Häuser in Korbach: Polizeistation

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Das Gebäude wurde in den Jahren 1921/22 errichtet, in einer Zeit also, in der es unserem Lande wirtschaftlich nicht gut ging. Bauherr muss wohl der Freistaat Waldeck gewesen sein.

Wo einst der Landrat residierte

Auch wenn nicht ein großes Schild mit der Aufschrift POLIZEI daraufhinweisen würde, man sähe es diesem Haus in der Hagenstraße/Ecke Nordwall ohnehin an, dass es sich um ein öffentliches Gebäude handelt. Es beherbergt seit 1958 eine Polizeidienststelle, heute die Polizeidirektion für den Großkreis Waldeck-Frankenberg.

Das Gebäude wurde in den Jahren 1921/22 errichtet, in einer Zeit also, in der es unserem Lande wirtschaftlich nicht gut ging. Bauherr muss wohl der Freistaat Waldeck gewesen sein. Schriftliche Unterlagen darüber waren weder bei der Stadt Korbach, der Kreisverwaltung, auch nicht beim Staatsbauamt in Bad Arolsen vorhanden.

Es wurde errichtet als Landratsdienstgebäude für den Kreis des Eisenbergs.

Wir erinnern uns: Im Freistaat Waldeck gab es damals drei Kreise, nämlich den Kreis des Eisenbergs (Kreisstadt Korbach), den Kreis der Eder (Kreisstadt Bad Wildungen) und den Kreis der Twiste (Kreisstadt Arolsen).

Die räumliche Enge der Kreisbehörden, die auf mehrere Häuser der Kreisstadt verteilt waren, machten einen Neubau notwendig. Nun errichtete man nicht etwa - wie später ja geschehen - ein Kreishaus, in dem man alle Dienststellen des Kreises hätte unterbringen können. Man entschied sich dafür, dem amtierenden Landrat ein repräsentatives Wohnhaus zu bauen. Im Bauschein vom 12. Juni 1920 heißt es „Landratsdienstgebäude nebst Wirtschaftsgebäude und Kutscherwohnung”.

„Auf dem Hagen”, einem landeseigenen Grundstück, wurde in recht kurzer Bauzeit der Neubau erstellt. Am 1. April 1921 war die Rohbauabnahme, im Oktober konnte das Haus bereits bezogen werden. Erst in dieser Zeit erhielt die heutige Hagenstraße ihren Namen. Vermutlich verzichtete man damals auf eine Einweihungsfeier, jedenfalls berichtet die örtliche Presse nichts darüber. In wenigen Zeilen wird am 28. Oktober 1921 mitgeteilt, dass das Gebäude bezogen wurde. Erstbezieher war der amtierende Landrat Ernst Klapp mit seiner Familie. Er hatte die bisherige Landratswohnung im damaligen Kreishaus, dem heutigen Gebäude der Hessischen Brandversicherung in der Prof.-Bier-Straße, freigemacht.

Dadurch konnten dort Diensträume entstehen, die sofort vom Versicherungsamt, dem Sektionsvorstand, der amtlichen Fürsorgestelle, dem Getreidewirtschaftsbüro und dem Zuwachssteueramt bezogen wurden.

Diese Dienststellen waren bis dahin im Wille‘schen Haus am Berndorfer Tor (heute Haus Behle) untergebracht. Man hatte dem Landrat, der nach preußischem Vorbild eine hoch angesehene Persönlichkeit war, ein recht komfortables Domizil eingerichtet. Ein Landrat fuhr damals nicht mit einem Automobil in die Gemeinden seines Kreises, wenn er dienstlich dort zu tun hatte. Es war seinem Stande angemessen, mit einem Kutschwagen gefahren zu werden. Zum Gebäudekomplex gehörten daher ein Pferdestall mit darüberliegender Kutscherwohnung und eine Remise für den Kutschwagen. Kutscher Schüttler, dessen Nachkommen heute noch in Korbach leben, war eine geachtete Persönlichkeit. Die alten Korbacher erinnern sich noch gut, wie er stolz auf dem Bock sitzend seinen Landrat über Land kutschierte. Landrat Ernst Klapp blieb bis 1936 im Amt. Er wurde 1937 von Dr. Gert Kloeppel abgelöst, der mit seiner Familie ebenfalls die Landratsdienstwohnung in der Hagenstraße bezog. Dr. Kloeppel war nur kommissarisch mit dem Amt betraut worden. Er wurde 1939 zur Wehrmacht eingezogen und zunächst von seinem Vorgänger, später vom Landrat des Kreises der Twiste, Fritz Marquardt, vertreten.

Landrat im Kreis der Eder war damals Gebhard von Trotha (1925-1933), ihn löste 1934 Hans von und zu Gilsa ab (1934-1942). Als 1942 die drei waldeckischen Kreise zum Landkreis Waldeck zusammengeschlossen wurden, setzte man Fritz Marquardt als Landrat des neuen Großkreises ein.

1945 übernahm die amerikanische Besatzungsmacht die Herrschaft. Sie stellte die frühere Dreiteilung mit von ihr eingesetzten Landräten wieder her. Dieser Zustand war jedoch von kurzer Dauer. Es hatte sich nämlich herausgestellt, dass der Zusammenschluss von 1942 nicht eine NS-Maßnahme gewesen war. Auf Anordnung der Militärregierung entstand der Großkreis Waldeck dann zum zweiten Mal.

Die Diensträume des Landratsamtes in der Prof.-Bier-Straße wurden beschlagnahmt. Hier residierte ab 1945 die amerikanische Militärregierung. Auch die Dienstwohnung des Landrats in der Hagenstraße musste für die Besatzungsmacht geräumt werden. Erst Anfang der fünfziger Jahre stand sie wieder der Kreisbehörde zur Verfügung. Bis das neue Kreishaus in der Pommernstraße 1957 bezogen werden konnte, verteilte man die Dienststellen wieder auf mehrere Gebäude der Stadt. Die Gebietsreform und die 1974 erfolgte Vereinigung der Kreise Waldeck und Franken-berg zum Großkreis machten den Bau des jetzigen Kreishauses am Südring notwendig.

Die Landräte nach 1945

Die Amerikaner setzten 1945 als neuen Landrat den Versicherungs-Generalvertreter Matthias Kurth ein. Nach der ersten Kreistagswahl nach dem Krieg vom 28. April 1946 wurde am 1. Juni 1946 als erster demokratisch gewählter Landrat Dr. jur. Oscar Hanke ins Amt berufen. Nach sechzehnjähriger Aufbauarbeit löste ihn am 3. Januar 1963 Dr. jur. Karl-Hermann Reccius ab, zuvor Oberregierungsrat beim Regierungspräsidenten in Kassel. Ihm folgten Dr. Günter Welteke und Dr. Dr. Horst Bökemeier. An dessen Stelle trat nach einer Direktwahl im Oktober 1997 Helmut Eichenlaub. Ihm folgte nach der Landratswahl 2010 Dr. Reinhard Kubat (SPD).

Die Serie

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serie geschrieben.