Häuser in Korbach: Großes Steinhaus

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Am unteren Ende der Violinenstraße steht seit fast 700 Jahren das größte der Korbacher Steinhäuser.

Wo die Stadtmusikanten wohnten

Die Violinenstraße, von den Korbachern liebevoll „Violunze” oder einfach „Vijelunze” genannt, verläuft entlang der Innenseite der Stadtmauer am Schießhagen.

Sie beginnt Im Sack an der früheren Grenze zwischen Alt- und Neustadt und führt dann bergab zur Enser Straße. Ihren Namen erhielt sie erst Mitte des 19. Jahrhunderts, vermutlich deshalb, weil dortzwei der Korbacher Stadtmusikanten wohnten.

Wo heute die mit der inneren Stadtmauer verbundenen Häuser stehen, lagen im Mittelalter die Gärten der benachbarten Anwohner. Als im Laufe des 18. Jahrhunderts die Stadtmauern allmählich ihre Bedeutung als Sicherheitsgürtel zum Schutz der Stadt verloren hatten, durften die Grundstücke an der Mauer bebaut werden. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde es den Bewohnern dieser Häuser gestattet, Fensterdurchbrüche durch die Stadtmauer zu schlagen. Die Hauseigentümer mussten sich nach langwierigen Verhandlungen mit der Stadt verpflichten, keine weiteren Veränderungen an der Stadtmauer vorzunehmen und für eintretende Schäden selbst aufzukommen. Wir können uns vorstellen, wie dunkel und muffig es in diesen Häusern gewesen sein muss, da es ja zur Sonnenseite hin keine Fenster oder sonstige Öffnungen geben durfte.

Heute lässt uns die Violinenstraße mit ihren kleinen, zum Teil liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern einen Eindruck gewinnen von einem Teil des alten Ackerbürger Städtchens vor 200 Jahren.

Vierstufiger Treppengiebel

Am unteren Ende der Violinenstraße steht seit fast 700 Jahren das größte der Korbacher Steinhäuser. Die beidseitigen vierstufigen Treppengiebel lassen erkennen, dass es sich um eins der noch erhaltenen mittelalterlichen Gebäude handelt. Die Korbacher Steinhäuser wurden in der Zeit zwischen 1300 und 1350 gebaut. Sie dienten vor allem den durchreisenden Handelsleuten als feuerfeste Lagerhäuser. In alten Liegenschaftsakten werden die Korbacher Steinhäuser auch Steinkammern genannt, auch Kemenaten, wenn sich Wohnraum darin befand. Vermutlich ist das Steinhaus in der Violinenstraße früher immer auch Wohnhaus gewesen. Die Besitzverhältnisse lassen sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Lange Zeit war das Steinhaus Teil des Anwesens Enser Straße 4, zu dem neben dem Haupthaus auch noch eine Scheune und ein Reisestall gehörten. 1926 erwarb die Stadt Korbach das Steinhaus von der damaligen Besitzerin, Minna Brewitt, geb. Steinrück. Nach einigen Umbauten wurde hier 1927 die Jugendherberge eingerichtet, die 1954 in die Lengefelder Straße, heute Haus der Musik, und 1985 in das ehemalige Hospital in der Enser Straße verlegt wurde. Die langjährigen Herbergseltern Schalk sind vielen Korbachern noch in guter Erinnerung. Heute wird der dreigeschossige Kalksteinbau, einer der uns geblichenen Zeugen mittelalterlicher Baukultur, als Lagerraum für das [Museum] genutzt. Das Steinhaus wird heute von der Schützengilde 1377 genutzt. Heute wird es Gildehaus genannt.

Die Serie

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serien geschrieben.