Häuser in Korbach: Haus Nolden

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Wie die Jahreszahl an der Kellertür verrät, wurde es 1593, also vor über 400 Jahren, von Conrad Engelhard erbaut. Es ist somit das älteste noch bewohnbare Fachwerkhaus in Korbach.
Im Katthagen, jener Straße, die im Südosten der Altstadt Korbachs unmittelbar hinter der inneren Stadtmauer das alte Enser Tor mit dem Dalwigker Tor verbindet, befindet sich das prächtige dreigeschossiges Fachwerkhaus, das Haus Nolden genannt wird.

Aussehen

Es steht auf einem hohen Werksteinsockel. Quergebälkprofil und Eckpfosten sind reich ornamentiert mit Ranken und Laubwerk. In den beiden Giebelspitzen sieht man geschnitzte bärtige Köpfe. Im gewölbten Keller befand sich einst eine Kapelle.

Geschichte

Dieses alte Patrizierhaus blieb 1664 vom großen Brand, der weite Teile der Korbacher Altstadt in Schutt und Asche legte, verschont. Wie die Jahreszahl an der Kellertür verrät, wurde es 1593, also vor über 400 Jahren, von Conrad Engelhard, Rentmeister und Pächter der Eisenberger Meierei in Nieder-Ense erbaut. Es ist somit das älteste noch bewohnbare Fachwerkhaus in Korbach. Das Anwesen bestand, so wie es damals üblich war, aus einem Wohnhaus und mehreren landwirtschaft-lich genutzten Nebengebäuden.

Nach dem Tod Engelhards verkauften es seine Erben 1619 an den gräflichen Rat und Oberamtmann Berthold Noiden, dessen Familie dann durch sieben Generationen Besitzer des Anwesens blieb. Sie stellte über nahezu 200 Jahre der Stadt und dem Land mehrere hochgestellte Beamte, bis sie Ende des 18. Jahrhunderts im Mannesstamm in Korbach ausstarb. In der Geschlechterfolge der Familie finden wir Bürgermeister, Stadt- und Landcommissare, Stadtrichter, einen Hofgerichtssekretarius und Advokaten.

Ein bemerkenswerter Repräsentant dieser Familie war der Stadtcommissar Dr. jur. Franz Tilmann Noiden, geboren 1665. Er übernahm 1691 als Erbe das Anwesen von seinem Vater. Als er fünfundsechzigjährig starb, hinterließ er 17 Kinder; 5 aus erster, 3 aus zweiter und 9 aus dritter Ehe.

Im Jahre 1780 erfolgte unter F.F.G. Noiden ein gründlicher Umbau, auf den eine Inschrift auf der Südseite des Hauses hinweist: Restaurandas curavitsextus ex gente N. possessor f.f.c.nolden commissarius waldeccensis august MDCCLXXX

Von dem Notar Friedrich Christian Rothe kaufte 1829 Daniel Schwalenstöcker aus Lengefeld das Anwesen. Es ist zu vermuten, dass sein Schwiegervater, der Hof marsch a 11 Friedrich Wilhelm von Kybusch aus Bad Homburg v.d.H, den Kauf ermöglichte. Über fünf Generationen blieb das Anwesen im Besitz der Familie Schwalenstöcker, bis es Hans Schwalen-stöcker, geb. 1911, an die Stadt Korbach veräußerte. Er siedelte mit seinem landwirtschaftlichen Betrieb aus und baute in der Frankenberger Landstraße einen neuen Hof. Das Anwesen Katthagen 13 dient heute der Stadt als Wirtschaftshof, vor allem aber als Stützpunkt der Freiwilligen Feuerwehr. Die Wohnungen im großen Fachwerkhaus sind vermietet.

Spukgeschichte

Im großen alten Haus lebte einst ein reicher Kaufmann. Seine Frau tat viel Gutes an den Armen der Stadt. Aber aller Reichtum konnte sie nicht erfreuen, denn ihr großer Wunsch, einen Sohn oder eine Tochter zu haben, wurde ihnen nicht erfüllt. Doch schließlich erhörte Gott die Bitten der Eheleute. Es wurde ihnen ein kräftiger und gesunder Sohn geboren. Die Frau starb jedoch im Kindbett. Erst nach Jahren heiratete der Mann wieder, weil doch das Kind eine Mutter brauchte. Die zweite Frau jedoch war habgierig und böse. Sie wollte, dass ihr dreijähriger Sohn, den sie mit in die Ehe gebracht hatte, Erbe des großen Hauses und Vermögens würde. Dabei war natürlich der Sohn der ersten Frau im Wege.

Während der Abwesenheit des Kaufmanns stieß die böse Frau ihren Stiefsohn über das Treppengeländer, so dass er unten auf den Steinplatten des Flures tot liegenblieb. Sie wusste es so einzurichten, dass alle glauben sollten, das Kind sei während seines Spieles mit dem Ball über das Geländer gefallen. Der Vater des toten Kindes war nach seiner Heimkehr untröstlich. Er machte seiner Frau heftige Vorwürfe. Sie hatte inzwischen immer wieder versucht, die Blutspuren auf den Steinplatten zu beseitigen, was ihr jedoch misslang.

Als der Kaufmann eines Nachts erwachte und seine Frau nicht im Schlafzimmer war, fand er sie schließlich, wie sie unten im Flur wieder versuchte, die Blutflecken wegzuscheuern. Als sie sich entdeckt fühlte, brach sie zusammen und gestand ihre Schuld. In seinem Zorn ließ der Mann die böse Frau im tiefsten Keller des Hauses einmauern. Seitdem geisterte sie um Mitternacht in einem weißen Gewand durchs Haus und versuchte, die Platten im Flur abzureiben. Sie fand nicht eher Ruhe in ihrem Grab, bis die Blutflecken verschwunden waren, weil spätere Hausbesitzer die Steinplatten im Flur durch einen neuen Fußboden ersetzt hatten.

(Nach einer Überlieferung der Familie Schwalenstöcker)

siehe auch

Weblinks und Quellen