Häuser in Korbach: Alte Kreissparkasse

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Das Grundstück gehörte früher zusammen mit dem benachbarten Grundstück (Metzgerei Tent) der Korbacher Patrizierfamilie Hesporn, die seit Mitte des 14. Jahrhunderts in Korbach ansässig war. Der Ratsherr Hans Hesporn war 1377 Mitunterzeichner der Urkunde über die Vereinigung der Alt-und Neustadt.
Das Gebäude der alten Kreissparkasse befindet sich in der Professor-Bier-Straße in der Korbacher Innenstadt. Heute befindet sich das Haus im Besitz der Hessisch-Thüringischen Brandversicherungsanstalt Kassel-Erfurt.

Geschichte

Die ältesten Häuser in der Professor-Bier-Straße stammen aus der Zeit um 1700. Das Haus Nr. 9 ist jüngeren Datums. Es wurde in den Jahren 1905 bis 1907 von der Kreissparkasse errichtet. Im ersten Obergeschoss wurde auch die Kreisverwaltung, das spätere Landratsamt für den Kreis des Eisenbergs, untergebracht. Das Grundstück gehörte früher zusammen mit dem benachbarten Grundstück (Metzgerei Tent) der Korbacher Patrizierfamilie Hesporn, die seit Mitte des 14. Jahrhunderts in Korbach ansässig war.

Ratsherr Hans Hesporn war 1377 Mitunterzeichner der Urkunde über die Vereinigung der Alt- und Neustadt. Die Hesporns stellten in den Folgejahren der Stadt Korbach zahlreiche Ratsherren und Bürgermeister. Die Familie starb 1707 im Mannesstamm aus. Am nordöstlichen Rand der Stadt besaß sie ein größeres Grundstück, Hesporns Garten, aus dem der Volksmund später den Hexengarten machte. 1836 ließ der spätere Besitzer, Kreisrichter Richard Rübe, das alte Hesporn'sche Haus, das zuletzt als Scheune benutzt wurde, abreißen. Die Rube'schen Erben verkauften das Grundstück 1875 an die evangelische Kirchengemeinde, die es 1897 mit großem Gewinn an Zimmermeister Friedrich Bangert und Maurermeister Heinrich Illian veräußerte. Vom Kauferlös baute die Kirchengemeinde das Altstädter Pfarrhaus an der Kilianskirche, in dem sich heute Dekanat und Rentamt des Kirchenkreises des Eisenbergs, außerdem die Verwaltung des Gesamtverbandes der Korbacher evangelischen Gemeinden befinden.

Kreissparkasse erwirbt das Haus

Schon zwei Jahre später erwarb die Kreissparkasse einen Teil des ehemaligen Hesporn‘schen Grundstücks, um hier ein repräsentatives Sparkassengebäude zu errichten. Die Sparkasse befand sich bis dahin im Trummel‘schen Haus im Tempel Nr. 10. Der Wechsel vom Tempel in der Altstadt zur Berndorfer Straße in der Neustadt wurde von den Kunden der Sparkasse nicht widerspruchslos hingenommen. Sie befürchteten ein Ausbluten der Altstadt, nachdem bereits die Neubauten des Postamts und des Bahnhofs an den jenseitigen Rand der Neustadt gerückt waren. Der weite Weg von der Altstadt zur neuen Sparkasse sei eine unzumutbare Belastung der Altstädter. Außerdem könne dann ja auch jeder beobachten, wer sein Geld zur Sparkasse bringt. Erst 1905 wurde mit dem Bau begonnen, der zwei Jahre später vollendet wurde. Er wurde im Stil der in Korbach bekannten Müller-Gotik errichtet, das heißt, nach Plänen des Landesbaumeisters Wilhelm Müller, der ein eifriger Verfechter der in Mode gekommenen Neugotik war. Die unteren Räume des neuen Gebäudes wurden von der Kreissparkasse, die oberen vom damaligen Kreisamt, dem späteren Landratsamt, genutzt. Neben dem Hauptgebäude, an der Grenze zum Grundstück Wacker, wurde ein Hausmeisterhaus errichtet.

Nach der Zusammenlegung der drei waldeckischen Kreise (Krs. des Eisenbergs, der Eder, der Twiste) im Jahr 1942 waren die Diensträume des Landratsamtes auch an verschiedenen anderen Stellen der Stadt untergebracht. 1945 beschlagnahmten die Amerikaner die oberen Diensträume und etablierten hier die Militärregierung mit dem Dienstsitz des Resident-Officers. Längst hatten Kreissparkasse und Kreisverwaltung das Gebäude in der Prof.-Bier-Straße verlassen. Wenn man deren Neubauten am Nordwall und am Südring betrachtet, ist es kaum vorstellbar, dass beide Institutionen einst von den wenigen Büroräumen in der Prof.-Bier-Straße 9 aus verwaltet wurden.

Professor-Bier-Straße

Die Professor-Bier-Straße, die vom Berndorfer Torplatz ausgehend in Richtung Süden bis zum Abzweig der Kloster- beziehungsweise Prof.-Kümmell-Straße führt, hieß jahrhundertelang Berndorfer Straße. Ihren jetzigen Namen führt sie seit 1929 zu Ehren von Professor August Bier, Ehrenbürger der Stadt Korbach. Sie war in alter Zeit die Ausfallstraße in Richtung Berndorf und endete am Berndorfer Tor, einem der fünf alten Korbacher Stadttore, das erstmals 1409 in alten Akten erwähnt wird. Das Tor befand sich etwa an der Stelle, wo heute die Treppe beginnt, die hinunter in den tiefer gelegten Teil des Berndorfer Torplatzes führt, den die Korbacher liebevoll „das Loch” nennen. 1839 wurden hier Stadtmauer und Tor abgerissen. Dieser Abriss erfolgte auf Anweisung der fürstlichen Regierung, nachdem wiederholt größere Fuhrwerke in der engen Tordurchfahrt steckengeblieben waren. Zu größerer Bedeutung kam diese Straße erst, als sich Ende des 19. Jahrhunderts das wirtschaftliche Leben der Stadt mehr in die Neustadt verlagerte. Da sie auch Zufahrtsstraße zum neu errichteten Bahnhof, zum Kornhaus und zur Gummifabrik war, erhielt sie ab 1894 eine Kopfsteinpflasterung, ja sogar auf beiden Seiten Bürgersteige, die damals noch „Trottoir” genannt wurden. Seit Jahren ist die Prof.-Bier-Straße eine reine Geschäftsstraße. Es ist nur noch schwer vorstellbar, dass die heutige Fußgängerzone einst einen Großteil des innerstädtischen Verkehrs und auch den immer stärker werdenden Durchgangsverkehr bewältigen musste.

siehe auch

Weblinks und Quellen

Blick mit der Webcam in die Prof.-Bier-Str.