Häuser in Korbach: Christuskirche

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Nachdem der Bau eines neuen Gotteshauses beschlossen war, erfolgte am 16. April 1885, am 50jährigen Amtsjubiläum des ersten Pfarrers der Gemeinde, Pastor Eichhorn, die Grundsteinlegung. Schon am 20. Juni des folgenden Jahres konnte die Kirche eingeweiht werden.

Von der Remise zum schlichten Neubau

Sie ist das Gotteshaus der Lutherischen Gemeinde, früher auch unter dem Namen Altlutheraner bekannt, die sich am 2. Mai 1864 in Korbach konstituierte: die Christuskirche auf dem Ascher. Das Kirchenblatt Nummer 12 aus dem Jahr 1867 berichtet: „Ostern 1864 zeigten etwa 56 Seelen in dem Städtchen Sachsenberg und unmittelbar darauf nicht viel Wenigere in Corbach ihren Austritt aus der unierten Landeskirche an und baten um die Aufnahme in die evangelisch-lutherische Kirche”. Als Gotteshaus benutzte man in Korbach zunächst eine alte Wagenremise, die sich ursprünglich auf dem heutigen Kirchengrundstück befand. Das Kirchenblatt Nummer 15 berichtet 1864 über diese Remise: „Das Lokal fasst 80 bis 100 Menschen. Es ist notdürftig, aber recht hübsch eingerichtet, Altar, Kanzel, Stand für den Pastor ist vorhanden, namentlich der Altar lieblich geschmückt durch die theilnehmende Liebe der Elberfelder mit Decke, auch Crucifix und Leuchtern.”

Natürlich war diese Remise nur ein Notbehelf. Die Mängel stellten sich alsbald heraus. Feuchtigkeit, Moder und Schwamm hatten sich in dem alten Gemäuer festgesetzt. Die Kirchenblätter berichten: „An einem der letzten Passionsgottesdienste des Jahres stürzten während der Predigt große Stücke Mörtel von der durchweichten Decke hernieder, und die erschreckten Betroffenen flüchteten von einer Ecke in die andere; ängstliche Gemüter besorgten, der Einsturz des Gebäudes stünde bevor.” Nachdem der Bau eines neuen Gotteshauses beschlossen war, erfolgte am 16. April 1885, am 50jährigen Amtsjubiläum des ersten Pfarrers der Gemeinde, Pastor Eichhorn, die Grundsteinlegung. Schon am 20. Juni des folgenden Jahres konnte die Kirche eingeweiht werden. Die Einweihung wurde trotz strömenden Regens festlich begangen. „Ein Mägdlein trug auf einem Kissen den Kirchenschlüssel” beim Festzug. Als Gäste waren Kreisamtmann Giesecken, Amtsgerichtsrat Doktor Waldeck und Bürgermeister Brack erschienen. Für Bau und Ausstattung der Kirche wurden 8000 Mark aufgewendet. Etwa 4000 Mark kamen aus der eigenen Gemeinde, der Rest aus Spenden von außerhalb.

Eine erste Renovierung erfolgte 1911, eine zweite 1976. Bei der letzten Renovierung wurde ein Eingangsvorbau errichtet und eine neue Orgel installiert. Da ein Pilz Fußboden und Bänke stark angegriffen hatte, musste 1982 erneut renoviert werden. Heute ist das Innere der neugotischen Backsteinkirche von ein- drucksvoller Schlichtheit geprägt. Im kleinen Chorraum befindensich hinter dem Altar drei Buntglasfenster. Im runden Mittelfenster ist Christus als der gute Hirte dargestellt. Vor dem Chorraum stehen Lesepult, Taufstein und die alte Kanzel, heute allerdings nicht mehr erhöht, sondern ebenerdig und in Augenhöhe der Gemeinde. Die 1982 aufgestellten Bänke sind alle aus einem einzigen Baumstamm gefertigt. Ein auf dem Nachbargrundstück befindliches Bürgerhaus wurde 1883 bis 1960 als Pfarrhaus benutzt. Es hatte 1900 einen Anbau bekommen. Unter Pastor Otto wurde nach Abriss der alten Gebäude ein neues Pfarrhaus errichtet und 1961 bezogen. Ursprünglich stand hier, Ketzerbach 4, ein von Amtsdiener und Freiwächter Ludwig Ferdinand Melches 1812 erbautes Bürgerhaus. Das erste auf diesem Grundstück nachweisbare Haus, das damals von Ratsmitglied und Schmiedemeister Matthias Ruppel, Bürger seit 1652, bewohnt war, ist beim großen Brand 1664 abgebrannt. Wann es wieder aufgebaut wurde, konnte nicht genau festgestellt werden. Jedenfalls wohnte dort 1739 Michael Rappe, der es in diesem Jahr „moderiert” hat. Nach ihm bewohnte der Stadtwachtmeister Heinrich Kaiserdas Haus. Von Michael Rappe, Bürger seit 1735, getauft 1712, begraben 1772, heißt es im Neustädter Kirchenbuch: „Michael Rappe, gewesener Schuster und Bürger, der aus Faulheit in die Armut gekommen, dass er vor seinem Ende den Bettelstab hat ergreifen müssen”.


