Häuser in Korbach: Der Rote Turm

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Der Rote Turm liegt an der inneren Stadtmauer, nordwestlich der Nikolaikirche. Er ragt in den Totenhagen hinein und soll einst fast so hoch wie der Tylenturm gewesen sein.

Gefürchtetes Gefängnis

Den meisten Korbachern ist das alte Steinhaus, Ascher 14, als der Rote Turm bekannt. In Wirklichkeit handelt es sich aber bei diesem Haus um den Anbau an einen alten Turm der Korbacher Stadtbefestigung. Der Rote Turm liegt an der inneren Stadtmauer, nordwestlich der Nikolaikirche. Er ragt in den Totenhagen hinein und soll einst fast so hoch wie der Tylenturm gewesen sein.

Das am Ascher gelegene Steinhaus wurde 1734 nach einem Plan des Baudirektors Rothweil im Auftrag der fürstlichen Regierung als Amtsgefängnis an den alten Roten Turm angebaut. Der Turm wurde bis auf die heutige Höhe abgetragen. Die abgetragenen Bruchsteine wurden zum Bau des neuen Gefängnisses verwendet. Bis 1734 befand sich das Amtsgefängnis im Wollweberturm am Oberen Herrenhof.

Als die fürstliche Regierung den Wollweberturm als Arresthaus aufgeben und ein neues Gefängnis bauen wollte, ersuchte sie die Stadt Korbach, ihr den Tylenturm mit einem benachbarten Gebäude zu überlassen. Der Tylenturm hatte ja schon früher als Gefängnis für zum Tode Verurteilte gedient. Die Stadt bot der Regierung jedoch den Roten Turm an, und so kam es zum Neubau am Ascher. Dieses Haus diente dem Waldeckischen Staat über 120 Jahre als Gefängnis. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Gefängnis an den Unteren Herrenhof verlegt. Wer weiß heute noch, dass der rote Sandsteinbau in der Unterstraße, heute Haus Heckmann, für Jahrzehnte das Korbacher Gefängnis war?

1860 kaufte der Maurer August Wilke das Steinhaus am Roten Turm. Seit dieser Zeit wurde es als Wohnhaus genutzt. Seit 1873 befand es sich im Besitz der Familie Bingemann. 1979 wurde die Stadt Korbach neuer Eigentümer. Architekt Georg Spratte übernahm das ziemlich desolate Gebäude 1980 in Erbpacht und ließ es innen und außen liebevoll und stilgerecht restaurieren. Eine rote Fahne am Giebel weist auf die frühere Verwendung dieses Gebäudes hin. In alter Zeit zeigte sie an, dass für einen einsitzenden Delinquenten die Hinrichtung bevorstand.

Wie ein Metzger dem Hexenprozess entging

Offenbar wurde der Rote Turm schon vor dem Ausbau als Amtsgefängnis, das 1743 bezugsfertig wurde, zumindest zeitweise als Gefängnis genutzt. Dies geht aus alten Korbacher Prozessakten hervor, die sich heute im Archiv der Stadt Korbach und dem Staatsarchiv Marburg befinden.

Um 1642 wurde dem Korbacher Bürger Johannes Nellen, der 1629 und auch 1640/41 bei den Ratswahlen die Metzgerzunft vertreten hatte und in den Verdacht der Hexerei geraten war, vom „Corbachischen Fiscalis” (Ankläger) angedroht: „Siehe da solt du von einer Stross zur andr gezogen, darnach in den roten Turm geworffen und nicht ehe heraus gelassen werden, bis du bekennest das du des Zauberlasters schuldig seist”.

Der Rote Turm war also schon rund hundert Jahre vor seinem Ausbau als Amtsgefängnis von jedermann gefürchtet. Besagtem Johannes Nellen gelang es zu fliehen. Er wurde jedoch nach kurzer Flucht wieder eingefangen. Da seine Gefangennähme außerhalb der Stadt erfolgte, unterlag er nicht mehr der Korbacher Gerichtsbarkeit. Er wurde in das gräfliche Schloss auf dem Eisenberg gebracht. In einem Brief an die Gräfin Anna teilte er mit, er würde, obwohl unschuldig, gern dort in Haft bleiben, wenn er nur nicht nach Korbach zurückgebracht werde, da er vor dem dortigen Fiskalen große Angst habe. Obwohl Bürgermeister und Rat seine Auslieferung betrieben, blieb er auf dem Eisenberg in Haft und entging so einer möglichen Verurteilung als Hexer.

Die Serie

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serie geschrieben.