Häuser in Korbach: Bürgerhaus

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Joachim von Hanxleden, Besitzer seit 1958, verkaufte das Anwesen 1960 der Stadt Korbach, die hier ihr Bürgerhaus errichtete.
Der erste uns bekannte Besitzer war Ulrich Leusmann. Darauf weist das neben der erhaltenen Jahreszahl befindliche Leusmann‘sche Wappen hin.

Gut ging durch viele Hände

Von 1966 bis 1968 ließ die Stadt Korbach in der Kirchstraße ihr Bürgerhaus errichten. Sie erhielt dadurch endlich mehrere Veranstaltungsräume, die vor allem von Vereinen und der Volkshochschule genutzt werden können. Hier hat aber auch das Stadtarchiv sein Domizil. In einigen Räumen finden regelmäßig Seniorentreffs statt, in anderen in unregelmäßiger Folge auch Ausstellungen. Bis zum Bau des Bürgerhauses gab es für öffentliche Veranstaltungen lediglich die 1972 abgerissene frühere Stadthalle im ehemaligen Blau-Kreuz-Gebäude. Heute steht auf diesem Gelände die Post. Das Bürgerhaus wurde auf dem Grundstück des von Hanxleden´schen Gutshofs neben der Nikolaikirche gebaut. Die noch erhaltene Jahresinschrift 1577 weist darauf hin, dass sich hier bis zum Abriss im Jahr 1965 das älteste, bis dahin erhaltene Wohngebäude der Stadt Korbach befand. Es stand an der Nikolaistraße gegenüber dem früheren Neustädter Kirchhof. Der Gutshof hatte eine lange, wechselvolle Geschichte. Über seinen Ursprung ist nichts überliefert. Der erste uns bekannte Besitzer war Ulrich Leusmann. Darauf weist das neben der erhaltenen Jahreszahl befindliche Leusmann‘sche Wappen hin. Leusmann war 1575 Bürger der Stadt Korbach geworden. Später war er auch Bürgermeister. Nach seinem Tode heiratete seine Witwe, Anna von Geismar, 1601 den Tilemann Leusmann, einen Verwandten ihres verstorbenen Mannes. Über die nachfolgenden Besitzverhältnisse ist nichts bekannt. Beim großen Stadtbrand von 1664 wurden die Hofgebäude ein Raub der Flammen. Besitzer war zu dieser Zeit Rentmeister Tilemann Judenherzog, der nach seinem Tod im Dom zu Bremen beerdigt wurde.

Dessen Frau war eine Tochter des damaligen waldeckischen Kanzlers Zacharias Victor. 1712 wird Arnold von Huyssen, Kurpfälzischer Hofrat und Richter, als Besitzer genannt. Seine Frau, Maria Juliane von Aussem, stammte mütterlicherseits aus dem Haus Judenherzog. Von Huyssens Sohn Theodor übernahm 1731 das Anwesen. Er war Drost des Amtes Eisenberg, außerdem Obervorsteher der waldeckischen Hospitäler und Waisenhäuser. Zwanzig Jahre später sind von Huyssens Witwe und seine drei Töchter als Besitzer im Kataster eingetragen. Die älteste Tochter Wil- helmine Eleonore Charlotte übernahm 1772 den Hof. Sie hatte 1755 den späteren General Johann Christoph von Huyn geheiratet, der auf englischer Seite mit den hessischen Hilfstruppen in Amerika kämpfte und 1780 in New York gefallen ist. Seine Eltern sind die Erbherren von Nieder-Beisheim bei Homberg (Efze), die Mutter eine geborene von Hanxleden. Das Grabmal der Wilhelmine Eleonore Charlotte von Huyn, die 1792 starb, steht heute noch auf dem alten Neustädter Kirchhof neben der Nikolaikirche. Es wurde von Christian Daniel Rauch geschaffen. Das Neustädter Kirchenbuch vermerkt: „Frau Generalin von Huyn, eine musterhafte Dame, welche alle Vornehmen unserer Stadt durch ihr tugendhaftes und christliches Betragen beschämte. Bei den Ihrigen auf Erlaubnis des Fürsten auf dem Neustädter Kirchhof bei Tage am 10. März 1792 begraben - 58 Jahre alt.” Die Tochter der „Generalin”, Sophie von Huyn, heiratete 1783 den Major Friedrich Carl Ludwig von Hanxleden vom Gut Gershausen bei Bad Wildungen, wo die Familie von Hanxleden seit 1614 ansässig war. Er war der Begründer der Korbacher Linie von Hanxleden, in deren Besitz das Hofgut über sechs Generationen blieb.

Ludwig von Hanxleden war von 1864 bis 1884 Bürgermeister der Stadt Korbach, sein Sohn Wilhelm stand in gleichen Diensten von 1898 bis 1903. Die Familie wohnte zeitweise in der zum Gut gehörenden Teichmühle bei Berndorf. Wilhelm von Hanxleden, Besitzer seit 1934, betrieb zwischen Nordwall und Hagenstraße eine Gärtnerei. Der landwirtschaftliche Betrieb war in dieser Zeit verpachtet. Joachim von Hanxleden, Besitzer seit 1958, verkaufte das Anwesen 1960 der Stadt Korbach, die hier ihr Bürgerhaus errichtete. Rechts neben dem einstigen Herrenhaus, wo sich heute der Parkplatz des Bürgerhauses befindet, stand bis 1831 ein Wohnhaus, das der damalige Besitzer, Obergerichtspräsident Wilhelm von Hanxleden, abreißen ließ und dort einen Garten anlegte. Dieses Haus war nach dem Stadtbrand von 1664 errichtet worden. Es war zuletzt im Besitz der in Korbach über Generationen ansässigen Familie Huge. Wohnte auch Dr. Faust im Gutshof? Dr.Medding berichtet in seiner Korbacher Stadtgeschichte von einem Besuch des berühmt-berüchtigten Dr. Johann Faust in Korbach im Jahr 1535. Er beruft sich dabei auf einen Bericht des Bürgermeisters von Nieder-Wildungen, Daniel Prasser, in dessen „Chronicon Waldeccense”. Während seines Aufenthalts in Korbach soll Dr. Faust im ältesten Gebäude des Hofgutes an der Nikolaistraße gewohnt haben. Die Überlieferung, dass dort auch schon Dr. Martin Luther auf seiner Rückreise vom Marburger Religionsgespräch 1529 genächtigt haben soll, ist allerdings weniger glaubhaft. Dr. Johann Faust, der von Goethe in seinem bekannten Drama zu einem nach höchster Erkenntnis und Erlösung strebenden Menschen hochstilisiert wird, war in Wirklichkeit ein damals landauf, landab bekannter Gaukler und Schwarzkünstler. Nicht nur auf Jahrmärkten verstand er es, sich durch Schwindeleien und Hexenkünste seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Faust tat sich auch als Wahrsager hervor. So soll er während seines Aufenthalts in Korbach vorausgesagt haben, dass Franz l. von Waldeck, damals Fürstbischof von Münster, in der Nacht vom 24. auf 25. Juni 1535 die Stadt Münster nach langer Belagerungszeit erobern und aus der Hand der Wiedertäufer befreien würde. Diese Voraussage traf tatsächlich ein.

Die Serie

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serie geschrieben.