Häuser in Korbach: Museumsinsel

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Zu Beginn des 17. Jahrhunderts ist das Gebäude im Besitz der Familie von Wolmeringhausen. Die aus Meineringhausen stammende Familie ließ das Steinhaus damals zu einer repräsentativen, mit einem Kamin beheizbaren Stadtwohnung umbauen.

Häuser aus sieben Jahrhunderten unter einem Dach

Von 1323 bis 1997 reichen die Baudaten der Gebäude auf der Korbacher Museumsinsel. Als einzigartiges und preisgekröntes architektonisches Ensemble sind sie heute unter dem gläsernen Dach des Museums vereinigt. Das älteste Haus auf der Museumsinsel, das gotische Steinhaus, stammt somit noch aus der Zeit, als die Korbacher Altstadt und die Neustadt zwei eigenständige Städte bildeten. Die Rüsthölzer, die noch heute als Stümpfe in den Außenmauern des Steinhauses stecken, datieren das Gebäude in das frühe 14. Jahrhundert. Sehr wahrscheinlich hat damals ein wohlhabender Korbacher Kaufmann, vergleichbar vielleicht den Angehörigen der Kaufmannsfamilie Rinck, dieses Haus als feuersicheres Warenlager unmittelbar im Zentrum der späteren Hansestadt errichten lassen. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts ist das Gebäude im Besitz der Familie von Wolmeringhausen. Die aus Meineringhausen stammende Familie ließ das Steinhaus damals zu einer repräsentativen, mit einem Kamin beheizbaren Stadtwohnung umbauen. Seit 1925 beherbergt das Steinhaus das Städtische Museum.

Über den im Volksmund als „Alte Schmiede” bezeichneten südlichen Anbau des Steinhauses ist wenig bekannt. Die Überlieferung besagt, dass sich an dieser Stelle einst eine Kapelle befunden habe, von der aber keine Spuren erhalten sind. Die Bezeichnung als Schmiede rührt vielleicht daher, dass Ende des 16. Jahrhundert an dieser Stelle der Goldschmied Titmarkausen wohnte. Das heutige Obergeschoss aus Fachwerk ließ 1896 der Malermeister Hermann Nieschalk für seine Werkstatt errichten.

Als eigenständiger Baukörper ist der heutige Museumseingang konzipiert. Der durch seine eigenwillige Formgebung mit abgeschrägtem Dach und schrägstehenden Wänden aus der östlichen Museumsfassade herausspringende Bau nimmt Bezug auf das Südportal der Kilianskirche. An dieser Stelle befand sich in früheren Jahrhunderten ein Durchgang vom Kirchplatz zur Stechbahn. Das Fachwerkhaus Kirchplatz 4 südlich des Museumseingangs ist heute nur vom Museumsfoyer aus zugänglich. Es stammt in seiner jetzigen Form aus dem Jahr 1731 und wurde im Zuge der Museumserweiterung aufwändig saniert. Mehrere Vorgängerbauten, die bis in das 14. Jahrhundert hinabreichen, sind durch Urkunden und Grabungsbefunde bekannt.

Die Hausstelle gehörte im Mittelalter der Altstädter Pfarrei. Die verschiedenen, auf dieser Hausstelle errichteten Gebäude dienten der Kirche als Küsterei und Schulgebäude. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist das Haus in städtischem Besitz. Zum Marktplatz hin begrenzt das sogenannte Haus Mirk die Museumsinsel. In dem wohl zu Beginn des 18. Jahrhunderts errichteten Ge- bäude befindet sich heute die Museumswerkstatt. Die Westseite dieses Hauses wird seit 1997 von der markanten, in die Stechbahn vorspringenden „Nase” des langgezogenen Kabinetts 3 des Museumsneubaus überragt. Die Kabinette entlang der Stechbahn stehen als eigenständige Gebäude an der Stelle mittelalterlicher Hausstellen.

Mittelalterliche Motive

Auch die „Brandgassen” zwischen den Kabinetten nehmen ein Motiv der mittelalterlichen Bebauung, deren Grundmauern bei den Ausgrabungen nachgewiesen werden konnten, auf. Heftig diskutiert wurde während der Museumserweiterung die Frage des Erhalts des aus dem frühen 18. Jahrhundert stammenden Längsdielenhauses Stechbahn 15. Der Kompromiss, dem modernen Baukörper eine historisierende Fassade vorzusetzen, suchte nach außen hin das gewohnte Bild zu bewahren und im Innern die archi- tektonische Konzeption eines vielfältigen, um einen offenen Hof gruppierten Gebäudeensembles nicht zu beeinträchtigen. Der Abriss des Fachwerkhauses zerstörte zwar die jahrhundertealte bauliche Einheit zwischen Fachwerkhaus und Steinhaus, ermöglichte aber zugleich erstmals einen Blick auf die westliche Traufwand des gotischen Baus. Die Informationstafeln zur „Spurensuche” ermöglichen dem Museums-besucher heute, von der Galerie im Obergeschoss des Museums aus die Geschichte dieser baulichen Einheit nachzuvollziehen. Nach Norden hin wird die Museumsinsel von der sog. Range‘schen Scheune begrenzt. Das aus Kalkstein errichtete Gebäude wurde 1905 vom Gastwirt Range an der Stelle einer zuvor abgebrannten Scheune erbaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude ebenso wie zuvor schon 1934 der nördliche Anbau an das gotische Steinhaus für eine frühere Museumserweiterung nutzbar gemacht. Heute befinden sich die Abteilungen „Stationen der Stadtgeschichte”, „Josephsgemälde” und „Burg Eisenberg” in diesem Gebäude.

So verschieden die Geschichte der Gebäude auf der Korbacher Museumsinsel ist, so vielfältig präsentieren sich die verschiedenen Ansichten des Gebäudeensembles: Fast 700 Jahre alte steinerne Fassaden aus heimischem Kalkstein, jahrhundertealte Fachwerkwände, moderne Muschelkalkfassaden und großzügige gläserne Ein- und Ausblicke wechseln miteinander in steter Folge ab. Wer das Gebäude mit einem Blick erfassen will, der steige auf den Turm der Kilianskirche. Von dort oben ist die Konzeption der Museumsarchitektur am besten zu erfassen. So wie die Stadt um den Marktplatz herum gewachsen ist und heute aus ganz verschiedenen und unterschiedlich alten Gebäuden besteht, so entwickelt sich das Museum als Marktplatz der Geschichte aus vielen seltstständigen, sehr alten und sehr modernen Gebäuden zu einem neuen Ganzen.

Die Serie

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serie geschrieben.