der Ecke Dalwigker Straße/Butterturm gelegene Nachbarhaus gehört seit 1809 zum Besitz der Familie Rube. Hofrat Dr. Friedrich Rube hatte zuvor das hier ursprünglich stehende Gerbracht‘sche Haus gekauft und abreißen lassen. Nachdem Mitte des 19. Jahrhunderts auch das am Butterturm gelegene Haus Fisseler gekauft und abgerissen worden war, entstand hinter den Gebäuden ein schöner und sehenswerter Garten, der heute von der Familie Leyhe, Bewohner des Hauses Nr. 3, liebevoll gepflegt wird.

Woher die Dalwigker Straße ihren Namen hat
Zwischen dem Krollsberg, den Korbachern auch bekannt als „Müllers Berg”, und dem Dalwigker Holz findet der Wanderer einen Gedenkstein mit der Inschrift „Hier lag das Dorf Dalwigk 1036 - 1624”. Dalwigk wurde im Dreißigjährigen Krieg verlassen und verfiel. Die Adelsfamilie von Dalwigk führt ihren Namen auf diese Ansiedlung zurück. Die heutige Gemeinde Dalwigksthal, Ortsteil von Lichtenfels, gibt es erst seit 1851. Die Ausfallstraße, die vom Altstädter Marktplatz in Richtung Südosten führt, wurde nach dem etwa 2 Kilometer entfernt gelegenen Ort Dalwigk benannt. Das Dalwigker Tor, ein Doppeltor, war eines der fünf Korbacher Stadttore. Es wurde 1843 mitsamt der über dem Tor befindlichen Pförtnerwohnung abgerissen. Tränketor, Berndorfer Tor und Lengefelder Tor waren bereits verschwunden. Es stand nur noch das Enser Tor, das aber auch 1858 auf Anordnung der fürstlichen Regierung niedergelegt wurde mit der Begründung, dass wiederholt größere Wagen in den engen Tordurchfahrten steckengeblieben waren. Von den fünf Stadttoren sind lediglich Teile des Enser Tors erhalten geblieben. Der Abbruch des Dalwigker Tors erfolgte, als man eine Landstraße nach Wildungen plante. Die Verbindungsmauer zwischen dem inneren und äußeren Tor steht als unterer Abschluß des Hospitalhagens heute noch. Leider sind die Schießscharten nicht mehr zu sehen, da das Gelände hier stark aufgefüllt wurde.

Die Serie

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serien geschrieben.