Häuser in Korbach: Hirsch-Apotheke

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Sie wurde 1746 von Apotheker Johann Adolf Schmidt erbaut.

Professor Kümmells Geburtshaus

Wer von der Korbacher Innenstadt zum Rathaus will, nimmt seinen Weg gewöhnlich durch die Prof.-Bier-Straße in der Fußgängerzone und über die ansteigende Prof.-Kümmell-Straße in den oberen Teil der Altstadt. Beide Straßen sind nach Korbacher Ehrenbürgern benannt. Die Prof.-Kümmell-Straße hieß früher Landstraße. Noch vor wenigen Jahren war diese Straßenbezeichnung bei den älteren Korbacher Bürgern in Gebrauch. Sie konnten sich offenbar nur schwer an den neuen Straßennamen gewöhnen. Im Mittelalter führte die Landstraße vom Rathaus ausgehend an der Altstädter Stadtmauer entlang hinunter zum „Schmitttenborn”, der sich am Abzweig zur Klosterstraße befand. Sie trennte die Altstadt von der nordwestlich gelegenen Neustadt.

Den neuen Namen erhielt die Landstraße 1929 zur Erinnerung an Prof. Dr. med. Hermann Kümmell, der 1852 am unteren Ende dieser Straße, in der Hirsch-Apotheke, geboren wurde.

Sie wurde 1746 von Apotheker Johann Adolf Schmidt erbaut. Das hier ursprünglich befindliche Haus, das vermutlich beim großen Stadtbrand 1664 teilbeschädigt wurde, war zuvor abgerissen worden. Es entstand ein fünfachsiger Fachwerkbau. In der Mittelachse befindet sich unten der Eingang, im Dachgeschoss ein Zwerchhaus. Die Gefache sind, wie nur selten in Korbach, mit Bruchsteinen ausgemauert. Ende der dreißiger Jahre wurde das ursprünglich verputzte Fachwerk zur Straßenfront hin wiederfreigelegt. Das Haus wurde 1978 nach hinten und zur Fußgängerzone hin erweitert.

Gründer der Apotheke war Johann Adolf Schmidt aus Altena. Johann Christian Friedrich Gramer, Apotheker aus Halberstadt, heiratete seine Witwe und führte ab 1748 die Apotheke fort. Nächster Besitzer war Gonrad Dietrich Krüger, nachdem er die Tochter des Gründers geheiratet hatte. Er stammte aus Nordheim und führte als erster den Titel „Hofapotheker”. Die Apotheke verblieb durch Vererbung im Besitz der Familie Krüger, bis Friedrich Hugo Kümmell durch Einheirat ab 1847 Eigentümer wurde.

Er war schon vorher als Provisor in der Apotheke tätig gewesen. Dieser aus Münchhausen stammende Apotheker war der Vater des späteren Prof. Dr. Hermann Kümmell. Sein Sohn Karl Christian, der Bruder des Korbacher Ehrenbürgers, übernahm das Anwesen 1875. Adolf Nacke, Apotheker aus Borken (Westfalen) kaufte die Apotheke 1889. Noch heute befindet sich das Anwesen im Besitz der Erbengemeinschaft Nacke. Gut bekannt sind den Korbachern noch die Pächter Scheer (1934-1949), Büllesbach (bis 1961) und Hermann (bis 1996). Seit 1. Januar 1997 hat Apotheker Franz Kirchner die Leitung der Apotheke.

Zur Straßenseite hin ziert ein nicht ganz lebensgroßer Hirsch das nunmehr über 250 Jahre alte Gebäude. Seit Jahrzehnten übt er auf die Korbacher Abiturienten eine seltsame Anziehungskraft aus. Nach bestandener Abiturprüfung rücken sie ihm bei Nacht und Nebel zu Leibe und verzieren ihn mehr oder weniger künstlerisch gekonnt mit Farbe und weiteren bunten Angebinden. Die Apotheker, die natürlich an einer baldigen Entsorgung dieses Schmuckes interessiert sind, scheinen sich im Laufe der Jahre - noiens volens - damit abgefunden zu haben. Was einst als harmloser Schülerstreich begann, ist mittlerweile zur Tradition geworden.

Kümmell blieb Korbach stets verbunden

Prof. Dr. med. Hermann Kümmell wurde am 22. Mai 1852 als Sohn des Apothekers Friedrich Hugo Kümmell in der Hirsch-Apotheke in Korbach geboren. Nach Besuch des Korbacher Gymnasiums legte er 1872 die Reifeprüfung ab. Anschließend studierte er in Marburg, Würzburg und Straßburg Medizin. Sein beruflicher Weg führte ihn über Bad Sodental und Berlin nach Hamburg. 1889 gelang ihm dort erstmalig eine Operation, die heute zum Alltagsgeschäft eines jeden Chirurgen gehört: die Blinddarmoperation.

Diese Tat machte ihn weit über Fachkreise hinaus bekannt. 1895 wurde er leitender Chirurg des Krankenhauses Hamburg-Eppendorf. Bald nach seiner Ernennung zum Professor wurde er 1909 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Er gehörte zu den Mitbegründern der Hamburger Universität und wurde 1922 ihr erster Rektor. Im Alter von 85 Jahren verstarb er am 19. Februar 1937. Hermann Kümmell war stets in treuer Liebe seiner Vaterstadt Korbach verbunden. Wann immer es seine beruflichen Verpflichtungen zuließen, verlebte er seinen Urlaub mit Kindern und Enkelkindern im ererbten und oftmals umgebauten Kümmell‘schen Gartenhaus am Lengefelder Tor. Hier weilte er 1933 zum letzten Mal. Das Gartenhaus und der große Garten entlang der Stadtmauer am Westwall ging 1936 in den Besitz von Dr. Hermann Bing über. Leider wurde das Haus später ein Opfer der Straßenerweiterung im Kreuzungsbereich Lengefelder Straße/Westwall.

Die Stadt Korbach ehrte ihren berühmten Sohn Prof. Dr. Hermann Kümmell 1920 durch Ernennung zum Ehrenbürger.

Die Serie

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serie geschrieben.