Häuser in Korbach: Alte Schule

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Hinter der großen Linde, wo die Straße Im Sack die Schulstraße kreuzt, steht das Fachwerkhaus der Familie Schmalz.
Hinter der großen Linde, wo die Straße Im Sack die Schulstraße in Korbach kreuzt, steht das Fachwerkhaus der Familie Schmalz. Das ursprünglich hier stehende Gebäude war beim großen Brand von 1664 ein Raub der Flammen geworden. Erst 1736 ließ Johann Henrich Schotte, Pfarrer zu Lengefeld und Lelbach, in der Baulücke ein neues, schönes Fachwerkhaus errichten. Spätere Besitzer waren der Advokat Varnhagen, Commissionsrat Neumann, Justizrat Klapp und Musikdirektor Kühne.

Geschichte

Kühne war Lehrer und Kantor. Er war auch Mitbegründer und Dirigent des Gesangvereins „Concordia”. Offenbar war er ein fleißiger Mann. Sein Einkommen reichte jedoch nicht aus, den Besitz für sich und seine Familie auf längere Zeit zu halten. Das Gehalt eines Lehrers war damals recht gering. Schließlich galt es, eine Familie mit 12 Kindern zu unterhalten. An Kindergeld war damals noch nicht zu denken. Drei Jahre nach Erwerb verkaufte er das Haus an die Stadt Korbach, die hier ihre Bürgerschule einrichtete. Das Grabmal Kühnes steht heute noch auf dem nördlichen Teil des alten Friedhofs.

Die Schule der Altstadt befand sich bis dahin am Kirchplatz 4, gleich neben der Kilianskirche. Dieses alte Schulhaus ist heute Teil des Korbacher Museums. Nachdem die waldeckische Regierung 1843 ein neues Schulgesetz erlassen hatte, wurde 1846 die Korbacher Bürgerschule gegründet.

Bald zeigte sich, dass das alte Schulhaus am Kirchplatz für die neuen Erfordernisse nicht mehr ausreichte. Da die fürstliche Regierung aber auf baldige Beseitigung der Schulraumnot drängte, suchte man nach geeigneten Lösungen. Ein zunächst ins Auge gefasster Plan scheiterte. Er sah vor, alle Häuser dort abzureißen, wo heute der neue Teil des Museums steht. Man konnte aber mit den Besitzern des Schreiber‘schen Hauses, Stechbahn 19, keine Einigung erzielen, und eine Enteignung war nicht möglich. Da sich kein geeigneter Bauplatz für eine neue Bürgerschule fand, einigte man sich auf eine Zwischenlösung. Man kaufte das Fachwerkhaus des sich in finanziellen Schwierigkeiten befindlichen Lehrers Kühne in der heutigen Schulstraße und richtete hier die Bürgerschule ein. Später kam die Höhere Töchterschule hinzu. Diese Interimslösung dauerte über 50 Jahre. Die steigende Bevölkerungszahl und die Zunahme der schulpflichtigen Jugend zwang schließlich zum Neubau der Schule in der Enser Straße, heute Schule am Enser Tor. Die heutige Westwallschule wurde erst in den Jahren 1912/13 errichtet. Bis dahin war aber ein weiter Weg. Weite Kreise der Bevölkerung lehnten einen Neubau ab. Die Corbacher Zeitung druckte am 4. November 1899 die Meinung eines „Corbachers” ab. „ Die Schule ist im Sacke und bleibt im Sacke und wenn noch soviel dagegen geredet und geschrieben wird. Die Wege dahin sind zwar krumm und schmal, zuweilen auch etwas dreckig. Uns waren sie aber gut genug, und sie sollen es auch unseren Kindern sein.” Der Satz „Die Schule ist im Sacke und bleibt im Sacke” wurde bald zum geflügelten Wort und ist auch heute noch bei alten Korbachern im Schwange, wenn sie zum Ausdruck bringen wollen, dass alles beim Alten bleiben soll.

Im Jahr 1904 zogen Schüler und Lehrer in die neue Schule am Enser Tor um. Die Stadt verkaufte das Gebäude an Schreinermeister Friedrich Schmalz. Er errichtete 1928 hinter dem Wohnhaus an der Stadtmauer ein Werkstattgebäude. Sein Enkel erweiterte später das alte Fachwerkhaus durch einen Anbau. Der aufmerksame Betrachter dieses schönen Fachwerkbaus kann erkennen, dass hier einmal die Korbacher ABC-Schützen in die Kunst des Schreibens und Lesens eingeführt wurden. An der sandsteinernen Grundmauer kann man noch die Rillen und Scharten entdecken, die durch das Spitzen der Griffel entstanden sind.

siehe auch

Weblinks und Quellen