Häuser in Korbach: Altes Finanzamt

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Fast 60 Jahre hat das Gebäude dem Finanzamt und zeitweise auch anderen Behörden als Unterkunft gedient.
Als 1919 im Zuge einer Neuorganisation der Reichsverwaltung in Korbach erstmals ein Finanzamt etabliert wurde, fand man für diese neue Behörde zunächst nicht die geeigneten Räume. Notdürftig richtete man sich im Gasthaus Volke gegenüber der Nikolaikirche ein. Weitere Räume mussten 1923 im Gasthaus Fürst von Waldeck, gegenüber dem Hauptbahnhof, angemietet werden. Die Verteilung auf mehrere Filialen war ein unhaltbarer Zustand. Er führte schließlich zu dem Plan, in Korbach ein neues Finanzamt zu errichten, zumal das Landesbauamt in Kassel 1927 festgestellt hatte, dass sich in einigen Zimmerdecken starke Risse zeigten, „die die Last der aufgestapelten Akten nicht zu tragen vermochten”. Das Ministerium der Finanzen stellte sofort die zum Bau erforderlichen Mittel bereit, so dass bereits im September 1927 mit der Errichtung des Gebäudes begonnen wurde.

Bau

Das Bauvorhaben erfuhr durch die Stadt Korbach, die durch den Bau eines Finanzamtes eine Aufwertung als künftige Behördenstadt erwartete, großzügige Unterstützung. Sie erwarb für etwa 200.000 Reichsmark ein Grundstück am Westwall und stellte es zur Verfügung. Außerdem beteiligte sie sich an den Baukosten durch Hergabe des gesamten Bruchsteinmaterials aus den Korbacher Steinbrüchen. Von Seiten der bauleitenden Behörde gab es zwei Vorgaben: Der Bau sollte zweckmäßig und billig sein. Als das neue Finanzamt nach nur 14-monatiger Bauzeit eingeweiht werden konnte, feierte der Präsident des Landesfinanzamtes Kassel das Gebäude „in seiner eindrucksvollen Schönheit als ein sichtbares Denkmal der Reichsgewalt im Freistaat Waldeck”. Er übergab den Schlüssel an den damaligen Amtsvorsteher, Regierungsrat Sopp. Der geistige Schöpfer des Gebäudes, Oberregierungsrat Giebong, stellte fest, dass man die Vorgaben eingehalten hatte: Zweckmäßige Schönheit durch werkgerechte Anwendung des heimischen Kalksteins, außerdem sei man mit Baukosten von noch nicht 200.000 Reichsmark erheblich unter dem Kostenvoranschlag geblieben. Im neuen Gebäude, das „nach außen sehr imposant wirkt und im Innern sich durch Schönheit und Zweckmäßigkeit auszeichnet” - so Bürgermeister Dr. Zimmermann im Verwaltungsbericht der Stadt Korbach für 1928 - befand sich auch die Dienstwohnung des Amtsvorstehers.

Geschichte

Fast 60 Jahre lang hat das Gebäude dem Finanzamt und zeitweise auch anderen Behörden als Unterkunft gedient. Es war konzipiert für die Unterbringung von 40 bis 50 Beamten und Angestellten. Nach ständiger Ausweitung der finanzbehördlichen Aufgaben mussten in den 1970er-Jahren mehr als dreimal so viele Mitarbeiter untergebracht werden.

Im November 1979 teilte das Staatsbauamt Bad Arolsen mit: „Das Finanzamtsgebäude ist nach statischer Prüfung in einigen Deckenbereichen einsturzgefährdet und in allen Bereichen durch Mobiliar, Akten und Personen überlastet”. Wegen durchhängender, rissiger und morscher Decken mussten Aktenschränke auf die Flure ausgelagert werden. Es gab die Anordnung, dass Menschenansammlungen in einzelnen Zimmern zu unterlassen waren. 300 Zentner Akten sollten ausgelagert werden.

1981 kam die Entscheidung für einen Neubau an der Peripherie der Stadt, der am 12. Januar 1987 eingeweiht wurde. Seitdem dämmerte der noch immer imposante Bau des alten Finanzamts, unterbrochen durch kurzfristige Fremdnutzungen, für Jahre vor sich hin. Heute befindet sich die Akademie für Erwachsenenbildung, eine Einrichtung der Volkshochschule, darin. Die neue Nutzung wurde erst möglich, nachdem man durch Entfernung und Neueinzug von Decken und Wänden eine ausreichende Stabilität des Gebäudes erreicht hatte.

siehe auch

Weblinks und Quellen