Wie es zur Gründung der Lutherischen Gemeinde in Korbach kam

Durch die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum erfolgte Reformation, die zunächst als Reformierung der Una Sancta, das heißt der hier ohne Konkurrenz bestehenen römisch-katholischen Kirche gedacht war, entstand eine geradezu unüberschaubare Umwälzung nicht nur der kirchlichen Zustände in Deutschland. Viele Landesherren, diedamals auch kirchliches Oberhaupt in ihrem Herrschaftsbereich waren, lösten ihr Land aus dem Verband der katholischen Kirche. Einige von ihnen förderten die von Martin Luther in Gang gesetzten Reformbestrebungen, andere hingegen folgten der von der Schweiz ausgehenden Reformation durch Zwingli und Calvin. So entstanden vor allem im mittel- und norddeutschen Raum die „Lutherischen Landeskirchen”, in den süddeutschen Ländern die auf Zwingli und Calvin zurückgehenden „Reformierten Landeskirchen”. Ein Zusammenschluss beider Richtungen scheiterte trotz vieler Gemeinsamkeiten an der unterschiedlichen Auffassung über die leibliche Gegenwart Christi im Abendmahl. Auch das 1529 von dem hessischen Landgrafen Philipp dem Großmütigen veranlasste Marburger Religionsgespräch zwischen Luther und Zwinglibrachte keine Einigung. Dem in den folgenden Jahrhunderten weiterhin bestehenden nicht immer friedlich ausgetragenen Theologenstreit bereitete Friedrich Wilhelm III., König von Preußen, ein Ende. Da eine Einheitskirche, die Katholiken und Protestanten einschloss, aber auch eine angestrebte Nationalkirche der Evangelischen nicht realisierbar waren, ordnete er eine Vereinigung der evangelischen Kirchen in Preußen an. So entstand 1817 eine „Kirche der Union”, die 1821 auch in Waldeck eingeführt wurde. Dies erregte auch in Waldeck Widerstand unter den stark vom Luthertum geprägten Gläubigen. Die Folge war die Gründung einer selbstständigen Lutherischen Gemeinde in Sachsenberg, wo Pastor Rudolf Rocholl für den alten Glauben und die lutherische Konfession stark eingetreten war. Sicherlich spielten auch die in den damaligen lutherischen Gemeinden stark ausgeprägten Missionsbemühungen eine nicht unwesentliche Rolle. Dies brachte Pastor Rudolf Rocholl den Unwillen der waldeckischen Kirchenleitung ein, und er ging außer Landes. Die Bewegung jedoch war nicht aufzuhalten. Nicht nur in Korbach, sondern auch in Bergheim gründete sich eine Lutherische Gemeinde.


Die Korbacher Gemeindepfarrer

Carl Eichhorn (1867 bis 1889)

Heinrich Hübner (1890 bis 1936)

Herbert Otto (1936 bis 1978)

Lüder Wilkens(1978 bis 1989)

Dr. Peter Lochmann (1989 bis 1999)

Stefan Paternoster (seit 1999)

Die Serie

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serie geschrieben.