Häuser in Korbach: Haus Hartwig

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Das zweigeschossige, etwa 22 Meter lange und 14 Meter breite Fachwerkhaus erhielt ein Satteldach mit Krüppelwalm.
Wenn es ein Haus in Korbach gibt, vor dem auch der eiligste Besucher verweilt, um seine Schönheit zu bewundern, so ist es dieses.

„Ein prächtiges Wohnhaus”

Es ist eines der schönsten und wegen seiner Einmaligkeit wohl auffallendste Haus in Korbach, das Hartwig‘sche Haus in der Stechbahn Nr. 9. Wenn es ein Haus in Korbach gibt, vor dem auch der eilige Besucher verweilt, um seine Schönheit zu bewundern, so ist es dieses.

Das „prächtige Wohnhaus”, so Dr. Medding (Baudenkmäler), liegt mit seinen Nebengebäuden „auf” der Stechbahn, wie man in Korbach sagt. Es wurde von 1712 bis 1720 in einer Baulücke errichtet, in der vermutlich zuvor kleinere Bürgerhäuser einem der vielen Stadtbrände zum Opfer gefallen waren.

Das zweigeschossige, etwa 22 Meter lange und 14 Meter breite Fachwerkhaus erhielt ein Satteldach mit Krüppelwalm. Die Traufseite weist zur Straße. Das Fachwerk mit seinen 17 Gefachen ist mit flachen Ziegelsteinen gefüllt. In der Mitte der Straßenfront befindet sich hinter einer siebenstufigen Freitreppe ein prächtiges Barockportal. Dieses reich geschnitzte Portal entstand in der Werkstatt des Bildhauers Wolrad Brützel aus Immighausen. Der rechts neben und hinter dem Wohnhaus gelegene Hof wird zur Straße hin abgeschlossen durch einen fränkischen Torbau mit kleinem Sattel- und Walmdach, gebaut um 1720.

Der sich anschließende Garten, erstreckt sich bis zu den Grundstücken um die ehemalige Synagoge im Tempel. Erbauer ist Henrich Bernhard von Nolting (andere Schreibweise Nölting). Er war von 1697 bis 1702 Amtmann in Mengeringhausen und von 1702 bis 1722 im Amt Eisenberg. Seit 1707 war er Kriegscommissar, 1717 Regierungsrat. Im gleichen Jahr wurde er zusammen mit seinen Brüdern geadelt. Seit 1729 hatte er Sitz und Stimme im Hofgericht. Er starb im Alter von 70 Jahren in Korbach. 1706 heiratete er Elisabeth Hedwig Kleinschmit, die 1760 in Korbach starb. Der älteste Sohn, Friedrich Anton Ludwig von Nolting, geb. 1708, stand in preußischen Diensten. Er bewarb sich 1743 um eine leitende Stellung, war aber nach Meinung seines Königs Friedrich II. für einen höheren Dienst nicht qualifiziert genug. Sein Gesuch wurde abgelehnt. Das Haus ging 1745 in den Besitz von Noltings Schwiegersohn, den waldeckischen Oberstleutnant Philibert Zachäus von Wilmowski über. Der nächste Besitzer war ab 1783 Johann Matthäus Neumann, Advokat und Commissionsrat in Korbach und Schwiegersohn des Vorbesitzers. 1792 wird Dr. med. Wilhelm Wigand, Stadtmedicus und Hofmedicus, Eigentümer des Hauses. Der Grundbesitz fiel 1808 an seine geschiedene Ehefrau.

Weitere Besitzer: 1815 Daniel Schreiber, Domänenpächter in Eilhausen, Landrat 1843 Friedrich Julius Ernst Gottlieb Adolph Schreiber, Advocat, Sohn des Vorbesitzers 1844 Hermann August Waldeck, Landwirt und Inspektor des waldeckischen Landgestüts 1872 Dr. med. Kar/Jacob Hartwig, Sanitätsrat und Kreisarzt, Schützenkönig 1906/09 1913 Dr. med. Karl Wilhelm Hermann Otto Hartwig, Medizinalrat, Chefarzt des Korbacher Krankenhauses, Schützenkönig 1927/30, Sohn des Vorbesitzers 1933 Erbengemeinschaft Hartwig, die heute noch Besitzer ist.

Der Alte Fritz wollte ihn nicht Antwortschreiben König Friedrichs II. von Preußen auf die Bewerbung Henrich Bernhard von Noltings: „Vetter, besonders lieber. Mir ist Euer abermaliges Schreiben vom 25. ten zu Händen gekommen. Ich muß Euch aber darauf sagen, daß der Preußisch. Dienst, so wie Ihr placiret zu werden verlanget, Euch zu fremde, und es damit gar nicht ausgerichtet sey, ein Amt administriert zu haben, sondern derjenige, so mir in Kriegs- und Dom.Cammern sich will employren laßen, nebst einer Connaißance vom hiesigen Lande und deßen Umbständen, auch von der Landesoeconomie müßte aufait seyn, die Contributions=, Accise/,Steuer=, Manufactur, Commercien=, March=, Einquartierungs= und Caßen=Sachen wohl inne haben und mit Geschicklichkeit darinnen arbeiten, auch vor seine Arbeit responsable seyn können. Alles dieses lernt sich auf einem Amte so wenig als zu Cöpenick. Wann Ihr also in Meinen Diensten employret seyn wollet, so müßet Ihr erst bei der Cammer zu Berlin arbeiten und lernen, die Affairen Euch bekandt machen und Proben von Eurer Capacitaet und Geschicklichkeit geben, auch von dem gantzen Lande, und der Finantz Einrichtung eine hinlängliche Idee haben, alsdann Ich Euch allererst gebrauchen kann. Ich bin übrigens Euer wohl affectionirter Friedrich. Potsdam den 29.ten Juny 1743” Der Originalbrief befand sich im Besitz von Herrn Helmut Weber, früher Neustadt/Krs. Marburg. Er war ein Nachkomme des Henrich Bernhard von Nolting.

Die Serie

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serien geschrieben.