Häuser in Korbach: Im Sack 2

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Auch dieses Haus hat wie die meisten alten Korbacher Bauten eine wechselvolle Geschichte. Das Baujahr ist nicht exakt zu ermitteln. Im Rauchfang-Hühnerregister ist es seit 1691 verzeichnet.

Posthalterei und Friseursalon

Die Straße mit der eigenartigen Bezeichnung „Im Sack” beginnt am früheren inneren Lengefelder Tor, führt von dort in südöstliche Richtung und mündet schließlich nach Überquerung der Schulstraße in die Violinenstraße. Sie verdankt ihren Namen der Tatsache, dass sie früher eine Sackgasse war. Einst endete sie an der alten Stadtmauer, die am oberen Ende der heutigen Violinenstraße die Altstadt von der Neustadt trennte.

Ein Tor zwischen Alt- und Neustadt gab es dort nicht. Nachdem diese Mauer 1598 abgerissen worden war und 1904 die Mauern oberhalb der heutigen Freilichtbühne wegen Verlängerung der Schulstraße durchbrochen wurden, war die Sackgasse nach allen Seiten hin offen. Ihren Namen „Im Sack” hat sie bis heute behalten.

An der Ecke Lengefelder Straße/Im Sack steht eines der größeren Fachwerkhäuser der einstigen Neustadt. Es wurde auf einer beim Stadtbrand von 1664 entstandenen Brandstätte errichtet. Das Baujahr ist nicht exakt zu ermitteln. Im Rauchfang-Hühnerregister ist es seit 1691 verzeichnet. Das zweigeschossige Fachwerkhaus mit 15 mal 10 Gefachen ruht auf einem Werksteinsockel. Die Eckpfosten sind gequadert. Das Satteldach mit Krüppelwalm und Zwerchhaus weist mit seiner Traufseite zur Straße hin. Die später zwischen dem Haus und dem Tylenturrn errichteten Wirtschaftsgebäude wurden bei der Turmsanierung 1996/97 abgerissen.

Auch dieses Haus hat wie die meisten alten Korbacher Bauten eine wechselvolle Geschichte. Als erster Besitzer wird 1696 der Bäckermeister Georg Vesper aus Goddelsheim genannt. Er kaufte später das Haus Lengefelder Straße 3, heute Gasthaus „Zur Krone”. Viele der nachfolgenden Besitzer waren Bäckermeister. Ab 1758 beherbergte das Haus eine Gastwirtschaft. Entgegen üblicher Gepflogenheit hatte sie allerdings keinen Namen. Über Jahrzehnte befand sich dort die Korbacher Posthalterei. Nachdem 1922 der Dachstuhl durch ein Feuer zerstört worden war, erwarb die Stadt Korbach das Gebäude. Sie nutzte es teilweise als Verwaltungsdienststelle und Mietwohnungen für städtische Bedienstete.

Das Korbacher Häuserbuch von Hermann Thomas nennt bis dahin dreizehn Besitzer. Einer von ihnen war Friedrich Wilhelm Strube (ab 1794).

Sein Sohn nahm 1812 am Feldzug nach Russland teil. Das Kirchenbuch der Neustadt berichtet: „ Er ist nicht zurückgekehrt und ohne Spur des Lebens”. Der nachfolgende Besitzer Christian Wilhelm Butterweck (ab 1806) hatte in zwei Ehen vierzehn Kinder, acht davon haben ihn überlebt. Er übertraf mit diesem Kindersegen Louis Frese (ab 1841), der es auf zehn Kinder in zwei Ehen brachte. Louis Frese war der erste Posthalter in diesem Hause, sein Enkel Karl (geboren 1888) der letzte.

Er und seine Geschwister verkauften das Anwesen 1923 an die Stadt.

Frese errichtete an der Linde vor dem Lengefelder Tor ein Wohnhaus und landwirtschaftliche Gebäude. Von der Stadt Korbach erwarb es 1978 Friseurmeister Willi Jäger Er eröffnete dort einen Friseursalon, den er inzwischen in jüngere Hände übergeben hat. Zuvor hatte die Stadt das Haus mehrfach renoviert und umbauen lassen. fräule‘msteuer und Hühner für den Fürstenhof Seitdem es Stoaten und Herrschende gibt, haben diese sich seit jeher durch „einnehmendes Wesen” ausgezeichnet. Natürlich muss ein Staat Einnahmen haben. Von was sonst sollte er seine Aufgaben wahrnehmen und die Kosten dafür bestreiten können! Ein Blick in die Geschichte zeigt allerdings, dass die Hauptsteuerlast schon immer der vielzitierte „kleine Mann” zu tragen hatte. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Ob die Korbacher im ausgehenden Mittelalter es wohl ohne Murren hingenommen haben, dass Ritterschaft, Adel und fürstliche Beamte weitgehend von Steuerabgaben befreit waren und vorwiegend der Bürger die Kosten für Verwaltung, Baumaßnahmen, Kriegführung und Hofhaltung des Grafen- bzw. Fürstenhauses aufzubringen hatte? Da am Hofe des waldeckischen Herrscherhauses oft genug mehr Ebbe als Überfluss in den Kassen war, waren dem Einfalls reichtum der Finanzbürokratie keine Grenzen gesetzt. In Korbach wurden bereits im Mittelalter uns wohlbekannte Steuern erhoben:

Grundsteuer, Getränkesteuer, ja auch Hundesteuer. Doch wozu gab es eine „Fräuleinsteuer”? Sie wurde erhoben, wenn eine der adligen Damen beabsichtigte, in den heiligen Stand der Ehe zu treten. Für die Aussteuer musste jener „kleine Mann” aufkommen. Reichseinheitlich wurde eine „Türkensteuer” erhoben. Mit den einkommenden Geldern wurden die Türkenkriege finanziert, die gegen die nach Europa drängenden Osmanen geführt wurden.

Besonderen Ein fallsreichtum bewiesen die gräflichen Steuerbeamten bei der Einführung einer heute recht kurios anmutenden Steuerart, der „Rauchfanghühnersteuer”. Darauf muss man wohl erst einmal kommen! Im Archiv der Stadt Korbach wird das Rauchfanghühnerregister der Neustadt aufbewahrt. Darin sind die Namen von 139 Hausbesitzern genannt, die einmal im Jahr für den herrschaftlichen Haushalt in Arolsen eine besondere Abgabe zu leisten hatten, nämlich mindestens ein Huhn. Die Anzahl der abzugebenden Hühner richtete sich nach der Anzahl der sich im Haus befindlichen Schornsteine. Wer ein kleines Haus besaß, war gut dran. Es gab Hausbesitzer, die bis zu fünf Hühner abzuliefern hatten. Diese Abgabe wurde bis 1701 erhoben. Wer wollte, konnte sie auch in Geld entrichten. Später war es möglich, diese Steuer durch einmalige Zahlung des fünffachen Betrages abzulösen.

Die Serie

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serie geschrieben.