Häuser in Korbach: Haus der Musik

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Wo man einst die Stadt durch das Lengefelder Tor verließ, am Abzweig zum Ascher, wurde im Jahre 1736 ein prächtiges Patrizierhaus errichtet.


Die Stadt als Universalerbin

Wo man einst die Stadt durch das Lengefelder Tor verließ, am Abzweig zum Ascher, wurde im Jahre 1736 ein prächtiges Patrizierhaus errichtet. Der Baugrund hatte fast 100 Jahre brach gelegen, nachdem das hier befindliche Haus im Jahr 1644 einem Brand zum Opfer gefallen war. Erbauer war der Landrichter Hofrat Ernst Ludwig Scipio. Dem Kenner waldeckischer Patrizierhäuser fällt eine große Ähnlichkeit dieses zweigeschossigen Hauses mit Häusern in der Residenz auf. In der Tat: Könnte dieses Haus nicht in der Arolser Schlossstraße stehen? So wird auch vermutet, dass einer der beiden Rothweils, den Architekten des Fürstenhauses und Erbauern des Arolser Schlosses und der Schlossstraßen-Häuser, hier die Hand mit im Spiel hatte. Nachfolgende Besitzer erreichten durch Ankauf und Abriss von Nachbarhäusern eine wesentliche Vergrößerung der Liegenschaft. Hofrat Scipio veräußerte das Anwesen 1756 an seinen Schwager, den Advocaten, Amtmann und Hofrat Franz Henrich Risse, der es etwa 20 Jahre später an den Amtmann und Hofrichter Johann Ernst Alberti verkaufte.

Dessen Witwe beauftragte 1798 den Hofrat Friedrich Wilhelm Waldeck mit der Versteigerung ihres Besitzes. Im Waldeckischen Intelligenzblatt vom 27. März 1798 wurde die Versteigerung bekanntgemacht. Die Beschreibung des Anwesens gibt einen guten Einblick in Einrichtung und Aufteilung des Hauses mit allen dazugehörigen Nebeneinrichtungen. Die Anzeige macht aber auch deutlich, auf welche Weise man damals ein Haus dieser gehobenen Kategorie zum Kauf anbot. Es ist bekannt, dass schließlich der Versteigerer selbst das Anwesen erwarb. Er vererbte es 1844 seinem siebenjährigen Enkel, dem späteren Geheimen Justizrat Robert Waldeck, der Präsident des Waldeckischen Landtags wurde. Als er 1913 starb, hinterließ er keine leiblichen Nachkommen. Er setzte die Stadt Korbach als Universalerbin ein, und das Haus Lengefelder Straße 16 ging als Anna-Waldeck-Stiftung in den Besitz der Stadt über. Die Stadt brachte hier nach dem 1. Weltkrieg ihre Verwaltung unter; später beherbergte das Haus die Richard-Waldeck-Bücherei, eine Stiftung, die nach dem Gymnasiallehrer Richard Waldeck benannt wurde. Von 1929 bis 1954 befand sich im 1. Stock die Dienstwohnung des Bürgermeisters. Nach Umbauten erfolgte ab 1955 die Unterbringung der Jugendherberge, die 1985 in die Enser Straße verlegt wurde. Seit 1988 befindet sich in diesem historisch interessanten Gebäude das „Haus der Musik”.

Advertissements” für die Versteigerung im Jahr 1798

„Die verwitwete Frau Hofräthin Alberti dahier haben sich, ihrer besseren Einrichtung wegen entschlossen ihre Wohnung mit allem Zubehör an den Meistbietenden öffentlich zu verkaufen, und mich ersucht, solches Versteigerungs-Ceschäft zu dingiren. Ich mache daher dem Publicum hiermit bekannt, daß gedachte Wohnung mit Zubehör, in Folgendem Besteht: 1. Ein dahier in Corbach in der Lengefelder Straße gelegenes, sehr geräumiges von Stein erbautes, und zu zweyen Haushaltungen eingerichtetes Wohnhaus, worin 6 ansehnliches Zimmer, 2 Alkofen, 5 Kammern, 2 große Küchen, ein besonderer Schlafplatz für Gesinde, ein großer gewölbter und ein anderer kleinerer Keller, 2 Frucht Bodens, eine Rauchkammer, eine Vorraths-Kammer und ein Taubenschlag. 2. Eine große Scheune mit Tresch Dehle, ein Kuhstall für 10 bis 12 Stück Vieh, ein besonderer Kälberstall, ein großer Schaafstall, ein Pferdestall, nebst daran gelegener Kammer, 2 Heu Bodens, eine Futterkammer, eine Waagen-Remise, ein sehr geräumiger Stroh-Boden und ein Taubenschlag. 3. Ein Brau und Wasch-Haus, worin ein Ofen zum Obstdarren, ein Bräu-Topf von 36 Eimern und unter dem Dach ein Hünerstall. 4. Vier abgesonderte Schweineställe unter einem besonderen Dach. 5. Ein großer Garten hinterm Wohnhaus, mit hoch- und zwergstämmigen Obstbäumen hinlänglich beflamt, und mit einem Gartenhause. 6. Noch ein anderer kleinerer Gras-Garten neben der Scheure, auch mit Obstbäumen besetzt. 7. Ein großer verschlossener Hofraum mit mehrere Obstbäumen bepflanzt. Daß alles dies Mitwochs den 2ten May Vormittags um 10 Uhr in dieser, der Frau Hofräthin Alberti Wohnung gegen baare Zahlung im 20 Gulden Fuß an den Meistbietenden verkauft werden solle, und Kauf-Liebhaber dazu eingeladen werden. Corbach am 22ten Merz 1798 F.W.Waldeck, jun.”

Die Serie

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: "Korbacher Bauten erzählen Stadtgeschichte - Meine Stadt" von Hans Osterhold.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serie geschrieben.