Häuser in Korbach: Patrizierhäuser in der Pforte

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Warum diese Gasse in Korbach, in der nur drei Häuser stehen, „In der Pforte” heißt, ist heute nicht mehr bekannt. Die beiden Patrizierhäuser (Nr. 1 und Nr. 2) wurden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf alten Hausstätten errichtet und sind seitdem äußerlich nur geringfügig verändert worden.

Das Aussehen kaum verändert

In den Jahren 1988/89 entstand auf dem Gelände früherer Anliegergärten an der Oberstraße einer der neuen innerstädtischen Parkplätze. Die in jeder Hinsicht gut gelungene Gestaltung dieser Anlage gestattete auch die Verlegung des Wochenmarktes an diesen Platz, der seitdem von den Korbachern - zwar inoffiziell - „Obermarkt” genannt wird.

Vom oberen Parkdeck aus hat man heute einen freien Blick auf die alten Fachwerkhäuser an der kurzen Verbindungsgasse zwischen Oberstraße und Ascher.

Das Haus Nr. 1, wurde 1747 von dem Landrentmeister und Oberbürgermeister Henrich Conrad Wilstach erbaut. Das hier ursprünglich befindliche Haus des StadtcommissariusGeorg Heise war beim großen Stadtbrand von 1664 abgebrannt oder zumindest sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. Da es nur notdürftig wiederhergestellt wurde, war ihm, wie vielen anderen teilzerstörten Häusern der Stadt, keine lange Lebensdauer beschieden. Es wurde 1747 abgerissen. Der an das Haus grenzende Garten konnte erweitert werden, nachdem zwei zur Ketzerbach hin gelegene Häuser 1756 bzw. 1819 abgerissen worden waren. Sowohl das alte als auch das für die damalige Zeit recht aufwendig gebaute neue Haus wurde stets von Honoratioren der Stadt bewohnt. Als Besitzer sind u.a. angegeben: Stadtsekretär Heinrich Bilstein, Amtsverwalter Anton Contzen, Unterbürgermeister Joh. Hermann Stuhlmann, Hofgerichtsrat Heinrich Ernst Wigand, Obergerichts- und Hofrat August Rhode, schließlich Veterinärrat Dr. Hans Hartwig, der das Haus 1920 erwarb und später im Innern völlig umbauen ließ. Nahezu achtzig Jahre blieb das Anwesen im Besitz der Familie Hartwig. 1998 wechselte es seinen Besitzer. Die neuen Eigentümer richteten hier eine Arztpraxis ein.

Das Haus "In der Pforte 2" wurde 1718/20 als zweigeschossiges Fachwerkhaus mit Zwerchhaus von Pfarrer Ludwig Scriba aus Berndorf errichtet.

Wer vor der Brandkatastrophe von 1664 hier gewohnt hat, konnte nicht festgestellt werden. Vermutlich befanden sich hier Stall und Scheune eines Nachbarn. Nächster Besitzer wurde 1748 Anna Elisabeth Scipio, Witwe des Hofrats Ernst Ludwig Scipio, von der es 1766 Stadtkommissar und Regierungsrat Johannes Hagenbusch erwarb. 1807 wurde Landcommissar Conrad Hermann Wittmer, Pächter des Hofguts Lengefeld, Besitzer. Von dessen Neffen Carl Wittmer kaufte 1863 Philipp Theodor Waldeck, Pfarrer an St.Kilian, das Anwesen, um es schließlich 1864 seinem Sohn Justizrat Julius Waldeck zu vererben. Nach dessen Tod übernahm 1907 eine Erbengemeinschaft den Besitz. Dazu gehörten unter anderem Maria Engelhard und Meta Leiß, beide Töchter von Justizrat Julius Waldeck. Maria war die Frau des Kreisamtmanns Hermann Engelhard, Meta war seit 1881 mit Professor Albert Leiß verheiratet. Das Amtszimmer des Justizrats Julius Waldeck schmückten jahrelang die so genannten „Josephsgemälde”, die Begebenheiten der Josephsgeschichte aus dem 1. Buch Mose darstellen und bis dahin im Saal des Gasthauses „Waage”, dem ehemaligen Gericht, hingen. Nach gründlicher Restaurierung fanden sie schließlich einen Platz im Korbacher Museum.

Hinter dem Hartwig‘schen Haus, zum Ascher hin, wurde 1813 eine Scheune gebaut. Sie brannte in einer Novembernacht 1902 unter mysteriösen Umständen ab. Auf der Brandstätte wurde 1903 eine neue Scheune errichtet, in Korbach bekannt als Waldeck‘sche Scheune. Die Besitzer verkauften sie 1955 an den Glasermeister Adam Hartwig, der sie zu einem Wohn- und Geschäftshaus mit Werkstatt und Garage ausbaute. Heute ist das Haus, In der Pforte 3, im Besitz seiner Erben.

Professor Albert Leiß, Ehrenbürger der Stadt Korbach

Albert Leiß wurde am 4. Oktober 1852 als Sohn des Rentmeisters Karl Leiß aus Kleinheßlingen in Kassel geboren. Seine Mutter Luise stammte aus Rinteln. Durch seine Tätigkeit am damaligen Landesgymnasium kam er 1878 nach Korbach.

Als Lehrer für alte Sprachen und Geschichte wirkte er in dieser Schule bis zu seiner 1891 erfolgten Versetzung an das Realgymnasium in Wiesbaden. Zehn Jahre zuvor hatte er Meta Waldeck, eine Tochter des Justizrats Julius Waldeck, geheiratet.

Professor Albert Leiß erwarb sich große Verdienste bei der Erforschung der Korbacher Stadtgeschichte. Ab 1890 begann er, die städtischen Urkunden, Akten und Handschriften, die 1664 vom großen Brand verschont geblieben waren und verstaubt und ungeordnet auf dem Boden des Rathauses lagerten, zu erfassen und zu ordnen. In jahrelanger Arbeit, die er auch nach seiner Versetzung nach Wiesbaden fortsetzte, schrieb er hunderte von alten Urkunden ab, übersetzte sie und erstellte zahlreiche Regesten (Urkundsverzeichnisse). Dabei entdeckte er viele wichtige und kostbare alte Handschriften.

Nachdem er 1917 in den Ruhestand versetzt worden war, verlegte er 1925 seinen Wohnsitz wieder nach Korbach.

Wegen seiner Verdienste um die Korbacher Stadtgeschichte, seiner Arbeit für das Heimatmuseum und die Richard-Waldeck-Bibliothek wurde er 1926 zum Ehrenbürger ernannt. Er starb am 4. Februar 1929.

Bürgermeister Dr. Zimmermann schrieb in seinem Nachruf: „Mit Herrn Professor Dr. Leiß ist nicht nur ein vorbildlicher Forscher und Lehrer, der mit großer Liebe und Ehrfurcht dem Kleinsten begegnete, von uns gegangen, sondern auch ein guter Mensch mit tiefsten Herzensgaben, mit treuem Gemüt”. Studiendirektor Dieterich würdigte im Nachruf des Landesgymnasiums besonders die Tatsache, dass der Heimgegangene „auch nach seiner Rückkehr in die ihm zur zweiten Heimat gewordenen Stadt Corbach dem Landesgymnasium und seinem Lehrkörper durch Rat und Tat treue Anhänglichkeit bewiesen hat."

Die Serie

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serie geschrieben.