Häuser in Korbach: Haus Curtze

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Das Fachwerkhaus in der Prof.-Bier-Straße ist jedoch auch heute noch in Curtze‘schem Besitz.

Ein Ausnahme-Gebäude

Vielleicht ist es aufmerksamen Beobachtern schon einmal aufgefallen: Die meisten der alten Korbacher Fachwerkhäuser weisen mit ihrer Giebelseite zur Straße. Es gibt aber Ausnahmen. Eine davon ist das Haus Curtze in der Prof.-Bier-Straße. Dieses langgestreckte Fachwerkhaus wurde um das Jahr 1700 von Johannes Bornemann erbaut. Bornemann war 1684 bis 1691 Landrichter in Korbach und anschließend bis 1697 Amtmann auf dem Schloss Eisenberg. Sicherlich hat er es seinen guten Beziehungen zum Waldecker Grafenhaus zu verdanken, dass er das Grundstück für diesen Neubau erwerbenkonnte, gehörte es doch bis dahin zum Unteren Herrenhof, einem Besitz der gräflichen Familie. Aus dem Kaufbrief von 1699 geht hervor, dass Graf Christian Ludwig zu Waldeck dem Amtmann Bornemann „zwei herrschaftliche Gärten in der Stadt, ein Haus und eine Scheune darauf zu bauen” verkaufte, „mit allen Real- und Personalfreiheiten, wie solche besagten Plätze bis dahin gehabt hatten”. Noch 1840 wird im Kataster der Stadt vermerkt: „Haus und Garten liegen auf dem Herrschaftlichen Herrenhof und sind schoßfrei”. Von Bornemanns Witwe erbte um 1729 deren Sohn, der Advocat Johann Ulrich Bornemann, das Anwesen. Als nächster Besitzer wird 1764 Oberbürgermeister Ludwig Engelhard, ein Schwiegersohn Bornemanns, genannt. Nach dessen Tod übernimmt sein Sohn Theodor das Haus. Sei-ne Berufe waren: Advocat, Stadtschreiber, Geheimer Hofgerichtsrat und schließlich Direktor des Hofgerichts. Mit ihm beginnt eine etwas verworrene, aber dennoch interessante Familiengeschichte. Er heiratete 1794 Eleonore Huge aus Korbach, die zuvor in erster Ehe mit dem Onkel ihres Mannes, Friedrich Adolf Engelhard, verheiratet war. Nach deren Tode heiratete Engelhard in zweiter Ehe die Tochter des Oberbürgermeisters Otto Michael Strube, Johannette Christiane Strube. Auch für sie war es die zweite Ehe. In erster Ehe war sie mit dem Apotheker Simon Contze verheiratet, der seine Apotheke in der Stechbahn betrieb, an dem Platz, auf dem heutedas Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 steht. 1839 tritt die Familie Curtze auf den Plan. Carl Christian Curtze, Kaufmann, Milizrezeptor und Stadtrentmeister, erwirbt das Anwesen und eröffnet hier ein Eisenwarengeschäft, das er zuvor In der Klosterstraße betrieben hatte. Die Firma C.C.Curtze besteht heute in der fünften Generation. Obwohl Adolf Curtze 1874 ein Nachbargrundstück kaufte und 1911 dort in einem neuen Anbau ein Lager- und Geschäftshaus einrichtete, reichte das Anwesen zur Erweiterung des Geschäftes in der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem letzten Krieg nicht mehr aus. Es wurde in einen Neubau an der Ecke Skagerrakstraße/Briloner Landstraße verlegt. Eine Erweiterung erfuhr das Unternehmen 2001 durch die Ein-richtung eines Holzfachmarktes Im Alten Feld. Das Fachwerkhaus in der Prof.-Bier-Straße ist jedoch auch heute noch in Curtze‘schem Besitz. Nach mehreren Umbauten befindet sich im früheren Eisenwarenladen jetzt ein Modegeschäft. Nach dem letzten Krieg wurde das Haus vom Putz befreit und das Fachwerk freigelegt. Heute ist es mit seiner langen Straßenfront ein schmuckvolles, gepflegtes und repräsentativesGeschäftshaus in der Fußgängerzone. Der Nachtwächter mit seinen Hunden, eine Bronzefigur vor dem Haus Curtze, ist wohl einer der am meistenfotografierten Korbacher.

Die Serie

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serie geschrieben.