Gutenbergstraße

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Die Gutenbergstraße in Korbach

Erfinder des Buchdrucks

Auch Johannes Gutenberg, der als Erfinder des Buchdrucks gilt, gab einer Straße in Korbach ihren Namen. Heute berühmt, wurde der Mainzer zu Lebzeiten um die Früchte seiner Arbeit gebracht. Die Gutenbergstraße, eine Wohnstraße im Nordosten der Stadt, führt vom Eidinghäuser Weg zur Gabelsbergerstraße. Ein Abzweig der Straße geht als Stichstraße in nordöstliche Richtung und endet an einem Wendehammer. Sie wurde benannt nach Johannes Gutenberg, der als Erfinder der Buchdruckkunst gilt. Dass er Jahrhunderte später einmal zum Mann des Jahrtausends gekürt werden, Weichensteller für geschichtliche Entwicklung nicht nur in Europa und Urvater moderner Medien sein würde, konnte Gutenberg zu Lebzeiten nicht ahnen. Das Geburtsjahr des Mainzer Patriziersohnes lässt sich nicht mehr feststellen. Man nimmt an, dass er um das Jahr 1400 geboren wurde.

Was hat der Mann tatsächlich erfunden? Schon vor Gutenberg wurden hier und da Bücher mit Hilfe von hölzernen Druckstöcken gedruckt. In China soll es sogar schon Drucke mit beweglichen Lettern gegeben haben. Gutenbergs Verdienst ist es, als erster mit beweglichen Lettern, die aus Blei und Zinn gegossen waren, gearbeitet zu haben. Seine Druckstöcke konnten für spätere Nachdrucke aufbewahrt, oder aber, auseinander genommen, für neue Drucke wieder verwendet werden. Zum Drucken verwendete er eine Spindelpresse, wie er sie von den Weinbauern seiner Gegend kannte. In seiner Druckerei entstanden Kalender, Schulbücher und Druckerzeugnisse für den Alltagsbedarf. Als Meisterstück gilt jedoch der 1454 vollendete Druck der Bibel.

Mit etwa einem Dutzend Mitarbeiter produzierte Gutenberg 180 Exemplare. Obwohl Gutenberg sich stets als harter Geschäftsmann erwies, konnte er schließlich wegen überhöhter Schulden seine Werkstatt nicht mehr halten. Copyright und Patentschutz gab es damals noch nicht. So fuhren die Ernte seiner Erfindung bald andere ein. Die Werkstatt wurde von seinem Meistergesellen Schöffer und seinem Darlehensgeber Fust übernommen und weitergeführt. Als Gutenberg am 3. Februar 1468 starb, hatte er bereits seit drei Jahren seinen Lebensunterhalt zum Teil mit Zuwendungen des Bischofs und Kurfürsten Adolf von Nassau bestritten, der ihn mit Nahrung und Kleidung versorgen ließ. Während vor Gutenberg die Kulturtechniken Lesen und Schreiben ein Privileg des Adels und des Clerus waren, lernte nun auch das einfache Volk das Lesen. Die jetzt einsetzenden Entwicklungen in Kirche, Politik und Wissenschaft wären ohne Gutenbergs Erfindung undenkbar.

Die Serie

Straßennamen sind wichtig. Nicht nur, weil durch sie dem Ortsunkundigen, der Post, dem Paketzusteller, dem Arzt, dem Rettungsdienst und Lieferanten das Auffinden bestimmter Personen erleichtert wird. Sie ermöglichen den Anwohnern auch eine gewisse Identifikation. Mögen sich Nachbarn noch so sehr von einander unterscheiden, eins verbindet sie: Sie alle sind Bewohner der gleichen Straße. Straßennamen hat es nicht immer gegeben. Offiziell wurden sie in Korbach erst Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Bis dahin gab es viele namenlose Straßen. Natürlich hatte man Standortbezeichnungen schon früher. Sie waren aber recht allgemeiner Art: An der Neustädter Kirche etwa, oder Am Markt. Andere bezeichneten ein ganzes Stadtviertel. Flurname oder Zielort Bei der Namengebung griff man zurück auf Flurbezeichnungen (Am Waldecker Berg) oder auf die Lage der Straße (Oberstraße). Die Ausfallstraßen bezeichnete man nach ihren Zielorten (Wildunger Landstraße). Viele Straßen tragen aber auch den Namen einer bekannten oder bedeutenden Persönlichkeit, von Stadtältesten oder Ehrenbürgern. Bei Vergabe von Namen aus Politik und Regierung ist man heute in Korbach vorsichtig geworden, um späteren Umbenennungen aus dem Weg zu gehen. So wurde aus dem Adolf-Hitler-Platz nach 1945 wieder der Berndorfer Torplatz, aus der Litzmannstraße die Friedrichstraße, aus der Hindenburgstraße wieder wie früher die Bahnhofstraße. Zur Diskussion standen nach 1945 auch die an Kriegsschauplätze des Ersten Weltkrieges erinnernden Skagerrakstraße, Langemarckweg und Flandernweg. Neue Namen mussten her Die enorme Entwicklung der Stadtbebauung nach dem Zweiten. Weltkrieg brachte es mit sich, dass zahlreiche neue Straßen entstanden. Sie alle brauchten neue Namen. So entstand ein Blumenviertel, in jüngster Zeit auch ein Dichterviertel. Zahlreiche westdeutsche Städte, in die es einst Korbacher verschlagen hatte, standen Pate, aber auch mitteldeutsche Städte. Auch ehemalige ostdeutsche Städte und Gebiete, aus denen viele Korbacher Neubürger vertrieben worden waren, gaben neuen Straßen ihre Namen.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer eine Serie über die Namen Korbacher Straßen verfasst. diese ist ab April 2001 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen.