Häuser in Korbach: Kirchstraße 22

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Im Haus befinden sich heute Wohnungen und noch immer eine Arztpraxis.
Eine Inschrift über dem Portal des Hauses: Dieses Haus hat mit Hilfe Gottes errichten lassen die Witwe Heinrich Sölzers, des einstigen Rektors des Korbacher Gymnasiums, Anna Ortwein. Am 16. August des Jahres 1665.

Jahrhunderte in Familienbesitz

Eines der ältesten Häuser in der Korbacher Neustadt ist das Fachwerkhaus Ecke Kirchstraße/Oberstraße - schräg gegenüber dem früheren von Hanxledenschen Gutshof, dem heutigen Bürgerhaus. Ursprünglich stand an dieser Ecke eine Scheune des Gutshofes, die 1678 errichtet und 1957 abgerissen wurde. Dieses Grundstück wurde nicht wieder bebaut. Es ist heute ein Teil des Parkplatzes am Obermarkt. Erst nach dem Abbruch der Scheune geriet das heutige Eckhaus ins Blickfeld. Der damalige Besitzer, Dr. med. Otto Dumke, ließ es gründlich renovieren. Seitdem kommt seine schlichte Schönheit so recht zur Geltung. Das Haus wurde 1665 auf einer aus dem Vorjahr stammenden Brandstätte errichtet. Eine Inschrift über dem Portal des Hauses gibt uns darüber nähere Auskunft: HANG DOMUM ADJUVANTE DEO EXTRUENDAM CURAVIT HENRICI SOLZERI GYMNASII CORBACCENSIS OLIM RECTORIS RELICTA ANNA ORTWIN.ANNO 1665 DIE 16.AUGUSTI. (Dieses Haus hat mit Hilfe Gottes errichten lassen die Witwe Heinrich Sölzers, des einstigen Rektors des Korbacher Gymnasiums, Anna Ortwein. Am 16. August des Jahres 1665). Anna Ortwein war eine Tochter des Magisters und Pfarrers an der Nikolaikirche Hermann Ortwein (Ortwinius). Über ihren Mann Heinrich Sölzer, den Lehrer und späteren Rektor des Gymnasiums, wissen wir recht wenig. Als gebürtiger Sachsenhäuser war er von 1624 bis 1626 Lehrer in seiner Heimatstadt. 1631 erwarb er das Bürgerrecht in Korbach, wo er von 1626 bis 1637 zunächst als Subkonrektor und von 1637 bis zu seinem Tode als Rektor des Gymnasiums tätig war. Seine Amtszeit fiel in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Es ist zu vermuten, dass er kein leichtes Amt innehatte. Zur Zeit der Erbauung dieses Hauses war er bereits tot. Nächster Besitzer war ab 1674 sein Sohn Henricus, der ebenfalls Lehrer (Conrector) am hiesigen Gymnasium war. Es ist bemerkenswert, dass dieses Haus seit seiner Erbauung im Jahr 1665 bis 1923 immer im Besitz der Familie geblieben ist. Es wurde bis dahin niemals veräußert, sondern gelangte jeweils durch Einheirat oder Vererbung in den Besitz des nächsten Eigentümers. Im Häuserbuch der Stadt Korbach sind die Namen aufgeführt: Sölzer, Turna, Schalk, Schönhard, Steuernagel und Küttler. Der aus Lützen stammende, mit einer Korbacherin (Käthe Steinrück) verheiratete Arzt Dr. Otto Dumke erwarb das Haus 1923. Seine Witwe übernahm das Anwesen 1941. Noch heute ist es im Besitz der Nachkommen der Familien Dumke/Kümmell. Im Haus befinden sich heute Wohnungen und noch immer eine Arztpraxis.

Die Serie

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serie geschrieben.