Häuser in Korbach: Amtsgericht, Gefängnis und Eichamt

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Als die meisten hessischen Eichämter im Zuge von Rationalisierungsmaßnahmen Mitte der sechziger Jahre aufgelöste wurden, verlor auch Korbach sein Eichamt.
Die Gerichtsbarkeit in Korbach hat eine lange, wechselvolle Geschichte.

Einweihung mit viel Prominenz

Zu den öffentlichen Gebäuden, die gegen Ende des Freistaates Waldeck durch das Land Preußen in Korbach errichtet wurden, gehören auch das Amtsgericht, das Amtsgerichtsgefängnis und das Eichamt in der Hagenstraße. Die Gerichtsbarkeit in Korbach hat eine lange, wechselvolle Geschichte. Als im Jahr 1188 der Bischof von Paderborn der Stadt Korbach das Soester Stadtrecht verlieh, bekam sie damit auch das Recht, auf eigenem Territorium die Gerichtsbarkeit auszuüben. Daneben gab es immer auch die Gerichte der Waldecker Grafen, die sich ebenfalls für lange Zeit in Korbach befanden. Die ältesten Gerichtsstätten in Korbach waren wohl das Altstädter Rathaus am Marktplatz und die Freigerichte unter den Linden am Enser und am Lengefelder Tor. Das städtische Gericht wurde nach der Vereinigung der Alt- und Neustadt 1377 in das neue gemeinsame Rathaus an der Stechbahn verlegt. Bis zum 18. Jahrhundert diente der Tylenturm als Gefängnis, aber auch Butterturm und Hexenturm. Der Rote Turm am Ascher wurde 1732 zum Amtsgefängnis ausgebaut. Ab 1870 wurde der Untere Herrenhof (heute Haus Heckmann) als Gefängnis genutzt. Zuchthausstrafen wurden bis 1870 auf Schloss Waldeck abgebüßt, später in preußischen Haftanstalten. Als Vollzugseinrichtungen gab es in Korbach die Schandsteine und den Pranger am Marktplatz, daneben aber auch die Galgen am Waldecker Berg und auf dem Klusenberg. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts gab es Pläne, in Korbach neue Gerichtsbauten zu errichten. Die Unterbringung einzelner Abteilungen im Rathaus und im Gefängnis am Unteren Herrenhof war nicht mehr zeitgemäß. Erster Weltkrieg und die folgenden wirtschaftlichen Notjahre ließen einen Neubau jedoch nicht zu. Erst durch die bevorstehende Übernahme Waldecks durch Preußen konnten die alten Baupläne Wirklichkeit werden. In der Hagenstraße entstand ein neues Gefängnis und Amtsgerichtsgebäude. Anlässlich der feierlichen Einweihung am 24. Oktober 1928, bei der Oberlandesgerichtspräsident Dr. Anz, Generalstaatsanwalt Rasch und viele Vertreter der Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden zugegen waren, wurde unter dem Schlussstein eine Urkunde eingemauert, die über die Baugeschichte des neuen Gerichtsgebäudes informiert. Darin heißt es u.a.: „Die Errichtung des Gefängnisses geschah in den Jahren 1925 und 1926, die des Geschäftsgebäudes, in welchem auch die Räume für ein Katasteramt vorgesehen wurden, in den Jahren 1927 und 1928 zu der Zeit, als Präsident Dr. Schmieding Landesdirektor des Freistaates Waldeck, Amtsgerichtsrat Waldschmidt Präsident des Waldeckischen Landtages und Amtsgerichtsrat Werner aufsichtsführender Richter des Amtsgerichtes Corbach war.”

Der Entwurf stammte von Reg.- und Baurat Quehl, der auch mit der Bauleitung beauftragt war. In der Urkunde sind schließlich auch alle am Bau beteiligten Handwerker aufgeführt, deren Betriebe zum Teil heute noch in Korbach und Umgebung existieren. Das Amtsgericht Korbach wurde nach vorübergehender Schließung infolge der Beendigung des 2. Weltkriegs am 10. September 1945 wieder eröffnet. Im Dezember 1986 konnte ein Erweiterungsbau bezogen werden. Gleichzeitig zog das im Gebäude befindliche Katasteramt in das frühere Kreisverwaltungsgebäude an der Hauer um. Das Gerichtsgefängnis erlebte seine „Blütezeit” in den Jahren nach dem letzten Krieg, als die amerikanische Besatzungsmacht recht großzügig Verhaftungen vornahm. Mancher brave Korbacher Bürger, der die nächtliche Ausgangssperre missachtet hatte, machte damals Bekanntschaft mit einer Zelle in der Hagenstraße. Das Gefängnis wurde 1969 geschlossen und 1984 abgerissen. An seiner Stelle steht der Erweiterungsbau des Amtsgerichts. Das Gefängniswärterhaus blieb erhalten.

Über das ehemalige Eichamt, das ebenfalls 1928 mit preußischer Unterstützung als neuer Behördenbau in der Korbacher Hagenstraße errichtet wurde, gibt es wenig Spektakuläres zu berichten. Als die meisten hessischen Eichämter im Zuge von Rationalisierungsmaßnahmen Mitte der sechziger Jahre aufgelöste wurden, verlor auch Korbach sein Eichamt. Heute ist für unseren Bereich das Eichamt in Kassel zuständig. In dem schönen Gebäude an der Hagenstraße 1 befanden sich später das Staatliche Schulamt und das Studienseminar. Heute hat dort die Polizeidirektion ihren Sitz.

Gerichte der Landesherren

Der Stadt Korbach wurde bei der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1188 auch die Gerichtshoheit für den Bereich ihrer Stadt zugesprochen. Daneben gab es in der Stadt auch die Gerichte der gräflichen und fürstlichen Landesherren: In der alten Waage: Freigericht, Lehngericht Auf dem Eisenberg: Gogericht (Ende 15. Jahrh.) Im Unteren Herrenhof: Landkanzlei (1654 - 1696) Oberjustizamt des Eisenbergs (ab 1814) Fürstliches Hofgericht (bis 1849) Obergericht (1850 - 1868) Kreisgericht (ab 1.1.1869) Im Rathaus: Kreisgericht (ab 1850) Amtsgericht (ab 1.1.1869) In der Hagenstraße: Amtsgericht (ab 1928)

Mittelalterliche Strafen

Maßnahmen bei Untersuchungen nach Soester Stadtrecht: Daumenstöcke, Daumenschrauben, Spanische Stiefel, Hinaufziehen auf eine Leiter, dabei Gewichte an den Füßen, gleichzeitig Schläge, Schwefel und Pech über das Rückgrat, Wasserprobe. Ehrenstrafen: Tragen von Schandsteinen, Pranger, Narrenkasten, Maulkorbtragen, Rutenschlagen, Landesverweis. Leibesstrafen: Handabschlagen, Abschneiden eines Ohres, mit glühenden Zangen zwicken, Gassenlaufen (Militärstrafe). Strafen am Leben: Eingraben, Hängen, Rädern, Enthauptung durch Schwert, Vierteilen, Ertränken, Verbrennen.

Die Serie

Die Serie über markante Häuser in Korbach ist zwischen 1995 und 2000 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen. Im Jahr 2002 erschien die Serie zudem als Buch unter dem Titel: Korbacher Bauten erzählen Geschichte - meine Stadt.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer mehrere historische Serie geschrieben.