Häuser in Korbach: Das Rathaus

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Das repräsentativste der alten Korbacher Steinhäuser ist wohl das 1377 erbaute Rathaus.

Rathaus Korbach
Das historische Korbacher Rathaus auf der grenze von Alt- und Neustadt, rechts sieht man den in den 1970er-Jahren erstellten Anbau. Hinter dem Rathaus ist das Gebäude der Stadtbücherei

Wie es zum Bau dieses Rathauses kam, ist eine lange Geschichte. Die Stadt Korbach, die sich damals Corbece oder auch Corbike nannte, war aufgrund ihrer Lage am Schnittpunkt zweier wichtiger Handels- und Heerstraßen besonders begünstigt. Die wirtschaftliche Entwicklung ließ sie im Verlauf des 12. und 13. Jahrhunderts aus allen Nähten platzen. Durch Zuzüge von Handwerkern und Handelsleuten, die innerhalb der befestigten Stadt keine Ansiedlungsmöglichkeiten mehr fanden, entstand vor dem westlichen Tor eine Neustadt, die sich schließlich ebenso wie die Altstadt mit einer Befestigungsmauer umgab.

Während in der Altstadt die alteingesessenen Adelsgeschlechter und Patrizierfamilien Grundherren waren und dort das Sagen hatten, entwickelte sich die Neustadt zu einer Bürgerstadt mit einer eigenen Kommunalverwaltung. Wie immer, wenn privilegierte Alteingesessene und tüchtige Neubürger miteinander auskommen müssen, so gestaltete sich auch hier das Miteinander nicht ohne Schwierigkeiten.

Es muss wohl die Einsicht gewesen sein, dass ein zukünftiges Zusammengehen beider Städte nur Vorteile bringen kann, die schließlich zu einer Vereinigung führte. Auf mehr oder weniger starken Druck der Zünfte wurde diese Vereinigung 1377 vollzogen. Man beschloss, auf der Grenze zwischen Alt- und Neustadt, am ehemaligen Lengefelder Tor der Altstadt, ein gemeinsames Rathaus zu bauen. Das Rathaus der Altstadt befand sich bis dahin am Marktplatz, wo heute die alte „Waage” steht. Das Rathaus der Neustadt stand an der Stelle des späteren „Hochzeitshauses”, der heutigen Stadtbibliothek, am Ende der Professor-Kümmel-Straße. Das neue gemeinsame Rathaus sollte wohl so etwas wie ein Symbol für den ernsthaften Einigungswillen beider Städte darstellen. Was die Stadtväter damals allerdings bewog, dem Rathaus zwei getrennte Zugänge zu geben, nämlich einen Eingang von der Altstadtseite her und einen von der Neustadtseite, können wir heute nicht mehr nachvollziehen. Ob man sich wohl doch noch nicht so ganz einig war?

Durch fast drei Jahrhunderte war das neue Rathaus Sitz der Stadtverwaltung. Wie alle anderen umliegenden Gebäude wurde es dann aber beim großen Stadtbrand von 1664 ein Raub der Flammen. Nur die äußeren Mauern und der gotische Treppengiebel der Südseite blieben erhalten.

Wiederaufbau von 1702 bis 1706

Ein Wiederaufbau erfolgte erst in den Jahren 1702 bis 1706. Seitdem war das Gebäude nicht nur Sitz der Stadtverwaltung, sondern diente recht verschiedenen Erfordernissen der Stadt. Auch das Amtsgericht war über Jahre hier untergebracht. Einen gründlichen Umbau erfuhr das Gebäude in den Jahren 1929/30. Nach den Plänen des damaligen Landeskonservators Dr. Bleibaum erhielt das Rathaus das Türmchen an der Nordseite, ebenso den Arkadengang entlang der Stechbahn.

Die Rolandfigur, die ursprünglich als Zeichen freier Gerichtsbarkeit auf dem alten Marktplatz gestanden haben soll und später als Heiliger Mauritius unter den Heiligen des Südportals der Kilianskirche ein über dreihundert Jahre währendes Dasein fristete, wurde 1937 an die Nordwestecke des Rathauses versetzt. Hier war sie jahrzehntelang den schädlichen Umwelteinflüssen durch Wetter und Verkehr ausgesetzt. An ihrer Stelle steht heute eine Kopie. Das Original der Rolandfigur befindet sich im Foyer des Rathauses. Was die meisten Korbacher nicht wissen: Im Jahr 1853 fasste der Gemeinderat den Beschluss, das Rathaus „nebst Gefängnis” zu verkaufen. Es ist anzunehmen, dass sich kein Käufer fand. Wenn Gebäude erzählen könnten! Was könnten wir alles vom alten Rathaus aus der wechselvollen Geschichte der Stadt erfahren. Ganz sicher auch etwas über den modernen Erweiterungsbau der 60er/70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Aber das ist ein Kapitel für sich!

Fruchtmagazin, Hauptwache und Fleischscherne

Von Dr. med. Henrich Gottfried Justus Varnhagen (1727-1774) stammt ein Bericht über die Verwendung des Korbacher Rathauses in der Mitte des 18. Jahrhunderts, den die Corbacher Zeitung Nr. 82 vom 18. Juli 1903 veröffentlichte: „Auf diesem Gebäude ist auch das Fruchtmagazin der Stadt. Der Unthere Theil dient den Soldaten zu ihrer Hauptwache. Auch ist ein Theil des Gebäudes unten zur Fleischscherne eingerichtet, wo die Metzger auf die gewöhnlichen Fleischtage feilhalten. Inngleichen befinden sich hier die Kanonen der Stadt. Ferner sind an einem Pfeiler Eisen angebracht, woran die, geringerer Diebstähle wegen straffälligen Personen angeschlossen und zur Schau gestellt werden. Neben dem Thore des Rathauses nach der Neustadt stehet der Weckeschirn, welcher ein kleines Haus ist, worin alle Wochentage, den Sonntag ausgenommen, zwey Becker frische Ware, Gebackenes verschiedener Art, auch Brod feil halten. An der Morgenseite des Rathauses stehet das Blockhaus, welches unten dem Schließvogt zur Wohnung, oben aber zu Gefängnissen dienet."

Die Serie

Historisches Rathaus in Korbach

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serie geschrieben.