Häuser in Korbach: Diemelsächsisches Bauernhaus

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Durch vier Generationen wohnte hier die Familie Schumacher, bis sie 1817 im Mannesstamm ausstarb.
Inschrift: OTTO HENRICH SCHUMACHER UND ANNA ELISABETH SINE EHLICHE HAUSFRAU HABEN GOTT VERTRAUT UND DIS HAUS GEBAUET IM JAHRE 1732 DEN NEUNDEN JUNIUS.

Einzigartig in der Kreisstadt

Während im nördlichen Waldeck noch heute zahlreiche im niederdeutschen, diemelsächsischen Stil errichtete Bauernhäuser vorzufinden sind, blieb in Korbach lediglich ein einziges Bauernhaus dieser Art erhalten, das Haus Enser Straße 5. Das dreigeschossige Fachwerkhaus steht mit der Giebelseite zur Straße, allerdings etwas zurückversetzt.

Über dem reichlich ornamentierten einstigen Tennentor finden wir die Inschrift: OTTO HENRICH SCHUMACHER UND ANNA ELISABETH SINE EHLICHE HAUSFRAU HABEN GOTT VERTRAUT UND DIS HAUS GEBAUET IM JAHRE 1732 DEN NEUNDEN JUNIUS.

Mit diesem Neubau ersetzte O. H. Schumacher das hier ursprünglich stehende Haus seines Vaters Johann Conrad Schumacher, der 1669 Ratsmitglied und später Pfennigmeister der Stadt Korbach war. Es ist zu vermuten, dass das Haus beim großen Korbacher Stadtbrand 1664 vernichtet wurde, da es in unmittelbarer Nähe des Hauses stand, von dem der Brand damals ausgegangen war. Durch vier Generationen wohnte hier die Familie Schumacher, bis sie 1817 im Mannesstamm ausstarb.

Tochter Johanna heiratete den Immighäuser Johannes Brühmann. Auch den Brühmanns widerfuhr ein ähnliches Geschick. Nach drei Generationen gab es keine Nachkommen mehr, da die Brüder Carl und Friedrich Wilhelm Brühmann (gest. 1926) unverheiratet geblieben waren.

Korbach im Grenzland zwischen Franken und Sachsen

In früher Zeit lag Korbach auf sächsischem Gebiet im Grenzland zwischen den sich nicht immer freundlich gesinnten germanischen Großstämmen der Sachsen und Franken. Noch heute lassen sich die alten Grenzen einigermaßen exakt ausmachen. Die Stammesunterschiede sind hüben und drüben noch erkennbar in Mundart und Sprache, in Bauweise und Brauchtum.

Auch die zur Sicherung der Grenzen errichteten Befestigungsorte Frankenberg und Frankenau auf fränkischer sowie Sachsenberg und Sachsenhausen auf sächsischer Seite zeigen den Verlauf der alten Grenze an.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serie geschrieben.

Die Serie

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt.

siehe auch