Häuser in Korbach: Ehemaliges Gymnasium

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Das längs der Straße stehende Gebäude, in dem Generationen von Korbacher und auswärtigen Schülerinnen und Schülern ihre gymnasiale Ausbildung erfuhren, wurde 1770 bis 1774 auf dem Grund des ehemaligen Franziskanerklosters errichtet.

Wo die Klosterstraße in einer scharfen Rechtskurve nach Osten hin zur Tränkestraße abbiegt, steht links ein langgestrecktes, zweigeschossiges Gebäude, unverkennbar ein bedeutendes Bauwerk. Es beherbergt heute die Kreisvolkshochschule und eine Außenstelle der Beruflichen Schulen.

Die alten Korbacher sprechen aber immer noch vom „Gymnasium” oder von der „Klosterschule”, obwohl diese traditionsreiche pädagogische Einrichtung längst wegen Raummangels an den Stadtrand gezogen ist. Das längs der Straße stehende Gebäude, in dem Generationen von Korbacher und auswärtigen Schülerinnen und Schülern ihre gymnasiale Ausbildung erfuhren, wurde 1770 bis 1774 auf dem Grund des ehemaligen Franziskanerklosters errichtet.

Wo einst Mönche lebten

Das Kloster war 1487 durch die Grafen Philipp II,, Heinrich VIII. und Otto IV. von Waldeck gegründet worden. Der Einführung der Reformation in Korbach setzten die Mönche des Klosters starken Widerstand entgegen.

So kam es, dass es erst 1566 aufgelöst wurde, lange, nachdem die anderen waldeckischen Klöster bereits nicht mehr bestanden.

Das Gebäude wurde damals von der Stadt Korbach übernommen, die ihre Bürgerschule dorthin verlegte. Nachdem die Grafen Wolrad II. und Josias l. von Waldeck 1577 ein Gymnasium gegründet hatten, konnte dieses zwei Jahre später im alten Kloster eröffnet werden. Sie gaben dem neuen Landesgymnasium einen finanziellen Rückhalt durch die Einkünfte des nach der Säkularisation (Einziehung kirchlichen Vermögens durch den Staat) aufgehobenen Klosters Berich.

Im Siebenjährigen Krieg (1756 - 1763), der Korbach zum Kriegsschauplatz werden ließ, wurden die Gebäude des ehemaligen Klosters total zerstört. Fürst Friedrich von Waldeck ließ daher ab 1770 auf den Grundmauern der Klosterkirche einen Neubau errichten, der nach ihm „Fridericianum” genannt wurde. Über dem Portal finden wir die Inschrift „FRIDERICUS WALDEGKIAE PRINCEPS RESTITUIT ANNO MDGCLXXIII”, im Giebelfeld das Monogramm „FF” (Fürst Friedrich). Der Langbau erhielt 1884/85 einen Seitenflügel, in dem Klassenzimmer und die Aula untergebracht wurden. Das Dachgeschoss wurde1932/33 ausgebaut. Eine Erweiterung erfuhr die Schule, die seit 1936 offiziell den Namen „Alte Landesschule” führt, ab 1955.

Wenn Ehemalige das Klosterglöckchen hören

Wenn heute das Klosterglöckchen vom Turm der Schule erklingt, erinnern sich viele Ehemalige an ihre Schulzeit - vielleicht mit Wehmut, vielleicht aber auch mit Unmut, je nachdem, ob man hier erfolgreich fürs Leben gelernt oder mehr gelitten und gezittert hat.

Das alte Klosterglöckchen, das seit Jahrhunderten die Gymnasiasten zum Unterricht rief, war Anfang des letzten Jahrhunderts zersprungen. Es wurde durch ein neues Clöckchen ersetzt, das allerdings im 1. Weltkrieg abgegeben und eingeschmolzen werden musste. Ehemalige Schüler stifteten 1927 eine neue Glocke. Diese ereilte im 2. Weltkrieg das gleiche Schicksal wie ihre Vorgängerin. Ihr Erz wurde für Kriegszwecke gebraucht. Wieder waren es die Ehemaligen, die für eine neue Glocke sorgten. Sie trägt die Inschrift „Wachet auf, ruft uns die Stimme”, den Anfang des bekannten Liedes unseres waldeckischen Liederdichters Philipp Nicolai.

Verein ehemaliger Korbacher Gymnasiasten

Ehemalige Gymnasialturnhalle

Seit Herbst 1925 gibt es den Verein Ehemaliger Korbacher Gymnasiasten, der noch heute seine Mitglieder für jeden ersten Montag im Monat in die „Waage” zum gemütlichen Beisammensein einlädt. Seit 1928 erscheint das Vereinsblatt „Klosterglöckchen”.

Im Garten des alten Klosters befindet sich ein Ehrenmal zum Gedenken an die in den beiden Weltkriegen gefallenen Lehrer und Schüler.

Die Serie

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serie geschrieben.

siehe auch