Häuser in Korbach: Haus Urspruch

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Dem Erbauer des Fachwerkhauses standen für die Straßenfront nur wenig mehr als fünf Meter zur Verfügung.


Von der Apotheke zur Buchhandlung

Wenn man den höchsten Punkt der Prof.-Kümmell-Straße, früher Landstraße, erreicht hat, steht man vor einem der bekanntesten Korbacher Fachwerkhäuser, dem Haus Urspruch. Es steht auf dem „Rathausplatz”, am Anfang der Stechbahn, der einstigen Hauptstraße der Altstadt. Über dem Erdgeschoss erheben sich zwei vorgekragte Obergeschosse und ein Giebelgeschoss. Dem Erbauer des Fachwerkhauses standen für die Straßenfront nur wenig mehr als fünf Meter zur Verfügung. Daher wirkt es recht schmal und zierlich, was jedoch den einmaligen Reiz dieses Hauses ausmacht. Die Schaufenster an der Giebelfront wurden erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eingebaut. Ursprünglich stand hier ein Haus des Stadtsekretärs und Stadtrichters Heinrich Althaus, der es an seinen Sohn Johannes, Subconrektor, vererbte. Beim großen Brand des Jahres 1664 wurde dieses Haus ein Raub der Flammen. In der entstandenen Baulücke errichtete um 1670 der Hofapotheker Andreas Nicolaus Frankenberger das jetzige Gebäude. Er gründete hier 1675 die Engelapotheke. Nachdem er 1685 als gräflicher Apotheker nach Mengeringhausen gegangen war, wurde die Apotheke zunächst an Abraham Weiner verpachtet. Der Schwiegersohn des Erbauers, Johann Moritz Varnhagen, übernahm die Apotheke 1711. Von ihm stammt der waldeckische Zweig der bekannten Familie ab. Die gusseiserne Grabplatte seines Sohnes und Nachfolgers steht noch heute an der Kilianskirche. Nächster Besitzer wurde die Familie Kunckel. Die Apotheke wurde bis 1871 von Apotheker Sartorius weitergeführt. Schließlich erwarb die Familie Kümmell, Eigentümer der Hirschapotheke, die Engelapotheke, um sie ein Jahr später zu schließen. Die Praxis des „Kaputtkaufens”, um einen lästigen Konkurrenten loszuwerden, ist also nicht eine Erfindung unseres Jahrhunderts. 1875, nach anderen Quellen 1873, kaufte der Buchhändler und Buchbinder Heinrich Wilhelm Urspruch das Haus und gründete hier eine Buch- und Musikalienhandlung. Wilhelm Hensler kaufte 1955 das Haus von den Erben Urspruchs, nachdem er zuvor lange Jahre schon Pächter der Buchhandlung gewesen war. Seit 1983 wird die Buchhandlung Urspruch von der Buchhändlerin Angela Vöcklinghaus betrieben, die seit 1994 Mitbesitzerin des Hauses ist. Sie ließ im Sommer 2002 die Außenfassade des Hauses gründlich renovieren.

Verbindung Korbach - Paris

H. W. Urspruch, der Begründer der bekannten Buchhandlung, geb. 1832, hatte Buchbinder und Buchhändler gelernt. 1847 heiratete er in Paris die Tochter Emma des Buchbinders F. Fock. Deren Tochter Henriette, die 1867 in Paris geboren wurde, blieb unverheiratet und arbeitete als Verkäuferin in der Buchhandlung ihres Vaters in Korbach. Eine zweite Tochter, Frederic Eleonore Charlotte, wurde 1869 ebenfalls in Paris geboren. Sie heiratete 1889 den Postsekretär Conrad Müller aus Korbach. Beide übernahmen 1893 Haus und Buchhandlung. Das Grabmal des H. W. Urspruch, seiner Frau Emma und seiner Tochter Henriette ist noch erhalten. Es befindet sich auf dem alten Friedhof in der Nähe des Tylenturms. Immer wieder sind Besucher des Friedhofs, besonders wenn sie aus der Partnerstadt Avranches kommen, darüber erstaunt, auf dem alten Korbacher Friedhof ein Grabmal mit einer Inschrift in französischer Sprache zu finden. Qu‘l repose en paix.


Die Serie

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serie geschrieben.